— 56—
Für den Ostern 1896 an die Musterschule versetzten Herrn Professor Dr. Rausenberger trat Ostern 1897 Herr Oberlehrer Dr. Boller*) ein. Leider scheidet dieser geschätzte Kollege wieder von uns, da er durch Magistratsbeschluss vom 7. September 1897 an die Klingerschule versetzt worden ist. Er hat es in der kurzen Zeit verstanden, das allgemeine Vertrauen seiner Kollegen zu gewinnen und seine Schüler in jeder Weise zu fördern. Zum Nachfolger des Herrn Dr. Boller ist der wissenschaftliche Hilfslehrer am Königl. Franz. Gymnasium in Berlin, Herr K. Schiemenz,“**) ernannt.
Ein sehr großer Verlust und eine schwer auszufüllende Lücke im Kollegium steht der Anstalt bevor durch die mit Schluß des Schuljahres erfolgende Versetzung des Herrn Oberlehrers Dr. Winneberger an das Goethegymnasium. Wohl vorbereitet für sein Lehramt durch gründliche, wissenschaftliche Studien und einen langjährigen Aufenthalt im Ausland, trat Herr Dr. Winne- berger Ostern 1884 als Probandus in die Schule ein; er übernahm sofort eine volle Hilfslehrer- stelle, die er bis zu seiner definitiven Anstellung, Ostern 1887, verwaltete. Wahrend seiner 11-jährigen Wirksamkeit als ordentlicher Lehrer hat er fast ausschließlich den Unterricht der französischen und englischen Sprache in den obersten Klassen unserer Anstalt erteilt, so daß die fremdsprachlichen Studien der meisten unserer Abiturienten durch ihn einen erfreulichen Ab- schluss gefunden haben. Seit 11 Jahren leitet er auch den Gesangchor der Anstalt. Ein feines musikalisches Verständnis, verbunden mit technischer Fertigkeit, ermöglichten ihm bei seinem energischen Charakter, den Gesangchor unserer sechsklassigen Schule auf eine Höhe zu bringen, wie sie bei einer Anstalt, bei der das Material der Männerstimmen jährlich neu geschaffen werden
*) Wilhelm Theodor Julius Boller, evangelischer Konfession, wurde geboren zu Frankfurt a. M. den 5. März 1864. Er erhielt seine Vorbildung auf der dortigen Musterschule und verließ diese Anstalt Ostern 1883 mit dem Zeugnis der Reife. Auf den Universitäten Straßburg i. E. und Berlin widmete er sich dem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften, vorzüglich der Physik. Er bestand zu Straßburg das Examen pro facultate docendi und trat Ostern 1890 als Probandus in die Neue Realschule, jetzt Oberrealschule, zu Straßburg ein. An dieser Anstalt wirkte er ohne Unterbrechung, vom 1. Oktober 1896 an als Oberlehrer, bis zu seinem am 1. April 1897 erfolgten Ubertritt in den höheren Schuldienst der Stadt Frankfurt a. M. Am 13. Januar 1894 erwarb er sich auf Grund einer Dissertation:„Untersuchungen über die Bodentemperaturen“ in Straßburg die philosophische Doktorwür de. Die philosophische Fakultät der Universität Straßburg i. E. verlieh ihm im Sommer 1896 das große Engelmann-Reisestipendium zur Fortführung seiner geophysikalischen Studien. Außer seiner Dissertation(erschienen in: Geographische Abhandlungen aus Elsaß-Lothringen. 2 Hefte) hat derselbe eine größere Abhandlung über das Südlicht(Beiträge zur Geophysik III, 1) und mehrere Aufsätze in geographischen und naturwissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht.
*r) Karl Schiemenz wurde am 12. Februar 1859 zu Kattowitz bei Kalau in der Provinz Branden- burg als Sohn des Predigers Schiemenz geboren. Er besuchte die Vorschule und die lateinische Hauptschule der Frankeschen Stiftungen zu Halle a. S., die er zu Michaelis 1878 verließ, um in Halle und Göttingen Mathematik und Physik zu studieren Von Ostern 1883 bis Michaelis 1884 war er Hauslehrer in Borne bei Nimkau in Schlesien. Seiner Militärpflicht genügte er in Halle. Am 12. Mai 1891 bestand er zu Berlin das Examen pro facultate docendi. In der folgenden Zeit war er als Lehrer in Berlin thätig und zwar zunächst an der Schillmannschen Höheren Knabenschule. Von Michaelis 1891 bis ebendahin 1892 absolvierte er sein Seminarjahr am Dorotheenstädtischen Realgymnasium und bis Michaelis 1893 sein Probejahr am Andreas-Realgymnasium. Von Michaelis 1893 bis Ostern 1898 war er an den genannten Anstalten und am Kgl. Französischen Gymnasium, z. Z. gleichzeitig, als Hilfslehrer thaätig. Am Dorotheenstädtischen Realgymnasium leitete er auch die physikalischen Ubungen der Gemeindeschullehrer, zu- nächst unter Aufsicht des Herrn Dir. Prof. Dr. Schwalbe und später selbständig im Verein mit einem Oberlehrer dieser Anstalt. Zu seiner Ausbildung in der französischen Sprache hielt er sich während der Sommerferien 1896 in Genf auf und besuchte zu gleichem Zwecke 1897 den Juli-Ferienkursus zu Paris.


