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religiöse, ästhetische Ideen mit dem Stoffe in der Weise verarbeiten, dass diese Ideen durch das Werk in uns Lesern oder Hörern erregt und in ihrer lebensvollen Wirksamkeit uns vorgeführt werden, so dass Idealisieren mit dem Objectivieren zusammenfällt. Das Idealisieren be- steht aber nicht in dem Hineintragen von Ideen, sondern im Reinigen oder Verstärken des Bildes, in dem die bedeutungslosen Elemente aus- geschieden, die seelenvollen verstärkt werden. Damit wird die ideale Wirkung des so erhöhten Bildes reiner, dichter und harmonischer als die reale Wirkung des Gegenstandes und der realen Welt. Im Kunst- werke heißt aber idealisieren— componieren, d. h. den realen Stoffr eini- gen und ergänzen. Hier wird ihm Mannigfaltigkeit, Einheit und Lösung gegeben, und dadurch wird das Bild zum Kunstwerk, nicht aber durch Hineinarbeitung von Ideen, die höchstens auf die Einheit wirken.
Für die Dichtkunst gilt, wie Sigmar Mehring in seinem trefflichen Buch über die deutsche Verslehre bemerkt, mit Recht als Merkmal im Gegensatz zu den Schwesterkünsten,„dass der Gedanke, der geistige In- halt, die gewaltige Oberherrschaft führe über die Form.“ Der geistige Inhalt eines dichterischen Kunstwerkes bestimmt alles Ubrige, also auch Natur und Form des sprachlichen Ausdrucks*).
Was die Form der Ballade betrifft, so ist die äußere von der inneren Form zu unterscheiden. Die innere Form hat nach energischer Bewältigung und Zusammenfassung des Stoffes zu streben. Es gilt von ihr, was Hans Vintler sagt:„Und just nach ihren eigenen Axen— im Stillen gewachsen.“ Affectationslosigkeit ist die Hauptprobe der Gedichte dieser Art, dabei schlagende, prägnante Kürze des Ausdruckes. Die wei- cheren Wellenlinien der sprachlichen Schönheit braucht die Ballade ebenso gern als den Scharfhn Klang, der den Wohllaut nicht sucht, aber dafür treffend charakterisiert. Die gehobene, d. h. dichterische Form hat keinen Wert, wenn nicht poetische Gestalt da ist. Drum kann es in der Volksballade wundervolle Poesie in einer sehr mangelhaften Form geben. Freilich muss der Kunstdichter auch auf die Form Rücksicht nehmen. Die dichterische Form der Ballade gelingt auch dem Dilettan- ten, die echte innere Form der Ballade muss, wie Weitbrecht vom dich- terischen Kunstwerk sagt, zusammengehämmert sein im Feuer dichteri- scher Begeisterung durch dichterische Kraft, drum ist Knappheit, Kürze und damit Kraft des Ausdrucks von der echten Poesie und daher auch von der echten Ballade unzertrennlich. In der Ballade ist kein Platz für Reflexion; erfüllt von seinem Stoff bleibt dem Dichter nicht Zeit und Raum, sich auszubreiten; in knapper und darum starker Anschau- lichkeit zaubert er sein Bild. Die Ballade muss die epische Breite ver-
mittelbar das ausdrückt, was ein moderner Mensch in seiner Seele fühlt.(Grenzb. N. 37, JIg. 53) Goethes für alle Zeit entscheidender Blick sagte, dass in Herders Richtung nichts Großes mehr zu finden sei. Nordische Balladen und Lieder sind nach ihm entstan- den und werden weiter entstehen. Aber das sind Einzelklänge. Eine Stoffwelt oder ein Ideenreich, das den Wert einer dichterischen Weltanschauung hätte, ist im Nordischen nicht mehr zu erobern.“
*) Adalbert Schroeter bemerkt zu einem„Ballade“ überschriebenen Gedichte von A. Ohorn: Dem Poem fehlt die Handlung. der dramatische Nerv, der allein der Ballade Leben verleiht; man kann balladenhafte Töne anschlagen, ohne dass die Ballade selbst gelingt.


