Ausscheiden Dr. Heinrich Reichenbachs.
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gelebt und genügt hat, das wissen alle, die ihn kannten, wir seine Mitarbeiter, seine Schüler und deren Eltern. Es soll ihm unvergessen bleiben.— Fern in der Heimat haben ihn seine Angehörigen zur ewigen Ruhe gebettet im Schatten der Bäume eines die Uingegend beherrschenden bewaldeten Hügels, auf dem er so gerne weilte und sich der Schönheit des Landes ringsumher freute. In der Stunde der Beerdigung versammelten sich Lehrer und Schüler in der Aula, wo der Direktor dem Dahingegangenen kurze Worte des Gedenkens und der Anerkennung widmete. Das Lehrerkollegium ließ den verdienten Lorbeer auf dem fernen Grabe niederlegen, und später schickten auch die Schüler, deren Klassenlehrer er zuletzt gewesen war, einen Kranz dahin mit den warmen Widmungsworten„Treue um Treue“.
Zu Beginn des Winterhalbjahres trat der Senior des Lehrerkollegiums, Herr Pro- fessor Dr. Heinrich Reichenbach, nach 32 Jahren segensreichster Wirksamkeit als Oberlehrer an der Adlerflychtschule in den wohlverdienten Ruhestand. Infolge eines plötzlich aufgetretenen Nervenleidens mit anderen Begleiterscheinungen hatte er schon geraume Zeit vorher um seine Beurlaubung einkommen müssen. Als sich sein Zustand wieder besserte, hatte er die ausgesprochene Absicht, zum Unterricht und zum Verkehr mit der Jugend, die ihm gleichermaßen am Herzen lagen, zurückzukehren, folgte aber zuletzt doch dem Rate der Arzte und gab das Schulleben auf, das mit seinen unvermeidlichen Erregungen keine Schonung kennt und mit einer Rücksicht auf die Gesundheit zu schwer vereinbar ist. Möge unser aller Freund Reichenbach nun noch lange Jahre der Muße und zumal der Wissenschaft leben, der er schon so große Dienste geleistet und durch alle die arbeits- schweren Jahre der Lehrertätigkeit hindurch die Treue bewahrt hat. Das ist der Schule auch in hohem Maße zustatten gekommen, und sie dankt es ihm aufrichtig. Vor allem dankt die Adlerflychtschule aber ihrem Heinrich Reichenbach die Treue, die er ihr selbst,
der Adlerflychtschule, bewiesen hat. Bei den vorzüglichen Eigenschaften des Menschen,
Ableben ErnstBrömels.
bei der hervorragenden erzieherischen Begabung und der nicht minder großen, anerkannten wissenschaftlichen Tüchtigkeit des Mannes konnte es nicht ausbleiben, daß der Versuch gemacht wurde, ihn der sechsklassigen Realschule zu entführen. Wenn er trotz allem gerade an der Adlerflychtschule geblieben ist, so weiß er gewiß selbst am besten warum. Und mit der Schule danken ihm dies heute alle die vielen Schülerjahrgänge, die er über ein Menschenalter lang unterwiesen, mit seinem reichen und tiefgehenden Wissen genährt und zum Ziele geführt hat, und zwar kraft seiner Eigenart, seiner Persönlichkeit in einer Weise, dab weit über die Jahre der Schule hinaus sein Wirken allzeit eine Wirkung geübt hat, wie sie nur bei dem wahren Meister der Schule sich einstellt. Ja, solch ein wahrer Meister der Schule— das war Heinrich Reichenbach von Anbeginn. An ihren Prüchten sollt ihr sie erkennen. Den getreuen Eckart im ersten Menschenalter des Bestehens der Adlerflychtschule werden wir je öfter je lieber immer wieder gern unter uns sehen.— Von seiner Majestät dem Kaiser und König wurde Herrn Professor Dr. Reichenbach in Anerkennung seiner Verdienste anläßlich des Scheidens aus dem Amte durch Allerhöchsten Erlaß vom 21. September 1910 der Königliche Kronenorden 3. Klasse verliehen.
Vor wenigen Monaten, in der Nacht zum 6. Januar, hat schließlich ein jähes Geschick unsern getreuen Mitarbeiter Herrn Oberlehrer Ernst Brömel im 30. Lebens- jahre seinem Wirkungskreise und uns, seinen Freunden, entrissen. Er war erst vor wenigen Jahren, zu Ostern 1908, in sein Amt eingetreten und von der Stadt Frankfurt a. M. an die Adlerflychtschule berufen worden. Die kurze Zeit seiner Tätigkeit hat aber genügt,


