Aufsatz 
Der Kampf des Erzbischofs Gerlach von Nassau mit Heinrich von Virneburg um das Erzstift Mainz.
(Fortsetz. d. Progr. v. 1861.)
Entstehung
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Kirche, ihn dispenſirend wegen des Alters und der noch nicht erlangten Weihen auf Rath der Kardinäle zum Erzbiſchof und Hirten derſelben. Zugleich wurde eine ausführliche Bannbulle erlaſſen, worin Heinrich's Excommunication, Suspenſion und Entſetzung bekannt gemacht wurde. Sechs Tage ſpäter ſprach der Papſt nochmals den Bann über Ludwig in den ſchrecklichſten Formeln aus und beauftragte den Trierer Erzbiſchof, die darüber erlaſſene Bulle in ſeinen Kirchen verkünden zu laſſen!). Damit war der Bruch zwiſchen dem päpſtlichen Stuhle und Ludwig vollendet: zurückgenommen wurde das ſchwere Urtheil über ihn und ſeinen Haupthelfer nicht mehr. Denn es war der längſt gehegte Entſchluß, dem Reiche ein neues Oberhaupt zu geben, zur Reife gediehen, was gerade jetzt um ſo eher möglich war, als der Papſt in Folge des Waffenglücks des engliſchen Königs keine Rückſicht mehr auf K. Philipp von Frankreich zu nehmen hatte. Und dieſes alles geſchah ſelbſtverſtändlich im Einvernehmen mit den Luxemburgern, wie denn überhaupt damals viel im Geheimen verhandelt wurde*). Daher erſcheint es auch nicht unbegründet, daß ſelbſt von Mainz aus Schritte für die Erhebung Gerlach's gethan wurden; die Angabe eines ſpäteren Geſchichtſchreibers*) jedoch, derſelbe ſei durch die Wahl des Kapitels und die Zuſtimmung des Papſtes zur Mainzer Inful gelangt, läßt ſich nicht erweiſen. Das⸗ ſelbe gilt von der Vermuthung Binterim's), Gerlach ſei damals mit den beiden Luxem⸗ burgern in Avignon geweſen und habe dort die biſchöfliche Salbung erhalten; letzteres iſt ſicher⸗ lich falſch, wie wir unten ſehen werden. Solche Dinge kamen zu einer Zeit, wo man ſich zum Kampfe auf Leben und Tod rüſtete, nicht in Betracht. Das Streben ging zunächſt darauf hin, dem Gegner jegliche Unterſtützung zu entziehen. Daher ſchrieb der Papſt am 17. deſſelben Monats an den mächtigſten Nachbarn der Luxemburger und Baiern, an den Herzog Albrecht von Oeſtreich, der ſeither eine zurückhaltende Stellung eingenommen hatte, um ihn von Ludwig abzuziehen. Er benachrichtigte ihn, daß er am 7. d. M. den Heinrich von Virneburg vom Mainzer Stuhle abgeſetzt und den Gerlach von Naſſau zu deſſen Nachfolger ernannt, daß er darauf am 13. den Ludwig als Häretiker und Schismatiker aller etwaigen Rechte aus ſeiner Königswahl beraubt und die Wahlfürſten zu einer neuen Königswahl aufgefordert habe, weßhalb Albrecht dem Ludwig nicht mehr beiſtehen, ſondern den neu zu wählenden König, nachdem er den Beifall der Kirche erhalten habe, anerkennen möge). Nun folgt die Verhandlung mit dem Markgrafen Karl, deſſen Vater den Papſt zu dem entſcheidenden Schritt gegen Ludwig beſtimmt hatte. In Gegenwart des Papſtes machte Karl für den Fall, daß er zum römiſchen Könige erwählt würde, eidliche Zuſagen, die jedoch in der Hauptſache nichts enthielten, was nicht auch die früheren Kaiſer dem apoſtoliſchen Stuhle gelobt hatten; was die neuen Punkte betrifft, ſo ſollte damit nur ähnlichen Auftritten vorgebeugt werden, wie ſie durch Ludwig in Rom waren ver⸗ anlaßt worden). Einige Tage nachher ermahnte Klemens VI die Kurfürſten nach der von dem neuen Erzbiſchof von Mainz ergehenden Aufforderung, und mit Ausſchluß des vom Papſte nicht anerkannten Markgrafen von Brandenburg, ungeſäumt zur Wahl eines andern römiſchen Königs zu ſchreiten. Dieſer Mahnung folgten deſſelben Tages Erſuchen an die Erzbiſchöfe Walram von Köln und Balduin von Trier, ſowie an den Herzog Rudolf von Sachſen, bei bevorſtehender

1) Böhmer a a. O. S. 233, No. 190 u. 191. 2) Schon auf der Reiſe nach Avignon macht Karl, Markgraf von Mähren, dem Erzbiſchof Balduin zu Trier Verſprechungen, welche ſein Vater Johann beſiegelte. Böhmer S 348 u 304. 3) Helwich bei Joannis I. c. II, p. 218. 4) G. d. d. Concil. VI, 72. Ueber die Er⸗ nennung Gerlach's, ſagt Raynald p. 233, extat diploma pontificium, ohne etwas daraus mitzutheilen. 5) Böhmer a a. O., S. 233. 6) Raynald§. 19&§. 28.