Aufsatz 
Kulturbestrebungen und Schule in Chile
Entstehung
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Gebäuden, Lehrern, Büchern. Eine Untersuchung des Jahres 1813 fand in Santiago nur 7 Schulen mit 664 Schülern, und selbst diesen Schulen gebrach es an Büchern, sonstigen Lehrmitteln und sogar an Bänken. Aber Regierung sowohl wie Private ließen nun in ihrer Sorge um das Schul- wesen nicht mehr nach. Es wurden Primär- und Sekundärschulen gegründet, 1837 ein Ministerium für Justiz, Kultus und öffentliche Unterrichtsangelegenheiten geschaffen, 1839 die Universität von Chile, 1842 die escuela normal de preceptores eingerichtet, deren Schüler nach drei Jahren eine wahre Revolution im Schulwesen hervorriefen, 1846 die ersten Schulinspektoren ernannt. Das Jahr 1854 wies bereits 298 Knabenschulen und 89 Mädchenschulen auf, wozu noch 273 Privat- schulen kamen, eine Gesamtzahl von 660 Schulen mit 27 550 Schülern. Schulen, Bücher und sonstige Unterrichtsmittel waren unentgeltlich. In demselben Jahre wurden 98 129 Bücher ausgegeben. Besonders segensreich war die Verwaltung des Kultusministers Montt(18511861), unter der Volksbibliotheken gegründet und 1860 ein organisches Unterrichtsgesetz gegeben wurde, wonach die Schulen in Elementarschulen und höhere Schulen zerfielen. Die Elementarschulen lehrten: Rechnen, Lesen, Schreiben, christliche Glaubenslehre und Moral, die höheren Schulen außerdem noch: Geographie, Geschichte Chiles, Linearzeichnen und politische Konstitution, welche letztere in den Mädchenschulen durch Haushaltungsunterricht, Nähen u. s. w. ersetzt wurde. Es folgte dann ein Zeitraum, in dem hauptsächlich der Lehrplan der Schulen vervollständigt wurde. Dem Lehrplan der Elementarschulen wurde spanische Grammatik, Geographie, biblische Geschichte, Geschichte Chiles, Elemente der Agrikultur, Prinzipien der Hygiene, Sing- und Tarnunterricht hinzugefügt, dem der höheren Schulen: Grammatik, Rhetorik, Arithmetik, Algebra, Geometrie, allgemeine Geschichte, Physik, Chemie, Naturgeschichte, Hygiene, Buchführung, Singen und Turnen.

Erst die neueste Zeit ging dann wieder unter dem Einfluß der deutschen Pädagogik und unter unmittelbarer Leitung deutscher Schulmänner mit durchgreifenden Reformen vor. Diese betreffen hauptsachlich zwei Punkte: die Schaffung eines wissenschaftlich gebildeten und methodisch geschulten Lehrerstandes und die Einführung neuer Unterrichtsmethoden. Der Heranbildung tüch- tiger Lehrer dienen jetzt die escuelas normales und besonders das Instituto Pedagogico in San- tiago, in welchem auch lateinischer und griechischer Unterricht erteilt wird. Der Reform des Unterrichtes selbst wurde die größte Sorgfalt gewidmet. Nachdem von dem Consejo de Instrue- cion Publica der Entschluß zu einer Reformierung der höheren Schulen gefaßt worden war, wurde die Ausarbeitung der Lehrpläne der einzelnen Fächer bewährten Schulmannern übertragen, größtenteils Deutschen und Lehrern des Instituto Pedagogico. Diese Arbeiten wurden dann von dem Consejo de Instruccion Publica gebilligt, zur Grundlage der Neueinrichtungen gemacht und 1893 als Plan de Estudios i Programas de Instruccion Secundaria para los Liceos del Estado veröffentlicht, ein Buch, welches dem Ernste der chilenischen Unterrichtsverwaltung wie dem Eifer und der Sachkenntnis der Ausarbeiter die höchste Ehre macht. Die Reform, welche diese neuen Lehrpläne bringen, ist erstens eine Reform des ganzen Aufbaues des Unterrichts und zweitens eine Reform der Lehrmethoden innerhalb der einzelnen Fächer. Die Republik hatte das alte spanische System in ihren höheren Schulen bestehen lassen, welches die Fächer unab- hängig von einander eins nach dem anderen behandelte und jedes einzelne mit einer Prüfung abschloss, um nicht mehr darauf zurückzukommen. Der Hauptnachteil dieses Verfahrens bestand natürlich darin, daß die Schüler nach jedem Examen das Gelernte bei Seite legten und so als- bald wieder vergaßen. Ein weiterer schwerwiegender Mißstand war die Unmöglichkeit der Unter- stützung der einzelnen Fächer durch einander. Die Reform setzte an Stelle dieses Systems das