Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 4. Teil.
(Schluß.)
Entstehung
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den Todesstreich, Und thront getröstet nun im Himmelreich. Vgl. K. Ferd. Meyers Gedichte von L. Frey. Deutsche Rundschau St. 3. 1891.

Die Stilgesetze der Ballade müssen aus den Muster- und Meister- werken abstrahiert werden; gewisse vitale Eigenschaften, gleichsam das innere Nervengeflecht des Kunstwerkes, lassen sich nicht in Worte fassen, sondern können nur der lebendigen Anschauung entnommen werden.

Die Epitheta, Tropen, Figuren, Wendungen, die Pflanzen und Thiere, welche in der Volksballade vorkommen, die Bäume und Blumen, welche als Symbole der Gefühle verwendet werden in heil- oder un- heilbringender Weise, gehen auch in die Kunstballade über. Wie viel hat die Kunstballade vom würzigen Duft des Volksliedes gelernt, wie viel von dessen Sprachbehandlung! Eine so ausgebildete Sprache, wie sie die verschiedenen Typen der Balladendichtung mit all ihren Kunstgriffen haben, wurde nnn und nach zum Allgemeingut.

W. Scherer sagt I. S. 163: Die Strophe als mehr lyrische Form passt zur Ballade. Sie fordert jedesmal einen Abschluss des Sinnes, ein rundes Factum; die Erzählung wird daher rasch von Thatsache zu That- sache eilen, sie wird etwas Kurzathmiges bekommen, und so wird die Strophe immer eine gewisse Verwandtschaft mit der Ballade behalten; es werden also die schlichten Weisen des Volksliedes, aber auch die

rachtvoll wuchtige Nibelungenstrophe und ihre neuere Umbildung für Ri Balladen passen. Tieck und Uhland führten sie der Ballade zu.Für diese epischen Bilder, sagt Gustav Freytag: Erinnerungen aus meinem Leben, S. 149.richtete ich mir den Nibelungenvers zu, ein Maß, auf das ich jetzt noch viel halte, weil es bei geschicktem Gebrauch, welcher die Einförmigkeit des Taktes zu vermeiden weiß, jeder Stimmung der Seele lebhaften Ausdruck gibt.

Der dichterische Wert einer Ballade lässt sich nur wiedergeben

und voll fühlen, indem man die Melodie der Verse dem Ohre über- mittelt. Die sprachlich musikalische Kunst darf in der Ballade keine rein äußerliche, Form und Inhalt müssen wie zusammengeschweißt sein. Storm fordert:Von einem Kunstwerk will ich, wie vom Leben, unmittelbar und nicht erst durch die Vermittlung des Denkens berührt werden; am vollendetsten erscheint mir daher das Gedicht, dessen Wir- kung zunächst eine sinnliche ist, aus der sich dann die geistige von selber ergibt, wie aus der Blüte die Frucht. Schon Herder hat in den Blätternvon deutscher Art und Kunst(Lambel S8. 7) mit Feingefühl darauf aufmerksam gemacht, dass bei der Entkleidung von allem Lyri- schen des Wohlklanges, des Reimes, der Wortsetzung, des dunkeln Gan- ges der Melodie, wenn bloß der Sinn gelassen wird, es bei den alten Liedern sei, als wenn die Noten in einer Melodie von Pergolese oder die Lettern auf einer Blattseite umgeworfen würden. Auch die moderne Ballade kann durch ihre Form aus dem Balladenton fallen; sie darf die Mittel nicht verschmähen, mit deuen das alte Volkslied als Natur wirkt; es darfdie Festigkeit, die Bestimmtheit, der runde Contour nicht feh- len, den, wie Herder sagt, der erste Hinwurf verleiht und kein späteres Nachzirkeln ertheilen kann. Das berühmte englische Balladenmetrum, das Klopstock in seinem Lied auf Friedrich den Großen gebraucht und mit einem überschlagenden Reim versehen hatte, hat Gleim in den

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