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1) Faire(empécher) wird übersetzt durch lassen, selten machen, mit Infinitiv.
Hier ist zunächst die active Bedeutung von der passiven zu unterscheiden. Für jene gebraucht der Franzos faire*), für diese laisser**). So leicht es auch scheint, diese Synonyma aus einander zu halten, so bieten sich doch nicht selten Fälle dar, wo selbst der Geübtere irren kann“***). Daher wird hier eine grössere Anzahl von Beispielen willkommen sein.
Wenn die Mutler zur Bonne sagen will:
Lassen Sie ihn diese Bilder sehen,
*) Dass die Verbindung von facere mit Infinitiv nicht so ganz unlateinisch ist, als sie einem strengen Ciceronianer erscheinen mõchte, beweisen folgende Stellen, welche ich der Kürze wegen, mit Uebergehung der zweifelhaften Stelle Liv. 22, 13, zum Theil aus Forcellini entlehne. Aspectus et desiderium arborum macrescere facit volucris. Varro R. R. 3, 5. Mel ter infervere facito. Colum. 12, 38. Quae audita Panor- mitanos dedere Romanis fecere. Sall. fragm. ap. Sen. ep. 114, welche Stelle auch durch das ausgelassene Reflexiv, eine Eigenthümlichkeit, welche bekanntlich ins Französische übergegangen, merkwürdig ist. Nihil facio scire. Plaut. Pers. 2, 2, 42. Qui nati coram me cernere letum fecisti. Virg. A. 2, 538. Illum securum probitas, forma timere facit. Ov. Her. 17, 174. Die vorstehenden Beispiele lehren, dass facere sogar mit dem Acc. cum Inf. construiert wurde, obgleich Madvig in seiner Lat. Gramm. p. 335— beiläufig der einzige Grammatiker, welcher meines Wissens diese Construction der Erwähnung werth erachtet— dieselbe bloss(in der 3. Ausg. steht: fast nur) auf den dichterischen Sprachgebrauch beschränkt. Mehr noch als in der classischen Schriftsprache mag sie im Munde des Volkes herrschend gewesen sein. Aus den Inschriften zwar weiss ich kein Beispiel anzuführen, indem diese durchaus entweder bloss fecit, faciendum curavit, oder ſieri jussit, zum Theil auch, um den Baumeister zu bezeichnen, fecit curante Gajo darbieten. Vergl. Orelli. Aber bei den Spätern findet sich selbst der Inf. Pass. Z. B. remitti fecit in Lares. Amm. Marc. 27, 7; citari multos fecit. Ib. 15, 6. Quae res eos faciet scissuris aperiri. Pallad. Maj. 12. Vergl. Klotz Lat. Wörterbuch s. v. Die Construction mit dem Inf. behauptete sich nun im Mittelalter, so jedoch, dass an die Stelle des Passivs das Activ im Infinitiv trat. Z. B. quam restaurare fecimus. Diez Grammatik der romanischen Sprachen III. 206. Wiewohl sich auch im spaätern Mittelalter noch Wendungen wie facere haberi, franz. faire avoir, d. i. restituer, facere videri, franz fair voir, finden. Vergl. Du Cange s. v. Wenn nun die romanischen Sprachen bei ihrer Vorliebe für den Infinitiv diesen Modus vorzugsweise auch facere zugesellt haben, so treffen sie darin mit der griech. Sprache zusammen, welche bekanntlich xouery ohne weiteres mit dem Inf. oder auch der= mit Inf. verbindet. Vergl. Xenoph. Anab. I. 7, 4; 6, 2. Es ist diess übrigens ein Zug von vielen, worin die roman. Sprachen mit der griechischen übereinstimmen, wie auch schon H. Stephanus, der eine besondere Abhandlung darüber geschrieben, bemerkt hat.
*er) Laisser ist aus laxare entstanden, welches letztere die Stelle des aufgegebenen sinere und des anders verwendeten pati einnahm. Das alteste, freilich früh genug auftretende Beispiel führt Diez a. a. 0. aus Greg. Tur. an: caesariem ad crescendum laxavit, wo es noch mit dem Gerundium construiert ist.
*rr*) Dass es auch noch andere Wendungen gibt, um das deutsche lassen auszudrückon, wie mit envoyer, dem Imperativ, und der reflexiven Phrase: cela ne se dit pas, das lässt sich nicht sagen, erwähne ich hier nur beiläufig.


