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betrachtetet werden können, wodurch der Anfänger zur Klarheit über die Prinzipien kommen muß. Am Ende eines jeden der 22 Dialoge(über Eigenthum, Arbeitstheilung, Kapital, Lohn und Bevölkerung, die Lage der Armen, Werth und Preiß, Einkommen, Geld und Handel, Conſumtion) findet eine kurze Rekapitulation des entwickelten Inhalts ſtatt. Das Ganze ruht auf dem Studium der beſten engliſchen und franzöſiſchen Schriftſteller in der ökonomiſchen und Reiſeliteratur, Blackſtone, Volney, Dr. Clarke, Adam Smith, Macpherſon, Say, Arthur Young, Senior, Malthus ꝛc. von welchen viele Belegeſtellen angeführt werden. Die Fragen durchſchneiden nicht die Beweiſe, ſondern bilden die Vehikel naheliegender Bemerkungen, welche zur Aufklärung bei⸗ tragen, wie ſolche im Geiſte eines intelligenten Schülers entſpringen; ſie ſind voll der natürlichen Vorurtheile und Gefühle eines unbelehrten Wohlwollens. Das Buch hat uns durch die über⸗ raſchende Klarheit und Einfachheit der Darſtellung überraſcht; aber wir müſſen darauf verzichten, einige Proben daraus zu überſetzen.
Durch das Studium der angeführten Schriften wurde unſere Ueberzeugung beſtärkt, daß es nöthig iſt, unſere Schüler mit den Grundſätzen der Volkswirthſchaft in gehöriger Beſchränkung und auf die geeignete Weiſe bekannt zu machen. Im Ganzen können wir aber die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die Bücher über Volkswirthſchaft in Deutſchland bis jetzt noch zu ſehr in den Feſſeln der Gelehrtenſprache liegen. Männer wie Roſcher leiſten natürlich Bürgſchaft, daß ihre Forſchungen wirklich Gold und keine Regenwürmer zu Tage fördern, wir muthen ihnen nicht zu, ihre Wiſſenſchaft auch für das weitere Verſtändniß zu bearbeiten; aber ſelbſt Fachmänner, welche bis jetzt für populäre Bedürfniſſe gearbeitet haben, z. B. Schäffle, ſcheinen ihre Wiſſenſchaft nur ungern in die gebildete Sprache des Volkes zu übertragen. Solche Schriften müſſen natürlich auf gründlichen Studien beruhen. Robolsky hat ſich den geiſtreichen Baſtiat zum Muſter ge⸗ nommen; ob es ihm gelumgen iſt, den wahren Bedürfniſſen des Volkes zu dienen, konnten wir nicht beurtheilen, da uns nur die erſte Lieferung zur Hand war. Der„Katechismus der Volks⸗ wirthſchaftslehre“ von Dr. Schober iſt am Ende kein Volksbuch, ſondern ein kurzer Extract aus wiſſenſchaftlichen Handbüchern, wie man einen ſolchen wohl zur Vorbereitung auf das Examen anfertigt. Die drei beſprochenen engliſchen Schriften, der Herrn Ellis, Chambers und der Mrs. Marcet, zeugen hingegen von einer praktiſchen Verarbeitung der Wiſſenſchaft zum Nutzen eines wißbegierigen Volkes, welches nach rationellem Verſtändniß ſeiner Wirthſchaftskreiſe ringt. Jede Belehrung wird erſt dann wahrhaft bildend, wenn ſie in letzter Inſtanz auch gute Willens⸗ beſtimmungen erzeugt und befruchtet: in dieſer Abſicht ſind die genannten Schriften abgefaßt und auch für die von der Realſchule zu vermittelnde Bildung pädagogiſch werthvoll. Der in Real⸗ ſchulen ertheilte Unterricht berückſichtigt natürlicherweiſe die Forderungen des bürgerlichen Berufs⸗ lebens und ſucht nach zahlreichen Anknüpfungspunkten im Laufe des Unterrichts namentlich auf deſſen höheren Stufen: ein ſachgemäßer volkswirthſchaftlicher Unterricht kann das Vereinzelte in ge⸗ eigneten Zuſammenhang bringen und die ſichere Brücke aus der Schule in's Leben bauen. Da aber die Volkswirthſchaft auf einer gründlichen Kenntniß des Natur⸗ und Menſchenlebens ruht und eine geübte Denkkraft vorausſetzt, ſo werden alle Bemühungen, dem bürgerlichen Leben durch volkswirthſchaftliche Belehrung einen neuen Sporn zu geben, ſo lange erfolglos bleiben, bis man uns die gehörige Zeit vergönnt, in dem Geiſte unſerer Schüler einen geſunden Boden allge⸗ meiner Bildung zu legen. Der Unterricht in der Volkswirthſchaft kann nur als letzter Aſt des realiſtiſchen Bildungsbanms betrachtet werden. Kein gewiſſenhafter Schulmann wird ſich da⸗
zu hergeben, mit der Volkswirthſchaft im Unterricht zu experimentiren, wenn er nicht Schüler . 2*


