Aufsatz 
Kulturbestrebungen und Schule in Chile
Entstehung
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die treibende Kraft zu seiner Verwirklichung in sich selber, weil es eben nicht aus kalter Uber- legung entstanden, sondern aus der Dämmerung jener ursprünglich in das Volk gelegten Sehn- sucht langsam an das Licht gestiegen ist, hierin als Kulturziel der Nation wohl unter- schieden von irgend welchem sonstigen, sei es auch volkserzieherischen Ziel, das ein Herrscher oder ein Staat sich stecken mag. Das zweite ist die Schaffung von Institutionen, die über das Leben des Einzelindividuums hinaus durch Generationen hindurch den Kulturbestre- bungen die einheitliche Richtung geben. Es sind Familie, Schulen, Lehrer, Meister, Akademieen, Stäande, Kasten, Höfe, Religionsgemeinschaften, Orden, Zünfte, Feste, Erziehung im Umgang mit den Großen der Vergangenheit u. s. W. je nach LZeit und Volkscharakter. Ihre Aufgabe ist es, dem einzelnen das Ziel, die Grundrichtung und Grundstimmung seines Wesens zu geben im Ein- klang mit dem Genie seines Volkes und ihn in der stetigen Bewegung auf dieses Ziel zu erhalten and zu fördern. Die Aufgabe und das Ziel der von ihnen ausgehenden Erziehung ist: die Schaf- fung eines Menschentypus, der als das ldeal gilt. In diesem Sinne allein ist es auch gerechtfertigt und fruchtbringend, von der Kultur eines Volkes zu reden, wenn man dabei den Typus im Auge nat, der sein Ideal ist, die Einrichtungen, die es getroffen hat, ihn in den Einzelindividuen zur Darstellung zu bringen, und die Individuen selbst, welche den Typus bereits verwirklicht haben.

So hatte der griechische Geist, gefördert durch ein glückliches Land und Klima, das Kulturziel für das Altertum festgelegt und durch wunderbare Institutionen geschützt. Rein dem von der Natur in ihn gelegten Triebe folgend, ungestört durch ein fremdes früherentwickeltes oder höherstehendes Kulturideal, ganz dieser Welt und der Gegenwart zugewendet, war der Grieche auf Schaffung eines Menschentypus bedacht, der in seiner Körperlichkeit wie in seiner Geistigkeit das höchste Maß menschlicher und männlicher Schönheit zum Ausdruck brächte, der den Göttern, den Mitbürgern und sich selbst zu Ruhm und Freude lebte. Er erzog seinen Menschen für das öffentliche Leben der Nation, daß er, wohin auch immer gestellt, nicht dem Vaterland nütze durch den Besitz einzelner Talente und Fertigkeiten, sondern es repräsentiere als griechischer Vollmensch im Wettbewerb mit griechischen Vollmenschen oder im Gegensatz zum barbarischen Halbmenschen. Nur wo körperliches Können im Einklang stand mit geistigem, nur wo die geistigen Fähigkeiten unter einander in voller Harmonie standen, nur wo die pro- duktive Kraft gleichen Schritt hielt mit allseitiger rezeptiver Empfänglichkeit, nur Wo das Schöne und das Nützliche sich durchdrangen, nur wo Sinnlichkeit und Sittlichkeit ungetrennt waren, nur wo die mannigfaltigsten Kräfte sich einten zur Darstellung einer geschlossenen, in sich ruhenden Persönlichkeit, da sprach der Grieche die*⁵³ονκασα zu. Wo er dagegen Berufs- arbeit und deren Folgen, nach einer bestimmten Seite hin überwiegend ausgebildete körperliche oder geistige Fahigkeiten sah, da begann ihm der Banause oder der Barbar, denn im Eben- maß und Gleichgewicht erkannte er das höchste Kriterium der Schönheit. Die Sehnsucht der Griechen war es,rein und voll Menschen zu sein und das Menschendasein zu genießen. Diesen aus dem eigensten Genie des griechischen Volkes geborenen und doch die allgemein menschlichen Züge tragenden Typus stellt uns die griechische Kunst in unzähligen und doch immer gleichen Marmorbildern vor Augen, in denen Leiblichkeit und Geistigkeit sich so wunderbar gegenseitig durchdringen, daß der Leib nicht bloß als Träger des Geistes, als Stoff und Ausdrucksmittel erscheint, sondern als das letzte Ziel selbst, erhobeu zu einer Schönheit über das gewöhnliche Maß, wie dieses seinerseits sich an Adel der Bildung erhebt über den