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dem Ausspruch Schillers(Abfall der Niederl. Einl.):„Dem Menschen gehört der Augen- blick, aber die Weltgeschichte rollt der Zufall“«. Auf eine nähere Prüfung der Gründe pro und contra muss ich hier verzichten; die Erkenntnistheorie lehrt uns, dass das Causalgesetz ein ursprüngliches Denkgesetz ist und dass somit alle Objecté unserer Vorstellungen sowie diese selbst demselben unterworfen sind, dass eine Unterbrechung desselben denk-unmöglich ist; und daher schliesse ich diese Erörterung mit dem Wort Spinozas ¹):„Zufällig heisst etwas aus keinem anderen Grunde ausser wegen unserer mangelnden Erkenntnis.“
IV.
Da man vielfach der Pnilosophie die Aufgabe zuschrieb die Einheit alles Wissens zu vermitteln, so entstanden eine Anzahl philosophischer Disciplinen, welche es mit den apriorischen Elementen der Einzelwissenschaften zu thun haben. Als diese apriorischen Elemente fasste man die den Wissenschaften zu Grunde liegenden allgemeinen, objectiven Begriffe wie:„Kraft u. Stoff“,„Sprache“,„Recht“; ihre Erkenntnis sollte Aufgabe der Philosophie sein und so entstanden Naturphilophie, Sprach- und Rechtsphilosophie. Auch die Methodenlehre der Einzelwissenschaft wurde zum Gegenstand dieser philo- sophischen Disciplin gemacht. So bezeichnet Steinthal ²) als Aufgabe der Sprach- philosophie, die er und zwar mit grösserem Recht auch formale oder allgemeine Sprachwissenschaft nennt, die Beschäftigung mit dem allgemeiunen Wesen der Sprache und dem zu erstrebenden Ziel der Forschung, mit der Methode und den Grundsätzen des Verfahrens, während die besondere Sprachwissenschaft in den einzelnen Gram- matiken der gegebenen Sprachen liegt. Doch würde jene Definition nur unter der Vor- aussetzung richtig sein, dass diese Begriffe a priori gegeben sind; in Wirklichkeit aber sind dieselben durch die Erfahrung gewonnen und haben sich im Fortschritt der Einzelwissenschaften und durch diesen entwickelt, erweitert und vertieft; daher gehört die Bearbeitung derselben nicht in die Philosophie als die Verknüpfungswissenschaft aller Einzeldisciplinen, als die„vollkommen vereinheitlichte Erkenntnis“(Sponcer), son- dern in diese selbst. Diese Grundbegriffe bilden die Voraussetzung der wissenschaft- lichen Erkenntnis, und selten bietet sich daher zur Bearbeitung derselben innerhalb der Einzelwissenschaft Gelegenheit, aber nichts destoweniger bildet sie einen Teil der Aufgabe derselben. Die Geschichte der Wissenschaft zeigt auch, dass die aprioristisch- deductive Behandlung dieser Probleme in unfruchtbaren, der exacten Forschung nicht selten widerstreitenden Speculationen bestand, während ihr Fortschritt immer durch die Bearbeitung auf der Basis der durch die Wissenschaft selbst erzielten Resultate ge- geben war. Daher sind Geschichtsphilosophie und Geschichtswissenschaft nicht zwei verschiedene Wissenschaften, von welchen jene dem Philosophen, diese dem Historiker gehört, sondern die Fragen: Was ist Geschichte? worin besteht das Wesen der ge- schichtlichen Bewegung und in welchem Sinne kann hier von Entwicklung die Rede sein? kurz, die Frage nach dem Wesen und Ziel ³) des geschichtlichen Processes gehört in die Geschichtswissenschaft und ist Aufgabe der Historiker. Der Name stammt von Voltaire, Herder und Hegel haben die Behandlung dieser Grundprobleme zu einer eigenen Disciplin ausgebaut; nunmehr beginnt sich dieselbe aus dem Complex der philoso-
¹) Spinoza Eth. I, prop. 33. Schol 1.
2) Abriss der Sprachwissenschaft 1871.
³) Ranke nennt diese Frage nach dem Ziele eine„kosmopolitische Hypothese“, ich möchte sie eine„historische“ nennen und scheide davon die„metaphysische“ nach dem Ziel der Menschheit überhaupt.
(Epochen der n. Gesch. p. 8.)


