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Unterstützt wird das naturwissenschaftliche Zentrum des Unterrichts durch einen sehr gründlich ausgearbeiteten Lehrplan der mathematischen Fächer und durch das besonders die Kulturentwickelung durch die Jahrhunderte verfolgende und die physikalische Geographie be- tonende Programm in Geschichte und Geographie.
Dieser gewaltigen Einwirkung der wissenschaftlichen Fächer gegenüber vertreten die sprachlichen Disziplinen, Muttersprache und zwei Fremdsprachen, die allgemein menschlichen, sozialen und ästhetischen Einflüsse, die den Geist und Charakter des Schülers zu formen bestimmt sind. Die Schwierigkeit, bei der überlegenen Stundenzahl der wissenschaftlichen Fächer dennoch ein Gleichgewicht herzustellen, ist den Ausarbeitern der Lehrpläne nicht entgangen, und sie betonen deshalb die Notwendigkeit, den sprachlichen Unterricht mit besonderem Eifer und be- sonderer Hingabe zu betreiben. Muß aber die geringe Stundenzahl, selbst bei dem größten Lern- und Lehreifer, bereits die Erreichung dieses Zieles sehr unwahrscheinlich machen, so giebt die neueingeführte Methode des Unterrichts, so erfreulich ihre Resultate in den Fremdsprachen für angehende junge Kaufleute sein mögen, in erzieherischer Hinsicht zu den größten Bedenken An- laß. Diese Methode zeigt bereits in ihren Schlagworten ihren bedenklichen Charakter, sie nennt sich die rezeptiv-imitative, analytische Methode. Rezeptiv-imitativ nennt sie sich im Gegensatz zu der grammatisch-bewußten Aneignung der Sprachen. Diese will sie also ausschliessen, aber damit schließt sie eben das aus, was überhaupt den Sprachunterricht zu einem Bildungsmittel macht. Das bildende Element bei der Spracherlernung liegt allein in der bewußten Aneignung der Sprache in Bezug auf grammatische Richtigkeit, Treffsicherheit des Wortes, logisch regel- gerechte Behandlung des Satzes u. s. W. Wird eine Sprache als bloßes Kommunikationsmittel bonnenmäßig erlernt und geübt(man denke an die jungen Kaufleute, die englisch und französisch im Ausland lernen ohne die geringste Förderung ihrer geistigen Krafte), so wird durch diese Erlernung selbst absolut kein Bildungszuwachs in dem Schüler erreicht, so gewinnbringend die Beschäftigungen sein mögen, die man mit Hülfe der erlernten Sprachen treiben kann, wie z. B. die Lektüre fremder Schriftsteller. Analytisch nennt sie sich dann im Gegensatz zu der syn- thetischen Spracherlernung. Hierbei ist zunächst darauf hinzuweisen, daß Analyse eine Operation ist, die der Wissenschaft angehört, daß wir es bei der Spracherlernung auf der Schule aber mit einer Kunst zu thun haben. Die Sprache, wie sie sich allen außer dem secierenden und ver- gleichenden Sprachwissenschaftler darstellt, ist kein sgrov, sondern eine évéereta, nicht ein bloßes Gefaß der Gedanken, sondern ein Anschauung- und Gedankenerzeuger. Alles Sprechen ist in seinem Kern nicht Reproduktion, sondern Produktion, und deshalb kann die Spracherlernung keine bloße Imitation eines analysierten Ganzen sein, sondern sie ist ein ursprüngliches Erschaffen, ein Herausarbeiten und Bilden der im Subjekt liegenden Faähigkeiten: eine Kunst. Jedes Aneignen einer Kunst geht aber vom Aneignen der einfachsten Bewegung allmählich bis zu dem der zusammen- gesetztesten in stufenweis geordneter Synthese aufwarts. In dieser Synthese liegt dann zugleich eine Analyse, d. h. ein Einblick in den Aufbau, beschlossen. So ist es nicht der natürliche Weg der Spracherlernung, das Kind vor die verwirrende Fülle des Lesestücks zu stellen(denn auch bei Erlernung der Muttersprache steht das Kind keineswegs dem Gesamtinhalt des von den Er- wachsenen Gesprochenen gegenüber, sondern nur dem wenigen, welches es vermöge des Stand- punktes seiner geistigen Entwickelung apperzipiert), sondern in langsamer Synthese aufzubauen, bis man beim Lesestück anlangt. Auch kommt dem, was für die Erziehungs- und Bildungsfrage gerade das Wichtigste ist, da es sich bei ihr eben um Leitung und Förderung von Trieben


