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Schulgebände.
Maifest.
Andachten.
Gedenkfeier für die KöniginLuise.
Der 2. September.
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Charakter verrieten, für eine Woche geschlossen worden, die Krankheit sprang aber in- folge des schnellen Eingreifens nicht auf andere Klassen über. Auch blieben die Er- krankungen an Scharlach, die aus mehreren Klassen gemeldet wurden, glücklicherweise vereinzelt, und wenn gleich einige schwere Fälle darunter waren, so hatten wir doch keinen Verlust zu beklagen.
Nachdem in den letzten Schuljahren die Erneuerung der Klassenräume, auch be- züglich der Beleuchtung und der Bänke, zum vorläufigen Abschluß gekommen war, wurde in dem jetzt ablaufenden begonnen, durch Um- bezw. Einbau für den Schulbetrieb einige neue Räumlichkeiten zu gewinnen, die schon lange zu einem dringenden Bedürfnis der Adlerflychtschule geworden waren. So hatte z. B. das frühere Bibliothekzimmer zu- gleich fünf anderen Zwecken gedient. Diesem auf die Dauer nicht haltbaren Mißstand ist jetzt wenigstens im wesentlichen dadurch abgeholfen, daß wir anstatt des frühern Zimmers mit Bücherschränken jetzt eine wirkliche Bücherei bekommen haben, die für sich abschließbar ist, und außerdem ein besonderes Sprechzimmer für die Eltern. Mit dem gebührenden Dank für diesen neuen Fortschritt, der gemacht ist, verbinden wir die Hoffnung, daß auch die noch übrigen Anliegen unserer Anstalt tunlichst baldige Berück- sichtigung finden möchten.
Der Frühlingsausflug, das sogenannte Maifest, fand diesmal auch wirklich im Monat Mai statt. Bei schönstem Wetter nahm das Fest am 24. Mai einen in jeder Hin- sicht befriedigenden Verlauf.
Zu gemeinsamer Andacht versammelten sich wie üblich die Schüler am Anfang und Ende eines jeden Vierteljahres in der Aulau, wo der Direktor zugleich die der Gesamtheit geltenden Mitteilungen machte.— Zu einer besondern Feier gestaltete sich am 1. Juli, am Tage des Schulschlusses vor den Sommerferien, die Versammlung in der Aula, die der festlichen Begehung der hundertsten Wiederkehr des Todestages der Königin Luise geweiht war. Es war in der Tat eine weihevolle Stunde, in der neben den Dar- bietungen der Schüler durch Vortrag und Gesang Herr Professor Otto Morin das Lebens- bild der in unserem Volke fortlebenden verewigten hohen Frau entrollte unter besonderer Klarlegung ihres Anteils an der Wiederaufrichtung Preußens nach den vorausgegangenen Jahren der Erniedrigung.
Für den 2. September war auch in diesem Jahre die bei uns eingebürgerte Feier geplant, die im Laufe der Zeit zu einer Art Sommerschulfest der Adlerflychtschule ge- worden ist: Alle Vorbereitungen waren getroffen für eine Gesamtvorführung der turne- rischen Leistungen der Realklassen und sogar am Morgen des Tages zum Empfang der eingeladenen Behörden und des Elternpublikums, das uns bei dieser Gelegenheit durch rege Teilnahme zu beehren pflegt. Da tat Jupiter Pluvius seine Schleusen auf, es goß in Strömen, und in kürzester Zeit war der Schulhof in einem Zustande, daß an ein Turnen nicht mehr zu denken war. An Stelle des erkrankten Direktors versammelte daher Herr Professor Otto Morin die Schüler in der Aula, um über die Bedeutung des Tages zu sprechen und das Kaiserhoch auszubringen. Nachdem zum Schluß die Nationalhymne gesungen war, ging die Jugend auseinander in der Erwartung, das Schauturnen bald nachholen zu können. Aber das Wetter der nächsten Zeit ließ es nicht dazu kommen, und so mußten wir uns diesmal damit trösten, wie stets das Gute gewollt zu haben.


