Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 4. Teil.
(Schluß.)
Entstehung
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durch gegeben. Die seelenvolle Schönheit der von Gefühlen erfüllten Menschen und ihr Handeln bleibt als Rest auch in der Ballade. Diese Gefühle sind die des Erhabenen oder Lust- und Schmerzgefühle; derlei Gestalten in voller Anschaulichkeit zu zeichnen, ist Aufgabe des Dich- ters. Das Ereignis wird nur seelenvoll durch die Gefühle, welche der Dichter darin verkörpert sieht; ein thatsächlich bestimmtes Ziel, nicht dis Winheit durch einen allgemeinen Gedanken(Idee) bildet die wahre inheit.

Goerth spricht vom Idealisieren, er nennt es mit Schiller den Stoff durch die Form vertilgen oder den Stoff mit Ideen verarbeiten.*) (S. 25, S. 45.)Der Grundgedanke, heißt es,braucht nicht in nackter Deutlichkeit, sondern umschleiert zu erscheinen; er soll geahnt werden, damit die Stimmung nicht gestört werde. Der Dichter soll sittliche,

*) Muss man schon von diesem Standpunkte aus gegen Goerth Stellung nehmen, so ist auch die Art zu tadeln, in der er mit unsern Dichtern umspringt. Wenn Goerth von Eberts GedichtFrau Hitt sagen kann:Wir sehen hier sociale Ideen hineingeworfen, wenn er von dilettantischen Machwerken selbst bei unsern bedeutendsten Dichtern spricht: Wie viel kostbare Zeit ist auf solche Reimereien verwendet worden, wie viel Mühe ha- ben sich tausend sonst ganz verständige, ja gelehrte Männer gegeben, um Werke zu schaffen, die absolut wertlos, und ganz abgesehen von dem Schaden, den sie anstiften können, mindestens ganz nutzlos sind. so fürchten wir, dass die Säuberung des Parnasses, die Goerth anstrebt, nicht auf diese Weise gelingen wird. Man lese nur die bornierte Kritik über KinkelsWindsbraut und die Bemerkung überOtto der Schütz(S. 239). Es ist schade, dass Goerth, der manchen guten Satz ausspricht, sein Urtheil nicht mäßigt und mit wenig Geist und viel Behagen sich dictatorisch als Richter des Geschmackes auf- wirft. Ein Bild wieLangsam wandelt die schwarze Wolke, sagt Goerth, wird nie einem Dichterling gelingen(S. 369). Die Kritik, die er an HeinesBelsazar und an Egon Eberts Fran Hitt übt, zeigt dies deutlich:Das erste Gedicht, sagt er,lässt uns ganz kalt, weil Heine den Stoff nicht unseren modernen Ideen gemäß verarbeitet hat.(196) Im zweiten Gedichte findet er sociale Ideen hineingeworfen. Die wären modern, aber an dem Wunder der Verwandlung in Stein nimmt er Anstoß(198). Rückert und Uhland(Der alte Barbarossa,Harald) verstehen es, durch die einfache, anschauliche Darstellung alter Sagen eine schöne Wirkung zu erzielen. Der moderne Balladendichter soll es ver- stehen wie diese beiden, auch ohne viel Worte moderne Ideen in uns zu erregen. Das Urtheil über die Ballade spricht die Anerkennung über ihren Wert aus. Hier ist die Volksballade in einer günstigeren Lage als die Kunstballade. Die Naturfrische der ersteren zieht allgemein an, während bei der letztern oft ein bedenkliches Schwanken bei den Beurtheilern stattfindet. Dies trifft selbst fast allgemein anerkannte Meisterwerke. Wir haben derlei Urtheile bereits über Goethe, Schiller, Uhland erwähnt. Auch Bürger wurde davon getroffen. Je nach der Stimmung des einzelnen, ob er das Ideal- und Formschöne oder das Naturalistische und Geistschöne vorzieht, ist dies leicht erklärlich. Aber nicht erklärlich ist ein einseitiges und aller Begründung bares Urtheil, wie es sich etwa bei Goerth gefunden hat. Dass bei der Massenproduction auf diesem Gebiete manch kleines treffliche Kunstwerk nicht die rechte Würdigung finden kann, ist allerdings zu beklagen. So sagt ein Schriftsteller: BürgersLied vom braven Mann ist eine ethische Perle in goldener Fassung und bildet einen erhebenden Hochgenuss für unsere Jugend. Daniel Wunderlich nenntLenardo und Blandine die beste aller Balladen im heiligen römischen Reiche, sie ist die Probe echter Volkspoesie. Friedrich Düsel sagt von der ersten Ballade: Der marktschreierische brave Mann mit seinem reclamhaften Selbstlob sei nicht viel wert; und ebenso die ekelhafte Cannibalenroheit der RomanzeLenardo und Blandine. Was den Charakter der nordischen Dichtung und den Wert der nordischen Ballade be- trifft, so sind Adolf Philippis Worte treffend:Manche Kenner unseres geistigen Lebens halten den von Schiller und Goethe gegründeten Classicismus für eine Stufe geschicht- licher Entwicklung ohne selbständigen Wert. Andere dagegen, zu denen ich mich stellen möchte, finden, dass in mancher Schillerschen Ballade etc. abgesehen von jedem Liebhaber- werte eine Weiterbildung des Griechenthums gegeben sei, die wahr und treu, kurz un-