7
Wege zur Würde gelangt; war es doch bei dem Virneburger nicht anders. Zwar geſtalteten ſich die Verhältniſſe für Gerlach anfangs ſehr ſchwierig: nur durch Kampf und conſequentes Feſthalten der übernommenen Aufgabe konnte er ſein Ziel erreichen. War er auch kein Freund des Waffenhandwerks, womit ſeine Bräder und Vettern beſſer umzugehen verſtanden, ſo lag es doch nicht in des Naſſauer's Art, den gegen ihn ſich gewaltig erhebenden Hinderniſſen aus⸗ zuweichen. Zur Seite ſtand ihm ein ritterliches Geſchlecht, deſſen ſämmtliche Glieder in ſeiner Sache die ihrige erkannten und zu einträglichem Handeln bereit waren; zur Seite ſtand ihm die tief wirkende Macht der Kirche, unter deren Schutz ſchon ſo manches Geſchlecht ſich zu Rang und Wurde erhoben hatte. Nicht als Werkzeug der Parteileidenſchaft ließ er ſich gebrauchen, ſondern er und ſeine Familie handelten in der wohl bedachten Abſicht, ihrem Geſchlechte wieder eine erhöhtere Stellung zu begründen. Daß er als junger Mann, der kaum das zwanzigſte Jahr zurückgelegt hatte*), zu ſo hoher Würde berufen wurde, war auch nichts Ungewöhnliches: man erinnere ſich nur an Gerhard, den damaligen Biſchof von Speier(1336— 1363), deſſen Erhebung wegen unkanoniſchen Alters der beſonderen Genehmigung des Papſtes bedurfte, der ſich aber bald als einen einſichtsvollen und muthigen Fürſten bewährte*); an den großen Balduin von Trier, der erſt 22 Jahre zählte, als er die Regierung des Kurfürſtenthums an⸗ trat*). Auch Gerlach ſtand nicht blos in Mainz, ſondern in weiteren Kreiſen in großem An⸗ ſehen. Einer der größten Rechtsgelehrten ſeiner Zeit*), der als Orakel angeſehen wurde, ſpricht mit dem größten Lobe von ihm: dem Alter nach ſei er zwar noch ein Jüngling, durch Kennt⸗ niſſe und Charakterbildung jedoch ein ſehr gereifter Mann, den er deßhalb ſehr hoch ſchätze. In den ruhigen Beſitz des Erzſtiftes gelangt, hat er auch, ſo weit es ihm möglich, das in ihn geſetzte Vertrauen gerechtfertigt und ſich als einen tüchtigen Herrſcher bewährt, der überall be⸗ müht war, die der Kirche geſchlagenen Wunden zu heilen und die Noth des ſo vielfach heimge⸗ ſuchten Volkes zu lindern. Darin liegt ſeine Bedeutung für Mainz ⁵).
Von Renſe begab ſich Karl IV. des andern Tags nach Koblenz, wo er dem Erzbiſchof Gerlach die eidliche Verſicherung ausſtellte, daß, weil jener ſeine, des Königs, Angelegenheiten wie ſeine eigenen betrieben habe und noch nach Kräften betreibe, er ihm mit ſeiner ganzen Macht gegen den abgeſetzten Heinrich und alle ſeine Feinde Beiſtand leiſten wolle, damit er in den friedlichen Beſitz des Erzſtiftes komme, und wenn er dazu gelangt ſei, gegen jeden Gegner und auch in der Wiedergewinnung der Güter und Rechte ſeiner Kirche helfen werde ¹). Darauf ſchieden beide von einander. Karl zog mit ſeinem Vater und den böhmiſchen Rittern, die ſie bei ſich hatten, dem Könige Philipp von Frankreich gegen Eduard III. von England zu Hilfe. Die Niederlage der Franzoſen bei Crecy(26 Ang.) verſetzte Karl auf einmal in die ſchlimmſte Lage. Sein Vater, der unruhigſte Geiſt des Jahrhunderts, war auf dem Kampfplatze gefallen, er ſelbſt hatte mehrere Wunden empfangen und mußte eine Zeit lang in einer franzöſiſchen Abtei darnieder liegen. Zu weit von ſeinem Erbkönigreich entfernt, um ſchleunigſt Hilfe an
1) Bei Heinr. Rebdorf wird er„adolescens“, bei Albert. Arg.„circum vigesimum annum agens genannt.— 2) Remling. Geſch. d. Biſch. zu Speier, I, 596 ff.— 3) Dominicus a. a. O. S. 22.— 4) Joannes Andreae in Addit, ad caput speculi Durandi de s. unctione: Nuperrime propter schisma Bavari vidimus d. n. papam Clem. VI. promovisse d. Gerlacum de Nass., filium domini G. com de N., ad ecclesiam Mag. satis juvenem aetate, vere tamen scientia et moribus maturum valde et in hoc studio gratiosum, quem propter id summe dilexi, et quia ipse dom. comes pater ejus fuit hic scholaris et compater.“— 5) Eine Charakteriſtik desſelben werden wir ſpäter geben.— 6) Guden. III. 334.


