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tigen; in Belgien kommen auf die handwerksmäßigen Gewerbe der Nahrung, Kleidung, Bauten und Möbeln 296,379 Arbeiter, davon 102,796 Meiſter und 193,617 Geſellen und Lehrlinge, hingegen 336,447 für die Fabriken, darunter freilich nur 3696 Herrn und 332,751 Diener. In England, wo man denken ſollte, daß Alles von Fabrikarbeitern wimmele, kamen 1841 auf 1 Million Fabrikarbeiter jedes Geſchlechts und Alters nur an Bäckern, Metzgern, Schuſtern, Schneidern, Maurern, Dachdeckern, Steinmetzen, Pflaſterern, Zimmerleuten, Schrei⸗ nern, Tapezierern, Rademachern, Drechslern, Glaſern, Schloſſern, Schmieden, Uhrmachern, Sattlern, Müllern und Mühlebauern 1,047,077 handwerksmäßig beſchäftigte Männer. Im Ganzen ſind diejenigen Gewerbszweige, in denen heute noch das Handwerk überwiegt, zugleich die älteſten. Bei den geſchichtlich zuletzt aufgekommenen herrſchte von Anfang an die Fabrik vor: ſo bei der Maſchinen⸗, Tapeten⸗, Stearin⸗, Fortepianos⸗, Porzellan⸗ und Plattir⸗ waarenverfertigung. In der Metallfabrikation herrſcht die Handarbeit vor; in Solingen wirken z. B. zur Klingenfabrikation ohne Maſchinen, ohne Fabrikhaus zuſammen: Hammerſchmiede, Klingenſchmiede, Härter, Schleifer, Aetzer, Vergolder, Damascirer, Scheidemacher, Gefäßmacher, Montirer. Die Verfertigung von Uhren wird in der Schweiz und in England als häusliches Nebengeſchäft von Landleuten betrieben. In der Luxusinduſtrie iſt durchans das Handgewerbe vorherrſchend.— Die Maſchinenarbeit iſt überhaupt auf ein ganz beſtimmtes Gebiet beſchränkt, wo die Herſtellung des Produkts auf der beſtändigen Wiederholung einer und derſelben Opera⸗ tion beruht; erfordert ſie aber viele einzelne und mannigfaltige Bewegungen, welche nach der be⸗ ſonderen Beſchaffenheit des Rohſtoffs wegen ungleicher Größe, Geſtalt und Härte, beſtändigen Modiſicationen unterliegen, ſo bleibt die Handarbeit in ihren Rechten. Daher die vortheilhafte Verwenduug der Spinnmaſchinen bei der Baumwolle, weniger ſchon bei der Wolle und noch weniger bei der Seide und dem Flachſe.
Anderſeits iſt kaum zu leugnen, daß die Fortſchritte in der Mannfacturinduſtrie gar nicht ohne gleichzeitige Erweiterung der handwerksmäßig betriebenen Induſtriezweige denkbar ſind, welche die Produkte jener weiter verarbeiten. Die größere Wohlfeilheit gewebter Stoffe von Baumwolle, Wolle, Leinwand und Seide erleichtert und vermehrt deren Conſumtion, wodurch die Poſamentirer, Schneider, Putzmacher, Hutmacher u. a. mehr Beſchäftigung erhalten. Aehnlich verhält es ſich in der Metallinduſtrie mit Schmieden, Schloſſern, Klempnern. Was bei Fabrik⸗ waaren geſpart wird, wendet ſich dem Handwerk zu; denn wer einen Theil ſeiner Bedürfniſſe mit geringerem Aufwande als früher befriedigen kann, wird die dadurch gemachte Erſparniß nicht blos zum Ankaufe der billiger gewordenen Artikel, ſondern zur gleichmäßigen Vermehrung aller Verbrauchsgegenſtände verwenden, auch derer, welche keine Preißermäßigung erfahren haben. Es findet alſo eine Solidarität der Intereſſen zwiſchen Fabrik und Handwerk ſtatt. Die Zahl der Handwerker hat ſich, mit Ausnahme der Hutmacher, Handſchuhmacher, Seifenſieder und Lichter⸗ zieher, der Zinngießer und Gerber, im Verhältniß zur Population gleichmäßig vermehrt.
Gerade in induſtriell vorgeſchrittenen Ländern hat ſich die Zahl der Handwerksmeiſter mehr vermehrt als in Ackerbaugegenden, während bei den Geſellen das umgekehrte Verhältniß ſtattfindet. In der ärmeren Provinz Preußen ſtieg im Zeitraume von 1822—1842 die Zahl der Meiſter von 100 auf 119, die der Gehülfen von 40 auf 214; in der wohlhabenden Rheinprovinz dagegen die der Meiſter von 100 auf 167, die der Gehülfen blos auf 171. Trotz der ſtarken Zunahme der Meiſter werden aus der Rheinprovinz die wenigſten Klagen hörbar. Was die Luxusgewerbe anlangt, ſo ſtieg die Zahl der Kürſchner in Preußen von


