— 13—
um ihn, den ruhigen, freundlichen, sich stets gleichbleibenden, arbeitsfreudigen Mann, zu einem allseits geschätzten Mitglied unseres Kollegiums zu machen. Auch der schwere
Kummer, den er in letzter Zeit in seiner jungen Familie gehabt hatte,— seine Frau war ihm wenige Wochen zuvor im Tode vorangegangen— vermochte nicht, ihn der Arbeit
fernzuhalten. Gegen den Rat der Arzte hielt er mit seltener Willenskraft an ihr fest und suchte, gerade durch sie seinen Schmerz zu verwinden. Nicht lange hat es gedauert, da ist sein geschwächter Körper erlegen: Eine Herzlähmung hat dem vielversprechenden, mutigen Leben, das Tags zuvor noch ganz im Berufe aufgegangen war, ein plötzliches Ende bereitet.— Am 10. Januar geleiteten ihn Lehrer und Schüler der Adlerflychtschule zu seiner Ruhestätte, wo Herr Professor Otto Morin an Stelle des verhinderten Direktors für das Kollegium einen Kranz niederlegte und warme Worte ehrenden Angedenkens sprach.— Dem zielbewußten, frohen, starken Mitarbeiter werden wir, dem treuen Lehrer werden gewiß auch die Eltern unserer Schüler, die ihn kannten, ein ehrendes Andenken bewahren.
Zu diesen Verlusten kamen teils längere Erkrankungen, teils Beurlaubungen, deren letztere durch eine militärische Ubung und schwere Schickungen nõtig wurden, und um alle die im Lehrerkollegium entstandenen Lücken auszufüllen, waren Vertretungen erfor- derlich, die mit dem dadurch bedingten Wechsel im Unterricht gewiß nicht zu den An- nehmlichkeiten der Schule gehören, die aber nirgends ausbleiben, und für die daher allen, die da helfen, der gebührende Dank der Beteiligten nicht versagt werden sollte, der Dank des entlasteten Kollegiums, der Dank der Schüler, die bei gutem Willen ohne Störung ihre Arbeit fortsetzen können, und der Dank der Eltern, deren Kinder nach Möglichkeit ohne Unterbrechung weiter gefördert werden. Die Nachteile, die solche Vertretungen mit sich bringen können, sollten mehr als etwas Unvermeidliches hingenommen als immer wieder gelegentlich der Schule vorgerückt oder als Entschuldigung für geringere Erfolge der Schüler vorgebracht werden. Als Vertreter des Herrn Professors Dr. Reichenbach war der Adlerflychtschule für das ganze Jahr Herr Dr. Wilhelm Schlett zugewiesen, der zu- gleich sein pädagogisches Probejahr ableistete. An den anderen Vertretungen waren drei weitere Probekandidaten der Anstalt beteiligt, die Herren Philipp Voll, Dr. Karl Steitz und Paul Schröder, ferner die Kandidaten am Königlichen Seminar des Goethe- gymnasiums Herr Dr. Hans Keyl und Herr Ottomar Schäfer, schliesslich der wissen- schaftliche Hilfslehrer Herr Ludwig Müller und einige Herren des Lehrerkollegiums. Im Handfertigkeitsunterricht halfen uns an Stelle des nach halbjähriger Krankheit erst am Anfang des Wintersemesters zur Schule zurückgekehrten Herrn Professors Pheodor Morin die Herren Sosenheimer von der Glauburgschule und Pfannkuch von der Karmeliter- schule. Ihnen allen sei hiermit öffentlich der Dank der Schule ausgesprochen.
Zum Nachfolger für Herrn Dr. Sarowy wurde von den städtischen Behörden der hessische Lehramtsassessor Herr Dr. Jakob Kreutzer gewählt, der am 1. Oktober kommissarisch seinen Dienst aufnahm. Als Nachfolger für Herrn Professor Dr. Reichen- bach wird zum 1. April Herr Dr. Georg Schindehütte als Oberlehrer in das Lehrer- kollegium der Adlerflychtschule eintreten, nachdem er von den städtischen Behörden ge- wählt und diese Wahl von dem Königlichen Provinzial-Schulkollegium bestätigt worden ist.
Die Gesundheitsverhältnisse bei den Schülern gaben zu besonderen Klagen keinen Anlaß. Wohl ist einmal auf Anordnung des Königlichen Kreisarztes die eine der untersten Vorschulklassen wegen allzuvieler Erkrankungen an Masern, die einen epidemischen
Vertretungen.
Neue Mitglieder des Lehrer- kollegiums.
Gesundheits- verhältnisse.


