Aufsatz 
Die Real- oder höhere Bürgerschule und die Volkswirtschaft / von Chun
Entstehung
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vollen Bedeutung erhoben. Wer ſeine Ideen kennt, begreift auch, wie Comenius auf die Er⸗ richtung von Reolſchulen dringen mußte; er nannte ſiedeutſche Schulen, weil in ihnen vor allem die Mutterfrache gelehrt werden müſſe, da es Unſinn ſei, ſeinen Sohn im Reiten zu unterrichten, ehe n gehen könne. Dieſe Forderung ſtellte er zu einer Zeit, wo das Latein in den Gymnaſien ols Converſationsſprache gelehrt wurde, wo jeder Gebildete mehr Gewicht auf ſein Latein, als auf eine tüchtige Kenntniß ſeines nationalen Idioms legte. Seitdem hat ſich der deutſche Unterricht bedeutſam erweitert; ja die Verſammlung von Realſchulmännern zu Mainz im Jahre 1846 erklärte ihn zum Mittelpunkt des Unterrichts in Realſchulen. Nach den gründ⸗ lichen Erörterungen hierüber von Seiten dreier Schulmänner, der Herrn Röder von Hanau, Ledebur von Magdeburg und Kletke von Breslau, ſprach der ſelige Direktor Vogel von Leipzig in patriotiſch erregter Stimmung:Die Verſammlung erkläre zu Protokoll, heute ſei es als dringendes Bedürfniß erkannt worden, daß die deutſche Jugend durch den Unterricht in ihrer Sprache und an den Werken ihrer Literatur, durch einen Herz und Geiſt bildenden, das Gemüth erwärmenden, das Gefühl veredelnden Unterricht erzogen werde. Gott ſegne unſer deutſches Volk!

Neben der Kenntniß der Mutterſprache bezweckte Comenius in ſeinerdeutſchen Schule Realkenntniſſe in der Geſchichte, Kosmographie, in den Gewerben und Künſten. Die Natur⸗ wiſſenſchaften waren zu ſeiner Zeit noch nicht geſchaffen, fie ſind das Werk der Neuzeit. Das Bedürfniß moderner Sprachen entwickelte ſich erſt zu Ende des dreißigjährigen Krieges, wo der ſchmachvolle Einfluß Frankreichs auf das national zerfahrene Deutſchland begann und durch Napoleon ſeinen Höhepunkt erreichte.Unſere Sprache glich einem Babel widerwärtiger Miſchung von ſteifer, deutſch lateiniſcher Gelahrtheit und Pedanterie mit franzöſiſch frivoler Galanterie und perfidem Servilismus gegen Frankreich.(Raumer).

Seit 1695 lehrte Thomaſius in Halle zuerſt in deutſcher Sprache; ſeitdem verlor das Latein allmälig das Monopol als lebende Mutterſprache der Gelehrten. Die Gymuaſien folgten dem Beiſpiel der Univerſitäten und lehrten in deutſcher Sprache.

Bald drängte die praktiſche Nothwendigkeit zu neuen Forderungen, um den Bedürfniſſen des Lebens zu genügen; die Schulen überhäuften ſich in Folge deſſen mit Unterrichtsmaterial, um auch den Anſprüchen des Adels und des Bürgerſtandes zu genügen. Die Arbeit war trotz oberflächlicher Behandlung einzelner oder aller Lehrgegenſtände nicht zu bewältigen. Immer⸗ mehr drängte die Zeit nach einer Trennung der Schulen in humaniſtiſche und realiſtiſche für die verſchiedenen Stände. Wie ſich bei erhöhter Volkskultur das Princip der Arbeitstheilung Geltung verſchafft, wie das Handwerk zuerſt in größeren, ſpäter anch in kleineren Städten in den Fabrikbetrieb übergeht, ſo haben ſich auch die auf die Bedürfniſſe des Bürgerſtandes be⸗ rechneten Realſchulen bereits ſeit hundert Jahren in den größeren, ſeit dem Beginn dieſes Jahr⸗ hunderts in den mittleren Städten unſeres Vaterlandes, in Naſſau erſt ſeit 1840 entwickelt. Man kann ſtatiſtiſch nachweiſen, daß ſich die Errichtung von Realſchulen nach der Volkszahl und induſtriellen Culturſtufe der betreffenden Städte beſtimmt hat. Von A. H. Francke's pädagogiſchem Realismus angeregt, errichtete der lutheriſche Prediger Semler in Halle 1739 die erſte Real⸗ ſchule, wenigſtens kommt der Name hier zum erſtenmal vor. Der 70 jährige fromme Semler wollte dieVerbalſchulen in Realſchulen, dieMarterſtuben durch Einführung der Realitäten in lauterFreudenſtuben verwandeln. Ein Schüler Francke's, Johann Julius Hecker, gründete 1747 die erſte Realſchule in Berlin. Viele Rectoren des achtzehnten Jahrhunderts empfahlen

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