Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 4. Teil.
(Schluß.)
Entstehung
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Schlachtbeschreibungen seines Grenadiers verwendet. Die streng epischen Formen lieben einen mehr gleichmäßigen Strophenbau, die den lyrischen Formen näher stehende Darstellung der Ballade liebt den Iambus mit Anapästen, ein reiches Spiel des Reimes(Innen- und Endreims), Ono- matopõie, eine natürliche Fülle und sinnlichen Reichthum des Tones und des Klanges. Gern brechen die Wellen des Rhythmus in scharfen männlichen Versenden ab.(Erlkönig, Rolands Horn von Geibel.) Vischer führt p. 1340 das Versmaß der BalladeDie Braut von Korinth als ein Muster für die Forderung an,dass der Stimmungston im Rhythmus rei- nen Ausdruck finde, und zeigt dies ausführlich ebenso anDer Gott und die Bajadere.

Was die äußere Form der Ballade betrifft*), so ist sie mannig- fach genug; sie liebt die einfach gehaltene Strophe und keine große Künstelei. Nicht mit Unrecht sagt Geibel:

Wenn vollständig im Reim sich die Zeilen des Liedes verschlingen, Schließt anlautender Klang fest der Romanze Geweb.

Jenes ergötzt wie ein Strauß buntwachsender Blumen; es fesselt Dies wie ein Kranz einfarb glühender Nelken....

Die künstlerische Form muss mit der inneren Anschauung gleich- geboren und nicht nachträglich aufgedrückt sein.

Hierbei wird in der volksthümlichen Ballade der Refrain seine große Wirkung zeigen**). Man vergleiche die altdänische BalladeDer Mutter Wiederkehr, übersetzt von Johann v. Wildenradt, mit dem in der ersten und letzten zweitheiligen Strophe befindlichen Refrain:Ein ernstes Wort erfreut viele Herzen. Ubereinstimmung von Form und Inhalt ist auch hier das höchste Gesetz. Unsere Dichter von Bürger und Goethe an bis auf Vierordt, Lingg und A. Möser haben es auch in wunderbarer Weise verstanden, Form und Inhalt zu vermählen, und die

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1*) Solche Darstellungen der Poetik, die einen Unterschied zwischen der Romanze und Ballade annehmen, z. B. die von Dr. E. Kleinpaul(Poetik S. 138), wollen auch einen Unter- schied in der Form constatieren. Für die Ballade sollen sich die iambischen und die iam- bisch⸗anapästischen Verse etc. eignen, für die Romanze die trochäischen. Die Ballade soll einen größeren Aufwand äußerer Mittel brauchen etc. Grundsatz wird der musikalische Charakter dieser Dichtung sein. Letzteres kann allerdings zugegeben werden. Antike Versmaße sind sicher unpassend **) Dass der Kehrreim nicht große Bedeutung hat trotz der vielfachen Nachahmung desselben, will Goerth zeigen. Vgl. Goerth S. 72 fg. S. 112.Einführung in das Studium der Dichtkunst I. Die schönsten Volkslieder, gerade sowie die schönsten aus vollem Dichterherzen entquollenen Lieder der Neuzeit haben keinen Refrain. Er hat in der Kunst nur eine untergeordnete Bedeutung und gehört mehr zur Rhetorik als zur Dichtkunst. Dies haben unsere modernen Dichter wohl herausgefühlt und darum den Kehrreim, wo sie ihn anwenden, auch nur rhetorisch verarbeitet. Vgl. Holzhausen S. 132, 133, Goerth (Herrig) 368 406. Was den Dialog betrifft, so hat seine Anwendung gewisse Grenzen; der Dichter muss es wissen, wann er ihn anzuwenden hat. Wie im Drama der Bericht gestattet ist, sobald er mehr als das Gespräch die Handlung beschleunigt, fördert und erhöht, so wird im Roman das Gespräch zur Nothwendigkeit, wo die beschreibende Kunst hinter der seelischen Erregung des Menschen zurückbleibt und der unmittelbare Ausdruck der Empfindung sich als im höchsten Grad bedeutend erweist.Dem Roman und der No- velle, sagt E. Mauerhof,entsprechen in gebundener Rede das Heldengedicht, bezüglich die Ballade. So braucht auch Otto Ludwig inJulius und Hannchen? den Dialog und Wfisterdatt Th. Storm in der BalladeGeschwisterblut, die an das Tannhäuserthema an- ingt.