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Schüler, um gehörig mit ihnen durchgearbeitet zu werden. Es geht auf die Gefahren ein, welche die Geſellſchaft in wirthſchaftlicher Beziehung bedrohen, bekämpft die Irrlehren und bringt ge⸗ ſchichtliche Belege. Zuerſt werden in 153§8 die Grundſätze der Geſellſchaftslehre(social organisation), dann in 320§8 diejenigen der eigentlichen Volkswirthſchaft dargeſtellt. Der Inhalt eines ſolchen Buches, welches ſich auf die präciſe Darſtellung der Principien beſchränkt, läßt ſich kaum in kurzen Umriſſen beſchreiben. Indem wir ſeinen Inhalt aufmerkſam prüften, ob er überall für die Jugend geeignet ſei, ob dieſe Kenntniſſe zur Verſtandes⸗ und Charakter⸗ bildung führen möchten, ob wir ein gutes Werk unternehmen würden, wenn wir die Grundſätze der Geſellſchafts⸗ und Volkswirthſchaftslehre nach dieſem Buche in einer Realſchule lehrten: konnten wir dasſelbe ſtets von neuem mit ſteigender Befriedigung zur Hand nehmen. Von der Familie ausgehend, deren Glück auf der ſelbſtloſen Liebe der Eltern zu ihren Kindern beruht, werden zunächſt die Rechte und Pflichten der Individuen in der Geſellſchaft auf die Tugenden der Gerechtigkeit und Billigkeit baſirt, dann kommt ein Kapitel über Civiliſation: die Nationen gehen geſchichtlich aus barbariſchen in civiliſirte Zuſtände über. Die Menſchen erlangen den freien Gebrauch(fair play) ihrer Fähigkeiten erſt in civiliſirten Verhältniſſen. In civiliſirten Ländern finden wir indeſſen noch Reſte barbariſcher Zuſtände, welche nur durch allgemeine Volks⸗ bildung ausgerottet werden können. So berauben mechaniſche Erfindungen oft ganze Arbeiter⸗ klaſſen ihres Verdienſtes: es iſt daher nöthig, die Arbeiter über das Syſtem der Verhältniſſe, in welchen ſie leben, aufzuklären, damit ſie ſich möglicherweiſe auf Erwerbszweige werfen können, in denen ihre Geſchicklichkeit und ihr Fleiß belohnt werden. Selbſt bei der geſteigertſten Concurrenz kann jeder ehrliche und fleißige Arbeiter ſeinen Verdienſt finden, die Civiliſation muß ihm den Weg zu dieſem Ziele bahnen. Ein weiterer Grundſatz iſt:„Society a competitive system“, die Geſellſchaft iſt ein Syſtem des Wetteifers. Jeder verfolgt ſeinen Lauf, verläßt ſich auf ſeine eigene Kraft und bemüht ſich ſeine beſonderen Zwecke zu erreichen. Wäre kein Wetteifer unter den Menſchen, kein Beweggrund zu perſönlicher Anſtrengung, ſo würden viele werthvolle Dienſte nicht geleiſtet werden. Dabei darf aber Keiner den Andern beſchädigen oder niedertreten, ſeine Lebenszwecke ſeien welche ſie wollen; denn ſonſt fallen wir in die Barbarei zurück. Ehrliche Arbeit nützt der menſchlichen Geſellſchaft und wird geehrt, während Spitzbuben⸗ arbeit unter Furcht und Zittern ein elendes Leben führt. Das Streben der Civiliſation iſt immer, die Einzelintereſſen mit dem Gemeinwohl zu vereinbaren. Gegen das Syſtem der Concurrenz hat man zu verſchiedenen Zeiten und in verſchiedenen Ländern Einwendungen gemacht: daß ſich ein derartiges Syſtem auf die Annahme gründe, alle Menſchen ſeien durch ihre geiſtigen und phyſiſchen Fähigkeiten hinreichend in Stand geſetzt, die Mittel zu einem bequemen Lebensunter⸗ halt zu finden; alle ſeien natürlich von dem Wunſche beſeelt, ſich auszuzeichnen, beſäßen die Kraft der Ausdauer und Selbſtverleugnung und die Anlage ſich ordentlich zu betragen, während die Wirklichkeit dem widerſpreche. Hieraus ſeien die außerordentlichen Unterſchiede des Ranges und Reichthums, die Trennung in Reiche und Arme, die verbrecheriſchen, verarmten, geſunkenen und verworfenen Klaſſen entſtanden, bei denen alle Hoffnung erſtorben ſei, das Syſtem ſei zu günſtig für die Reichen, Geſchickten und Glücklichen. Leute die ſolche Einwände machen, gerathen auf ſocialiſtiſche und communiſtiſche Syſteme, zur Vernichtung alles Wetteifers und individuellen Strebens. Das Syſtem der Concurrenz hat indeſſen ſeit dem Urſprung der menſchlichen Ge⸗ ſellſchaft beſtanden, die Menſchen verfallen auf neuen Feldern ihrer Thätigkeit ſpontan darauf,
es bedarf keines Geſetzes, um es in Gang zu bringen: alſo hat es ſeinen Urſprung in der 2


