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Erſcheinungen eindringen“. Von dem Naturcharakter verſchiedener Weltgegenden wird die Ge⸗ ſchichte des Menſchengeſchlechts und ſeiner Cultur vielfach bedingt; die Volkscharaktere, ihre Wirthſchaften werden durch phyſiſche Einflüſſe großentheils beſtimmt. Wir wahren uns übrigens hier wie überall gegen den Vorwurf, als ſtellten wir blos materialiſtiſche Geſichtspunkte auf: im Gegentheil geht unſer Bemühen darauf hinaus, die ethiſchen Geſichtspunkte im Unterricht zu betoner, den Realismus zu vergeiſtigen. So meinen wir, daß der naturgeſchichtliche Unterricht über dem„Beſchreiben und Beſtimmen“ auch die Verbreitung der Thiere und Pflanzen, vorzüglich der wichtigeren, und ihre Beziehungen zum Menſchenleben nicht vergeſſen ſollte. Wichtig iſt 3. B. die Lehre von den Pflanzengürteln: der Moſe, Nadelhölzer, ſommergrünen und immergrünen Laubhölzer, der Edelfrüchte und Bananen mit ihren charakteriſtiſchen Thieren und Pflanzen, welche in der Geographie nur als dürres Namenſkelet gelehrt werden können. Phyſik und Chemie, dieſe Geſchichte des erfindenden und entdeckenden Menſchengeiſtes, weiſen überall auf das praktiſche Leben hin und veranlaſſen unwillkürliche Beſprechungen wirthſchaftlicher Beziehungen. Selbſt die Rechenaufgaben ſollten mehr aus dem praktiſchen Geſchäftsleben ge⸗ griffen und nicht nach theoretiſchen Geſichtspunkten fabricirt werden, ſo würde ihrem Verſtändniß ein wirthſchaftlicher Reiz verliehen.
Als paſſende Vehikel, nm volkswirthſchaftliche Aufſätze, Bilder aus dem wirthſchaftlichen Volksleben zur Anſchauung zu bringen, erſcheinen uns die deutſchen, franzöſiſchen und engliſchen Leſebücher. Man wird einwenden, das Leſebuch ſei kein Lehrbuch, um alles mögliche Wiſſens⸗ material darin abzulagern: ſo gehe der ſprachliche Zweck verloren. Wir kennen die Vorwürfe, welche dem ſeligen Mager gemacht wurden, deſſen Art Leſebücher zu compiliren man ein„Stopf⸗ verfahren“ nannte. Mit den Herrn Herausgebern von Leſebüchern zu ſtreiten iſt nicht möglich; denn faſt Jeder ſtellt in ſeiner Vorrede andere Geſichtspunkte bei der von ihm getroffenen Aus⸗ wahl auf. Mager wollte durch den theils ethiſchen, theils wiſſenſchaftlichen, theils praktiſchen Werth ſeiner Leſeſtücke vielleicht zu viel erreichen: Charakter⸗, Verſtandes⸗ und Gemüthsbildung. Mehrjährige Erfahrung hat uns belehrt, daß ein Leſebuch nur dann mannigfaltigen Nutzen bringt, wenn ſein Inhalt geiſtig und gemüthlich feſſelt, dann eignen ſich die Schüler denſelben an, und es laſſen ſich durch ſchriftliche oder mündliche Wiederholungen und Nachahmungen auch die ſpezifiſch ſprachlichen Zwecke erreichen. Die ſchöne Form der Darſtellung erhöht den Reiz des Inhalts und weckt das Beſtreben der Nachahmung im eignen mündlichen und ſchriftlichen Gedankenausdruck.
Das Leſebuch iſt unſtreitig ſo gut ein Lehrbuch wie jedes andere; in unſern Realſchulen wird durch gute Leſebücher die allgemeine Bildung vorzüglich gefördert, daher ſollte man nicht blos ſprachliche Geſichtspunkte bei der Auswahl feſthalten, ſondern auch dem Inhalte die gebühreude Theilnahme ſchenken. Die proſaiſchen Abſchnitte vermitteln die Grnndlagen und Bedingungen des äußern und innern Menſchenlebens der Gegenwart und Vergangenheit, daher ſollte man bei ihrer Auswahl neben dem literariſch⸗geſchichtlichen Boden des Geiſteslebens auch den wirthſchaftlichen nicht vergeſſen. Wir haben eine Anzahl volkswirthſchaftlicher Arbeiten deutſcher, franzöſiſcher und engliſcher Autoren durchgegangen, welche ganz gut in unſere Leſebücher übergehen könnten; ohne erhebliche Verluſte ließe ſich in jedem Leſebuch etwa ein Dutzend Nummern ausſcheiden und durch paſſende Arbeiten anerkannter Autoren auf volkswirthſchaſtlichem Gebiete erſetzen. Mit Ver⸗
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