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des Menschen unberührt, so geht hier die Seele durch die mannigfaltigsten Erregungen und Bewegungen hindurch, das heißt aber: der ganze seelische Teil des Menschen erfährt eine Ver- lebendigung, es erfolgt eine Intensifizierung der Gefühle und eine Beschleunigung des sonst träge fließenden affektiven Stromes; die Seele geht durch: Trauer und Angst(die Eltern auf der Stadtmauer), übermütigen Jubel des Kraftgefühls(Achilles), standhaftes Ausharren in der Pflicht (Hektor), Seelenkampf(Hektor), Entsetzen(Nahen Achills), Zorn(Achill), heftigsten Schmerz(des Vaters), Aufschnellen der moralischen Kraft im höchsten Schmerz(Priamos), Mitleid in den ver- schiedensten Abstufungen(Priamos, Hekuba, Andromache, Astyanax). Dazu kommt die Weckung und Nährung der künstlerischen Vorstellungskraft durch die lebendige Anschauungen hervorz aubernde Darstellungskunst: die auf die Lanzen gelehnten Achaer die Schilde auf dem Rücken, der in der Mauerecke spähende Hektor, der in der Abendsonne mit über die Schulter geworfener Lanze einherschreitende Achill, die Eltern Hektors auf der Stadtmauer, ihre Gebärden, die Ortlichkeit: der Maulbeerbaum, die Waschstätte, das skäische Thor, der Kampf, die den Leichnam scheu betastenden Achäer, die Schleifung der Leiche, Priamos, Hekuba und zuletzt Andromache, die ohnmaächtig hinsinkt beim Anblick des Entsetzlichen. Welche Fülle der eindringlichsten Bilder! Der Seele aber wird durch das Miterleben von alle dem, durch die schweigende oder laute Anerkennung, die der Dichter dem Großen zollt, eine bestimmte Richtung gegeben auf das Große, eine Ahnung davon, daß es ganz andere Kräfte sind, die das Leben lenken und entscheiden, als das Begreifen von diesem oder jenem, ein Schwingen, welches hinauszittert über die Unterrichtsstunde und den niederen Flug des Alltagslebens, ein Blick hinter den Schleier des trügerisch friedlichen Lebens, das furchtbare, starke Seelen fordernde Dinge und Erkennt- nisse birgt, eine Stimmung auf tapfere Entschlüsse, die das junge Herz schweigend fabßt. Goethe sagt, und er ist sicher kein Verächter der Naturwissenschaften:„Ein Lehrer, der das Gefühl an einer einzigen guten That, an einem einzigen guten Gedicht erwecken kann, leistet mehr als einer, der uns ganze Reihen untergeordneter Naturbildungen der Gestalt und dem Namen nach überliefert“, und ein moderner Physiologe urteilt:„Das Detail der Natur- wissenschaft erweitert das Können der Menschheit, trägt aber, als Schulfach, zur allgemeinen Bildung nicht bei, es setzt vielmehr, um fruchtbar zu wirken, eine bereits vorhandene Geistes- bildung voraus.“ Und wenn Jean Paul sagt:„Wozu sind wir auf der Welt, wenn nicht um gut deutsch zu lernen“, so wollte er damit die Sprache als das wichtigste Mittel jeder Kultur bezeichnen und ihr den obersten Platz einräumen, wo es sich um Pragen der Bildung handelt, weil sie das Mittel ist, die eigene geistige Individualitàt aufzubauen und mit anderen großen Individualitäten in Berührung zu bringen.
Schließlich ist eine der bedenklichsten Folgen der überwiegend naturwissenschaftlichen Tendenz der ganzen Schule die Trennung des Schülers von den großen Geistern und Traditionen des Mutterlandes und das gänzliche Ausscheiden des Altertums aus seinem geistigen Leben. Enthaält die Definition der Bildung„fortzuleben unter den edelsten Empfindungen der Vorwelt“ eine Wahrheit, so ist der chilenische Schüler hier gänzlich verwaist. Wird aber später die sogenannte positive Denkweise von solch einseitig naturwissenschaftlich gebildeten Schülern in das Leben hinübergetragen, wie es die Lehrpläne erhoffen, s8o bedeutet dies eine starke Verarmung des Lebens. Weise ich alles menschliche Sinnen und Ringen um die letzten Dinge: Religion, Bestimmung des Menschen, Sinn und Ziel des Daseins u. s. w., als Zzu keinem Resultate führend, von der Hand und beschränke mich eigensinnig auf den engen
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