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weſen, in der Schifffahrt. Die meiſten Erfindungen hatte man indeſſen dem Zufall verdankt, deshalb reformirte Bacon die Wiſſenſchaft dergeſtalt, daß ſie zu Erfindungen führen mußte. Der forſchende Geiſt ſollte auf dem Wege der Erfahrung, geleitet durch die Methode des induktiven Erkennens, die Naturwiſſenſchaften aufbauen, ſo werde er die Natur beſiegen, indem er ihr ge⸗ horche. Erfindungen ſind ja nur Anwendungen von erkannten Naturgeſetzen. Franklin mußte die Naturgeſetze des Blitzes kennen, ehe er den Blitzableiter erfand; alſo iſt das richtige Ver⸗ ſtändniß der Natur das Mittel, wodurch die Erfahrung zu Erfindungen führt. Durch ſeine erfindungsreiche Wiſſenſchaft beherrſcht der Menſch die Natur und macht ſie ſich dienſtbar; je mehr die Natur zur Mitwirkung an der Produktion der Güter herangezogen wird, deſto mehr wird die menſchliche Anſtrengung, alſo die Arbeit, erleichtert und wirft ſich auf neue Produktionen: ſo ward Bacon der theoretiſche Schöpfer des wahren Realismus, der geiſtige Begründer der Naturwiſſenſchaften und des induſtriellen Fortſchritts ſeit mehr als zwei Jahrhunderten, der Sä⸗ mann eines Werkes der Humanität, welches allein die Zeiten vollenden können.
Die Ideen Bacons erfaßte Amos Comenius bei ſeiner Unterrichtsreform zu Zeiten des verheerenden dreißigjährigen Kriegs. Comenius(Komensky) war 1627 als mähriſcher Bruder aus ſeinem Heimathlande Böhmen verbannt worden. Weil er in der geiſtigen Ohnmacht ſeiner Nation die Urſache ihres Untergangs erkannte, ſo zeigte er, in Erinnerung an ſein eignes unnützes Schultreiben, den Weg, welcher naturgemäß zur Bildung führe:„nicht Sprachen ohne Sachen, ſondern Sache und Wort ſind zugleich beizubringen. Mit realer Anſchauung, nicht mit ver⸗ baler Beſchreibung der Dinge ſoll der Unterricht beginnen. Zuerſt lehre man die Mutterſprache.“ Seine 1629 verfaßte Didaktik erregte die Aufmerkſamkeit des großen ſchwediſchen Kanzlers Oxenſtierna,„der ihn ſchärfer examinirte als irgend ein Gelehrter“ und ihn ermunterte nach ſeiner neuen Methode Lehrbücher zu verfaſſen. Als Verbannter durchzog er, eine ehrwürdige Leidensgeſtalt, während jener entſetzlichen, verwüſtenden dreißig Kriegsjahre Europa und arbeitete in glaubensſtarker Treue unermüdet dahin, die Jugend beſſer zu erziehen. Viele ernſte Männer wurden von ihm aufgerichtet, durch fromme und weiſe Erziehung ſei eine gottgefälligere Generation herbeizuführen. Die Menſchen verzichten in ſolchen Unglückszeiten wohl für ſich auf die Wiederkehr glücklicher Tage, aber als treue Gärtner widmen ſie den Wurzeln der Nation, der Jugend, um ſo mehr Fleiß. Des Comenius Schriften dienten allen nachherigen Pädagogen Deutſchlands als Grundlage, wie im vorigen Zeitraum diejenigen Melanchthons. Ein ähnlicher Aufſchwung im Unterrichtsweſen wiederholte ſich, als zu Zeiten des franzöſiſchen Imperators Deutſchland mit Schmach überſchüttet wurde. Unſere beſten Männer erinnerten ſich der nationalen Schätze unſerer Literatur; in der hoffnungsloſeſten Zeit hielt Fichte in dem von Franzoſen bewachten Berlin ſeine„Reden an die deutſche Nation“ und empfahl die von Peſtalozzi erfundene Er⸗ ziehungsmethode als den Rettungsanker, um je wieder zu einem menſchenwürdigen Daſein zu gelangen.
Inm Jahr 1650 ſchrieb Comenius ſeinen orbis pictus, das erſte Realbuch zur Anſchauung, welches mehr als hundert Jahre ſpäter noch Göthe über das 1774 erſchienene Elementarwerk von Baſedow ſtellte, weil dieſes der ſinnlich methodiſchen Vorzüge ermangele, die man Comenius zuerkennen müſſe. Die Phyſik ſolle durch Anſchauung und Experimente, nicht durch Vorträge aus den Schriften der Alten gelehrt werden,„damit aus der durch Erfahrung vermittelten Er⸗ kenntniß wie aus einem lebendigen Onell viele kleine Bäche ſich entſpinnen.“ So ward Comenius der Begründer des modernen Anſchauungsunterrichts, welchen erſt Peſtalozzi's Schüler zu ſeiner


