Aufsatz 
Die Real- oder höhere Bürgerschule und die Volkswirtschaft / von Chun
Entstehung
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100 auf 111; in der Rheinprovinz von 100 auf 799; die Maler in Preußen von 100 auf 213; in der Rheinprovinz von 100 auf 385; die Putzmacher in Preußen von 100 auf 365, in der Rheinprovinz von 100 auf 469. In ganz Preußen ſtieg von 1849 bis 1852 die Zahl der Geſellen von 100 auf 109.33, die Zahl der Meiſter von 100 auf 103.28, die Bevölkerung von 100 auf 103.13: die Zahl der Geſellen hatte ſich alſo ungleich ſtärker vermehrt, als die der Meiſter, was eine Zunahme der Gewerbsthätigkeit beweiſt. So glauben wir ſtatiſtiſch nachgewieſen zu haben, daß dasHandwerk immer noch einen goldenen Boden hat. Wenn ſich die Handwerker über die Concurrenz beklagen, welche ihnen die Fabrikinduſtrie bereitet, oder über das die Concurrenz befördernde freie Niederlaſſungsrecht, ſo wird ſie die Volkswirthſchaft belehren, daß ihre Klagen ungerecht ſind. Die freie Concurrenz oder die Handels⸗ und Gewerbe⸗ freiheit kommt bei jedem kultivirten Volke nach und nach zum Durchbruch, ſie entfeſſelt die wirth⸗ ſchaftlichen Kräfte und zwingt zu vermehrter Geſchicklichkeit und größerem Fleiße im Geſchäfts⸗ leben. Wir haben vorher nachgewieſen, daß jedes communiſtiſche oder ſocialiſtiſche Syſtem, wel⸗ ches man vorſchlug, um die Concurrenz zu beſeitigen, Thorheit iſt.

Wo volle Gewerbefreihet herrſcht, kommt einUeberſetzen einzelner Gewerbe weniger vor, als wo Beſchränkungen beſtehen, weil es leichter iſt andere Beſchäftigungen zu ergreifen. Schultze⸗Delitſch hat eine Zuſammenſtellung für das gewerblich ſehr beſchränkte Altbayern, das minder beſchränkte Preußen und die faſt ganz gewerblich freie Rheinpfalz angefertigt. Es kommt je 1 Meiſter auf folgende Einwohnerzahl:

in Altbayern in Preußen m der Pfalz bei den Bäckern auf 488 auf 652 auf 783 Metzgern 474 831 958 Schuhmachern 232 252 310 Schneidern 179 188 191

Bei dieſer Gelegenheit erwähnen wir der Verdienſte des Herrn Schultze⸗Delitzſch um die ſociale Beſſerſtellung des Kleingewerbs. Er hat den einzig vernünftigen Weg im Aſſo⸗ ciationsweſen eingeſchlagen, daß er den Gewerbsleuten vor allem das verlorne Selbſtver⸗ trauen zurückgab, ohne welches ſchwierige Reformen gar nicht angefaßt, geſchweige durchge⸗ führt werden können. Um die gewerbliche Selbſtſtändigkeit der bisherigen Kleinmeiſter aufrecht zu erhalten, damit ſie nicht in vergeblichem Ankämpfen gegen den induſtriellen Fortſchritt wie Don Quixote mit den Windmühlen ſtreiten, verweiſt er auf das ſittliche und wirthſchaftliche Stärkungsmittel der Selbſthülfe derBetheiligten, mit dem Grundſatz:Mehrere kleine Kräfte vereint bilden eine große, und was man nicht allein durchſetzen kann, dazu ſoll man ſich mit Andern verbinden, ein höchſt einfacher Grundſatz, dem die Menſchheit ſeit Anfang ihrer Geſchichte ihre größten Werke verdankt. Hierauf beruhen die Vorſchuß⸗ und Creditvereine zur Beſchaffung baarer Geldmittel, die Rohſtoffgenoſſenſchaften der Handwerker zu gemeinſamem Bezug von Rohſtoffen, die Conſumvereine zu gemeinſchaftlicher Anſchaffung von Bedürfniſſen im Haushalt und Leben. Wie bedeuteud die Wirkungsſphäre der erſtge⸗ nannten Vereine beweiſt die von Schultze angegebene Thatſache, daß 188 derſelben im Jahre 1860 nahezu 17 Mill. Thlr. Vorſchüſſe gewährt haben. Wir brechen indeſſen ab, weil die ſociale Frage des Gewerbeſtandes nur inſofern ins Bereich der Schule gehört, als ſie die künftigen Gewerbsleute zu bilden hat. Deshalb erfreut uns das Wort Schultze's, welches er auf dem volkswirthſchafrlichen Congreß zu Weimar ausſprach:Der Handwerkerſtand ſieht ein,