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Geld und Mannſchaft erhalten zu können, begab er ſich nach ſeiner Wiedergeneſung nach Luxem⸗ burg, während K. Ludwig, ſtatt ſeinen Gegner zu überfallen oder in Böhmen einzubrechen, um die Hauptſtütze aller Macht ſeines Gegners von vornherein zu lähmen— Beweis für die Un⸗ mündigkeit der damaligen Kriegs⸗ und Feldherrenkunſt— durch Verbindung mit dem römiſchen Tribunen Cola Rienzi dem Papſte einen empfindlichen Streich zu verſetzen ſuchte. Erſt im Auguſt kam er an den Rhein, um die ihm ergebenen Städte und Großen in ihrer Treue zu befeſtigen. Grade jetzt traf Balduin, die Seele der luxemburgiſchen Partei, zu dem auch Karl geeilt war, Anſtalten zu deſſen Krönung, die, da Aachen die Thore zu öffnen weigerte, am 26. November zu Bonn durch den Kölner Erzbiſchof unter Aſſiſtens Gerlach's und Balduin’'s und im Beiſein vieler Biſchöfe und anderer Großen vollzogen wurde¹). Von jeher waren die Krönungstage unſerer Könige reich an Gnadenbezeugungen; Karl übertraf in dieſem Punkte alle ſeine Vorgänger. Dem Erzb. Gerlach gab er die Macht, in ſeinem Sprengel zu den erledigten Stellen und Pfründen, wen er wolle, vorzuſchlagen: ein Recht, das nur einem römiſchen König nach ſeiner Krönung zukam*) So lange aber Ludwig in Frankfurt und der Umgegend verweilte und die von ihm begünſtigten Städte— namentlich im September auf dem Städtetag zu Speier— Partei nahmen, mußte Gerlach bei ſeinen Verwandten in Naſſau faſt heimlicher Weiſe ſich auf⸗ halten ³), die jedoch unterdeſſen thätig waren, ihm Anhänger in der Nähe zu werben. Gegen Ludwig konnten ſie freilich keine feindliche Stellung einnehmen; vielmehr veranlaßte ſie dieſer mit ihm neue Verträge abzuſchließen. Am 23. Auguſt hatte er ſich mit dem Grafen Gerlach dem alten, Adolf und Johann deſſen Söhnen vereinigt, daß ſie ihm dienen ſollen mit ihren Feſten und mit 150 Helmen, ſo lange der Krieg zwiſchen ihm und dem von Böhmen, dem Mark⸗ grafen von Mähren und ihren Helfern währt, und gibt ihnen dafür 20,000 Pf. Heller*); und am 7. September verkündet er der Stadt Wetzlar, daß er dem Gr. Gerlach und ſeinen beiden Söhnen die gewöhnliche Bet und Steuer der Stadt, die auf nächſten Martinstag fällig wird, ganz, und die auf Martini über's Jahr fällige halb gegeben habe, die Stadt auffordernd, denſelben deßhalb Verſicherung zu geben. In gleicher Weiſe gibt er dem Grafen Heinrich von Naſſau⸗Beilſtein um der Dienſt willen, die er ihm und dem Reiche thun ſoll, 1000 Pf. Heller und erlaubt ihm ſo lange, bis dieſe ihm vom Reiche„gewart“ werden, zwiſchen Driedorf und Hachenburg einen Zoll zu machen, und an demſelben Tage beurkundet er, daß er dem genannten Gr. Heinrich und dem Reinhard von Weſterburg für die zu leiſtenden Dienſte 15,000 Pf. ge⸗ geben, und ihnen dieſe auf zwei Turnoſen zu Ehrenfels und Lahnſtein verſchafft und einen Zoll zwiſchen Köln und Limburg anzulegen erlaubt habe ⁵).
Doch es blieb bei den ausgeſtellten Urkunden. Der Kampf Ludwigs mit Karl begann im Süden des Reiches, ſo daß die Naſſauer ihre Kräfte für die Sache ihres geiſtlichen Vetters ſammeln konnten.
Wie nun die beiden Häuſer Wittelsbach und Luxemburg, die im Anfange des Jahrhunderts, als es ſich darum drehte, das Haus Habsburg von dem Throne zu verdrängen, gemeinſame Sache gemacht hatten, jetzt getrennt Deutſchland in einen neuen Parteienkrieg ſtürzten, ſo wurde auch die Erzdiöceſe, da der Virneburger nicht nachgab, der Kampfplatz entzügelter Leiden⸗
1) Henr. Rebdorf. p. 627& Mich. Herbipol. b. Böhmer Fontes I, S. 472.— 2) Wuerdtw. Dioec. Mog. — 3) Coactus igitur, ſagt Latomus I. c., fuit Gerl. apud parentem aliquamdiu latitare, interim quae e repu- blica christiana erant, minime negligens.— 4) Böhmer a. a. O. S. 158.— 5) Böhmer a. a. O. S. 158, 160 und 330.


