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Wiederum hatte es sich gezeigt, welche Reichthümer der Boden von Mainz enthält, aber auch wie gewissenlos und unverständig mit den Funden umgegangen wird. Trotzdem das Museum ebenso gut, oder vielmehr weit besser als jeder Händler den wirklichen Wert der ihm gebrachten Alter- tümer vergütet, auch wenn sie auf städtischem Eigentume gefunden sind, umgeht man es vielfach mit einer unbegreiflichen Scheu, zum Schaden der Wissenschaft, der städtischen Sammlungen und ganz besonders der Finder selbst. Hätte O. ehrlich gehandelt, so würde er für die ihm gehörige Hälfte von dem Museum mindestens 500 Mk. erhalten haben, so musste er sich mit 20 Mk. begnügen und erhielt noch eine Woche Gefängnis obendrein. Da handelte doch der Besitzer des Bretzenheimer Goldmünzenfundes klüger; er bot seinen Schatz direkt der Stadt zum Kaufe an und erhielt von dieser sofort den durch vereidigte Taxatoren festgestellten Wert im Betrage von ca. 9000 Mk. ausbezahlt.
Was nun unseren Fund selbst anlangt, so machte er vor der Reinigung durchaus den Ein- druck, als bestehe er aus lauter patinierten Kupfermünzen, denn er enthält neben wenigen Stücken von verhältnismässig gutem Schrot und Korn fast nur Billonmünzen, d. h. Stücke, deren Feingehalt auf 50, ja 40% gesunken ist. Während nämlich die Silbermünzen der Republik und der ersten Kaiserzeit nur 1 bis 2% Legierung aufweisen, steigt dieselbe unter Nero auf 10%, unter Trajan auf 20%, unter Septimius Severus gar bis auf 60%, so dass der Denar, das gewöhnlichste Silber- stück dieser Zeit, von seinem ursprünglichen Werte von etwa 70 Pf. unter dem letztgenannten Kaiser auf wenig über 30 Pf. Metallwert herabsank, ohne dass jedoch sein Münzwert sich änderte oder wenigstens ändern sollte. Nachdem dann M. Aurelius Antoninus Caracalla eine neue nach ihm benannte Münzsorte, den sog. Antoninianus, eingeführt hatte, hörte die Denarprägung unter Gor- dianus III. fast gänzlich auf. Der Antoninianus, daran kenntlich, dass das Bild des Kaisers die Strahlenkrone trägt, das der Kaiserin aber auf dem Halbmonde ruht, war gleich anfangs von ebenso schlechtem Metalle, wie der Denar, aber etwas schwerer und also von höherem Münzwert. Sein Feingehalt sank aber noch fortwährend, so dass sich unter Gordianus III. Stücke finden, die nur 25% feines Silber enthalten. Unter Gallienus und seinen Nachfolgern verschwindet dieses fast gänzlich aus den Antoninianen, die schliesslich nur noch durch Weisssieden eine rasch vergängliche Khnlichkeit mit Silbermünzen erhielten, obwohl sie von den eigentlichen Kupfermünzen officiell streng geschieden wurden und also niemals das bekannte S. C. der letzteren aufweisen. Damit war der allgemeine Staatsbankerott, dem erst Diocletian und mit dauerndem Erfolge Constantin ein Ende machte, vollständig ausgebrochen.
Auf die Frage nach Zeit und Ursache der Vergrabung unseres Schatzes lässt sich etwa folgendes antworten. Die jüngsten Stücke, die darin vorkommen, sind solche von Valerianus, Gallienus, Salonina, Mariniana und Postumus. Valerianus und sein Sohn Gallienus kommen beide 253 zur Regierung; ersterer wird 259 verräterischer Weise von den Persern gefangen und stirbt wohl bald darnach; letzterer wird im Frühjahr 268 vor Mailand ermordet. Von Salonina weiss man nur, dass sie die Gemahlin des Gallienus war, von Mariniana nicht einmal so viel mit Bestimmtheit. Postumus regierte nach neueren Forschungen(vergl. Schiller, Gesch. d. röm. Kaiserz. I. 828. A. 1; Momm- sen, röm. Gesch. V. 151. A. 1; Hettner, Westd. Zeitschr. VI. 131) von 258 oder 259 bis 268, in welchem Jahre dieser tüchtige Kaiser bei Mainz unter den Mörderhänden seiner eigenen Soldaten fiel, weil er die Plünderung dieser Stadt nicht hatte gestatten wollen.
Die Münzen von Valerianus geben, da auf keiner eine tribunicische Gewalt oder ein Consulat genannt ist, weiter keinen Anhalt, ebenso wenig die von Mariniana und Salonina. Von denjenigen des Gallienus ist bei fünfen(Coh. 751, 936, 940, 1173 und 1309) auf der Kopfseite P. LIC. weg-


