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geiſtigen Conſtitution des Menſchen. Der Individnalismus i*ſt keine Selbſtſucht; denn er findet ſich bei den edelſten Menſchen in voller Stärke. Wetteifer ſtachelt zur Thätigkeit und zum Feeiße, wodurch das allgemeine Wohl vermehrt wird, er liefert dic Beweggründe zur Vertheidigung und Erhaltung deſſen was der Fleiß erworben hat. Ein Aſſociationsſyſtem mit vollſtändiger Auf⸗ hebung der Selbſtthätigkeit iſt nur gewaltſam durchzuführen nud jedenfalls von keiner Dauer. Die letzte Probe hat man 1848 mit ſogenannten Nationalwerkſtätten in Paris gemacht, ſie ſchlug gänzlich fehl. Die Uebel, welche das einzig vernünftige Syſtem der Concurrenz mit ſich führt, ſind dem ſchlechten Gebrauch der individuellen Triebe zuzuſchreiben, auf welche es ſich gründet. In der moraliſchen Beſſerung der Menſchen iſt das Heilmittel zu ſuchen und nicht in einer ſo⸗ genannten„Organiſation der Arbeit“, oder in Syſtemen des Umſturzes der menſchlichen Geſellſchaft, welche unberechenbares Unheil herbeiführen könnten, ehe man ihre Thorheit entdeckt hätte. Im volkswirthſchaftlichen Theil des Buches wird ſodann gelehrt, wie Waarenpreiſe, Einkommen und Arbeitslohn durch Concurrenz beſtimmt werden; es werden auch die Nachtheile des Syſtems und
deren Beſeitigung durch weiſe Geſetze beſprochen. 8 2
Es iſt nöthig bei den blos materiellen Gegenſtänden der Volkswirthſchaft ſtets auf die höheren Geſichtspunkte der Reſultate hinzuweiſen; ſo werden die Schüler finden, daß gewiſſe menſchliche Neigungen, welche als ſelbſtſüchtig, engherzig und beinahe verwerflich erſcheinen, bei allſeitiger Ueberlegung zur Wohlfahrt, zum Glück und zur Tugend führen. Kaufen und Ver⸗ kaufen z. B. ſcheint auf der niedrigen Leidenſchaft zum Gewinn zu ruhen, wenn es als das treibende Rad der Nachfrage und des Angebots über die ganze Welt betrachtet wird; aber es iſt nicht allein eine Vorkehrung, um die Gaben der Vorſehung zu vertheilen, ſondern auch der
Bote der Civiliſation, der Wiſſenſchaft, des Friedens und des Wohlwollens von Menſch zu Menſch. Die Naturgeſetze erregen unſere Bewunderung durch ihre Weisheit und Wohlthätigkeit: ſo auch die Geſetze der Volkswirthſchaft— unvollkommen und unerklärlich, wenn ſie aus ihrem Zuſam⸗ menhang geriſſen betrachtet werden, aber ſchön und vollſtändig als Ganzes; obgleich ſie ſich auf irdiſche(sublunary) Gegenſtände, wie die Naturwiſſenſchaften überhaupt, beziehen, ſo erheben ſie den Geiſt zur Betrachtung der Weisheit und Güte des Schöpfers. Da dieſe Geſetze nicht von Menſchen gemacht worden ſind, ſo kann gefragt werden: Warum ſie lernen? Die Antwort iſt: Damit man ſie kenne und ihnen gehorche. Der Menſch denkt und handelt oft aus Irrthum oder mit Abſicht gegen die Naturgeſetze: eine Kenntniß derſelben ſetzt in den Stand, die Hinder⸗ niſſe zu beſeitigen, welche des Menſchen materielles Wohl hemmen.— Wir begnügen uns mit dieſen Gedanken, um eine ungefähre Idee von dem Geiſte des Buches zu geben; ſie ſind meiſt aus ihrem natürlichen Zuſammenhang herausgeriſſen, wir müßten das Ganze überſetzen, namentlich die treffend gewählten Beiſpiele, wenn wir eine vollkommene Einſicht in ſeinen reichen und gewiß ſegenſtiftenden Inhalt hier vermitteln wollten.
Wie ſich Englands Frauenwelt an wiſſenſchaftlichen nnd volksthümlichen Beſtrebungen gern betheiligt und auch in der Literatur eine bemerkenswerthe Rolle ſpielt— wir erinnern z. B. an Miß Mary Sommerville, die gelehrte Verfaſſerin der„Physical Geography“ und des „Mechanism of the Heavens“— ſo hat es ſich eine andere Dame Mrs. Marcet,„Author of conversations on Chemistry and Natural Philosophy“, auch zur Aufgabe geſtellt,„Conversations on Political Economy“ herauszugeben, welche der berühmte Geſchichtſchreiber Macaulay warm empfiehlt und uns in der achten Auflage vorliegen. Die Dialogform empfiehlt ſich beſonders für das erſte Studium, weil Einwendungen gemacht und die Dinge von verſchiedenen Seiten


