Aufsatz 
Römische Münzen des Mainzer Zentralmuseums
Entstehung
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A. Der Mainzer Silbermünzenfund.

Der Münzschatz, den ich im folgenden möglichst genau beschreiben werde, wurde im August 1886 in der Erthalstrasse in Mainz gefunden. Die Fundgeschichte ist nach mehr als einer Seite hin interessant genug, um hier nach den Akten, deren Einsicht mir Herr Ober-Amtsrichter Volk gütigst gestattete, ausführlich erzählt zu werden. Zur angegebenen Zeit stiess der Arbeiter O. beim Ausgraben eines Schachtes auf dem Gebiete des Herrn F. Müller auf einen irdenen Topf mit Münzen. Er rief nun den Oberarbeiter Br. herzu und beide kamen überein, Br. solle den Fund verkaufen und die Hälfte des Erlöses an O. abgeben. Man zählte die Münzen, es waren etwa 3220 Stück. Br. nahm dieselben darauf an sich und verwertete, wie man leider erst sehr spät, nämlich nach Beendigung des Prozesses, erfuhr, einen grossen Teil derselben, wie es scheint, ausserhalb Mainz. Auch seine Hauswirtin verkaufte von den in seinem Zimmer umherliegenden Münzen ungefähr 200 in der Stadt selbst und händigte den Erlös teils dem Br. selbst ein, teils schickte sie ihn an dessen Familie. O. erhielt gar nichts. Nachdem er daher vergebens an Br. zwei Drohbriefe geschrieben, machte er dem Besitzer von Grund und Boden also dem rechtmässigen Eigenthümer der Hälfte des Fundes Anzeige. Dieser wandte sich an das Polizeiamt, welches bei Br. auf die noch vorhandenen Münzen Beschlag legte und sie ohne zu zühlen in einem Sacke verwahrte, der gewogen und versiegelt auf dem Gerichte deponirt wurde. Die nun folgende gerichtliche Verhand- lung führte zu dem Ergebnis, dass O. wegen Unterschlagung 1 Woche, Br. wegen Unterschlagung und Hehlerei 14 Tage Gefängnis erhielt. Die Münzen aber wurden dem rechtmässigen Besitzer, Herrn Müller, der inzwischen dem O. auch die andere Hälfte abgekauft hatte, zurückgegeben. Durch die immer bereite Hülfe des Herrn Rechtsanwalts Dr. Oppenheim wurde es dem Vorstande des stäPdtischen Münzkabinettes, Herrn Stadtbibliothekar Dr. Velke, ermöglicht, die Münzen zur Unter- suchung, bezw. zum Ankaufe für die Stadt zu erwerben. Leider waren es, wie sich nunmehr bei genauer Zählung herausstellte, nur 1676 Stück. Ausserdem waren nachweislich gegen 200 in den Besitz hiesiger Antiquare und Privatpersonen übergegangen; durch das auch hier dankbar anzu- erkennende Entgegenkommen dieser Herren war es dem Verfasser ermöglicht, auch diese Münzen zu untersuchen, sowie die davon in der städtischen Sammlung noch nicht vorhandenen Stücke für die- selbe als Geschenk oder durch Tausch oder Kauf zu erwerben. Weitere ca. 300 Stück waren, wie sich später ergab, nach Weisenau und von dort nach Coblenz verkauft worden; es gelang aber nicht, sie nach Mainz zurückzubringen. Von dem Verbleiben der übrigen 1000 fehlt jede Spur, und es konnten also von den ursprünglich vorhandenen 3220 Stück nur 1871 immerhin eine selten grosse Zahl bestimmt werden.