Aufsatz 
Der Kampf des Erzbischofs Gerlach von Nassau mit Heinrich von Virneburg um das Erzstift Mainz.
(Fortsetz. d. Progr. v. 1861.)
Entstehung
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ſchaften. Heinrich erkannte zwar, daß er die Regierung nicht mehr in Händen behalten konnte. Daher wurde dieſelbe, nachdem dem Entſetzten ein jährliches Einkommen von 1000 Mark feſt⸗ geſtellt worden war, einer Kommiſſion übergeben, die aus Kuno von Falkenſtein*), Domſcho⸗ laſtikus, Nikolaus von Stein, Domherr, Eberhard von Roſenberg, Vogt zu Düren, Johann von Randeck*), Vicedom im Rheingau und dem Ritter Johann von Beldersheim beſtand. Dazu kam noch Konrad von Kirkel, Probſt zu Speier und Domherr zu Mainz. Sie führen gewöhn⸗ lich den Titel: Vormünder und Pfleger des Stiftes zu Mainz.

Kirkel riß bald alle Gewalt an ſich und nahm die Einkünfte der Geiſtlichen, die dem Virneburger nicht anhingen, namentlich des Domprobſtes mit Gewalt weg. Zwei geiſtliche Gerichtshöfe wirkten einander entgegen, der Gerlach's zu Mainz, der Heinrich's zu Eltville; was der eine band, löſte der andere. Die päpſtlichen Erlaſſe für den Naſſauer, die an die Pferten des Mainzer Domes angeheftet wurden, wurden ſtets wieder weggenommen. Der Klerus war getheilt; der größte, und ich behaupte, der beſſere Theil des Kapitels und der übrigen Geiſtlichkeit war entſchieden anf der Seite Gerlach's*). Das geht deutlich aus einem Schreiben des Herzogs Ludwig zu Teck, Hofmeiſters K. Ludwig, vom 22. Juni 1347, hervor, worin er den Säcular⸗ und Regular⸗Klerus des Erzſtifts auf viele hundert Tauſend Gulden ſtraffällig erklärt wegen verkündeter päpſtlicher Bullen gegen den K. Ludwig*). Hielt auch die Furcht, ſeine Pfründe zu verlieren, manchen zurück, ſo finden wir doch gleich anfangs tüchtige Männer, die für die Vertheidigung des neuen Erzbiſchofs auftraten. So vorab der Domprobſt Johannes de Columna, Kardinal, durch hohe Bildung und Tugend unter ſeinen Zeitgenoſſen ausgezeichnet*), Rudolf Loß von Eiſenach, Nachfolger Gerlach's im Dekanat, ein ebenſo geach⸗ teter als ſtaatskluger Mann, ſpäter Rath Karls IV.*); die Kapitularen: Hermann von Schöneck, den Gerlach zum Domkuſtos ernannte*), Leopold von Bebinburg, einer der berühmteſten Rechts⸗ gelehrten des Jahrhunderts, ſpäter Biſchof von Bamberg ³), Heinrich von Grensbach, Heinrich Beyer von Boppard, ſpäter Dekan, Otto von Wettin, ſpäter Rath Karl's IV. und Biſchof von Minden, Johann Schenk von Erbach, Wilhelm und Hermann von Saulheim, Johannes Senn von Munſingen, Schweſterenkel des Erzb. Mathias, Mainzer und Baſeler Domherr, Probſt zu S. Viktor und ſpäter Biſchof von Baſel*), Konrad Brömſer, Hermann von Bibra, Albert von Beuchlingen, Scholaſtikus zu S. Stephan, ſpäter Gerlach's Vikar in pontificalibus, der im Rufe großer Frömmigkeit ſtand*), Nikolaus von Grünenberg, Probſt zu S. Viktor, Gerlach's geheime Rath und andere. Von den Mainzer Stiftern hielt Dekan und Kapitel von S. Viktor von Anfang an mit Gerlach, der es ſelbſt ſpäter bezeugt¹¹); es ſcheint von früͤher her ein freundliches Verhältniß zwiſchen dieſem Stifte und den Naſſauern beſtanden zu haben: Dekan und Kapitel wählten ſich bei Beilegung des Streites mit den Bürgern unter der Adminiſtration Balduins unter andern zu Schirmern und Helfern die Grafen Heinrich,

1) Eine kurze Geſchichte dieſes Geſchlechts, deſſen Burg am Donnersberg(alſo nicht zu verwechſeln mit Neu⸗ Falkenſtein bei Königſtein am Taunus) lag, euthält: Köllner, Geſch. der Herrſchaft Kirchheim⸗Boland und Stauf. S. 368 ff. 2) Von ihm ſagt Bodmann a a. O. S. 549:Er war ein tüchtiger Geſchäftsmann, der ſich da⸗ neben trefflich auf die Klinge verſtand, und keinen Spaß liebte. 3) Alb. Arg. p. 139. 4⁴) Reg. Boic. VIII, p. 105. 5) Joannis R. M. S. p. 279. 6) Ebendaſelbſt p. 301. 7) Ebendaſelbſt p. 311. 8) Vgl. über ihn Böhmer Fontes p. XXXVII, Schunk, Beiträge II, S. 140; Trith. Ann. Hirsch II, 174. 9) Im Cat. Ep. Bas.(bei Urstisius) wird er homo mansuetus, pius zelator pacis, amator cleri et populi et totius Episcopatus fortalitiorumque reformator augustus genannt. 10) Joannis a. a. O. Il, p. 427& 905. 11) Joannis I. c. II, p. 605 f.

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