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haltung Gebildeter Theil zu nehmen; Verfaſſer dieſes kam während ſeines Aufenthalts in Eng⸗ land oft in Verlegenheit und kaufte alsbald Adam Smith's„Wealth of Nations“, um ſich nur einigermaßen zu orientiren, las die treffliche Zeitſchrift„Economist“, welche faſt in jeder gebil⸗ deten Familie geleſen und beſprochen wird. In den Mechanic's Inſtitutions, welche in England und Schottland ſehr verbreitet ſind, wurden ſchon vor 1848 die Prinzipien der Nationalökonomie gelehrt. Seit 1848 errichtete Dr. Birbeck die ſogenannten Birbeck⸗Schulen, welche mit unſern Realſchulen gleiche Tendenz haben, die Kinder der Arbeiter, Induſtriellen und Kaufleute zu bilden. Außer den Realien werden hier auch die Elementargrundſätze der Geſundheitslehre und der Volks⸗ wirthſchaft gelehrt. Ein Hauptförderer dieſer Schulen, Herr William Ellis, verfaßte die „Elementargrundſätze der Volkswirthſchaft“, welches Buch ins Frauzöſiſche und Deutſche überſetzt worden iſt. Die franzöſiſche Ueberſetzung iſt von Barthélemy Saint Hilaire ſehr günſtig be⸗ vorwortet worden. Es iſt ein treffliches Schulbuch, ſelbſt für Kinder unter 14 Jahren beſtimmt; klar und lakoniſch geſchrieben, mit Ausſcheidung aller willkürlichen Theorien, die Terminologie auf das Nothwendige beſchränkend, hat es ſich in England und Schottland in mehreren Auflagen verbreitet. Herr William Ellis iſt Direktor des angeſehenſten Seeaſſecuranzinſtituts, verſchmähte es aber nicht, die Volkswirthſchaft, ſo wie er ſie ſich angeeignet hatte, in Lehrkurſen und Lectionen zu verbreiten und dieſes Schulbuch zu verfaſſen, blos aus humanem Intereſſe für die Volksbildung. Daß das grade keine leichte Sache iſt, wird wohl jeder Sachkundige zugeſtehen. Otto Hübner ſagt in ſeinem Büchlein„der kleine Volkswirth“:„Ich geſtehe, daß ich mehr Schwierigkeiten in dieſem Verſuche gefunden habe, als in irgend einer der wiſſenſchaftlichen Abhandlungen, in welchen ich ſonſt die Volkswirthſchaft zu beſprechen pflege. Es gilt, der Jugend die Geſell— ſchaftachtenund lieben zu lehren, ihre inzuprägen, daß der Fleiß, die Enthalt⸗ ſamkeit, die Redlichkeit, daß die Tugend nicht ablein gottgefällige Opfer, ſondern daß ſie auch vortheilhaft ſind, und daß daher die blendenden Ver⸗ ſprechungen, welche der Socialismus für den Umſturz jener erhabenen Prin⸗ cipienbietet, Lüge ſein müſſen.“ In ähnlichem Sinne ſagt Ellis am Schluſſe ſeines Abſchnittes über den Arbeitslohn:„Wer könnte wohl das Verdienſt und die Wohlthaten der Erziehung übertreiben, deren Gegenſtand es iſt, den wahrhaften Unterricht zu verbreiten und in allen Reihen der Ge⸗ ſellſchaft die Gewohnheiten der Vorſicht und Sparſamkeit, das Gefühl der Pflicht und gewohnter Redlichkeit, ſowie die erhaltende Thätigkeit eines weiſen Verhaltens dringen zu laſſen. Dieſen Theil der Wiſſenſchaft Allen zu lehren und unter ſie zu verbreiten, fordert auf Seiten aller einen bereitwilligen und aufgeklärten Eifer, ſowie die anſtrengendſten, von der Erfahrung geleiteten Bemühungen. Kinder, welche die elterliche Sorg⸗ falt zum Voraus mit alledem verſehen hat, was den Menſchen geſund, ſtark, ſittlich und einſichts⸗ voll macht, werden bei ihrem Eintritt in die Welt ſich in Umſtänden befinden, welche der Ver⸗ mehrung ihres künftigen Wohlſtandes, ſowie der Entwickelung ihrer Fähigkeiten ars Glieder der menſchlichen Geſellſchaft günſtig ſind.“
Die Herren Chambers haben ihrem Cyklus in England weitverbreiteter Schulbücher für den höheren und niederen Unterricht auch eine„Political Economy for the use in schools“ ange⸗ reiht und ſagen in der Vorrede:„Wenn ſo viel Unwiſſenheit über die Natur der perſönlichen Pflichten herrſcht und Verſuche gemacht werden, die Grundlagen der bürgerlichen Geſellſchaft ſogar zu untergraben, ſo kann es nur wichtig ſein, die Jugend in Lebensfragen für das Wohl der Staaten zu unterrichten.“ Das Buch ſelbſt erheiſcht ernſtes Nachdenken und fordert gereiftere


