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zurückdrängte und das lyrische Element gedeckt hielt, die Kraft der Concentrierung und den dramatischen Nerv zu Gunsten der glänzenden Schilderung schwächte, so dass die tiefe Innerlichkeit ausblieb, dies alles bewirkte, dass sich trotz einzelner Ansätze die reine Abscheidung dieser Art aus der Epik nicht herausbilden konnte. Dazu kam noch, dass das Heldenthum des Alterthums in seinen Kämpfen andere Ideen zum Aus- druck brachte und in seiner ruhigen Klarheit zum Halbdunkel, das die Ballade liebt, und zu ihrem sprunghaften Wesen einen scharfen Gegensatz bildet, dass das Lebensbild zurücktreten musste vor den gewaltigen Goe- stalten, und dass überhaupt jener romantische Hauch, der über der Bal- lade liegt, nicht vorhanden war.(Vgl. I. S. 33.).„Das unvergleichliche Organ für die Plastik bei den Griechen war es also nicht allein, das die Anlage zur Ballade ausschloss“.(Baumgart S. 65).*)
Manche Erklärer, wie Viehpff und Kurz, legen bei der Ballade und Romanze ein großes Gewicht auf die Grundidee oder das Grund- gefühl. Die Frage nach der Grundidee eines Gedichtes ist noch ein Rest Hegelscher Asthetik.(Grube S. 29.) Jedes Gedicht, wie jedes echte Kunst- werk überhaupt, sagt uns unendlich mehr, als wir in Begriffe fassen, es enthüllt uns seinen Grundgedanken nur in der Unmittelbarkeit der An- schauung und Empfindung.(S. 31.) Man darf nicht glauben, dass dem Dichter erst ein„allgemeiner Gedanke“ in abstracto, d. h. abgelöst von der individuellen Erscheinung, vorgeschwebt habe; und dennoch sucht Grube überall nach dem Grundgedanken, der Idee und findet natürlich auch eine solche im„Erlkönig,“ die stürmisch feuchtkalte Herbstnacht, im„Fischer“ den Reiz des Wasserspiegels. So sagt Kurz, der„Erlkönig“ soll die tödtende Kraft feuchter Nachtluft darstellen, der„Fischer“ soll,
*) Ubrigens vergleiche man den aus einem Threnos stammenden rührenden Klag- gesang der Danae, die von ihrem Vater verstoßen mit ihrem kleinen Sohn Perseus das eer durchfährt. Bernhardy rühmt das Gedicht des Simonides in jeder Beziehung. R. C. Jebb: Homer. Eine Einführung in die Ilias und Odyssee.(Ubersetzung von E. Schle- singer) Berlin 1893, stellt einen Vergleich zwischen den Balladen und Homer an. Die alten englischen und schottischen Balladen gehören einer viel kunstloseren Stufe der poe- tischen Entwicklung an als die Ilias und Odyssee. Im Griechischen gibt es keine Uber- bleibsel aus der Stufe, welche eigentlich derjenigen unserer Ballade entspricht. Die eigent- liche Ballade war ein erzählendes Gedicht; der Balladendichter beschränkte sich nach Uberlieferung und Instinct der Regel gemäß auf die einfache Erzählung. Als Ausdrucks- mittel der Poesie kann die verhältnismäßig arme und enge Form, in welcher der Balla- dendichter arbeitete, in keiner Weise mit dem Umfange und der Mannigfaltigkeit von Homers Epos verglichen werden; aber die Balladen theilen mit Homer die Raschheit in der Bewegung, die Einfachheit im Gedanken und Ausdruck; zu diesen drei Eigenschaften kommt manchmal auch das Moment der Erhabenheit hinzu, wenn die Ballade einen Wendepunkt kriegerischer Handlung beschreibt, oder wenn sie einen heftigen Ausbruch natürlicher Gemüthsbewegung schildert. Jebb vergleicht Stellen aus englischen Balladen mit Homer, um zu zeigen, dass der Balladendichter ein kunstloserer Arbeiter ist und auf einer viel niedrigeren geistigen Stufe steht als der homerische Dichter. Das alte Volks- lied hat seine erhebenden Momente und nähert sich in diesen dem Homer, aber es steht, im allgemeinen auf einer weit niedrigeren Stufe. S. 16—22.“ Jebb meint immer die alten Balladen als die Repräsentanten des alten Volksliedes vom Volk für das Volk gemacht. Allerdings fehlt diesen Balladen die edle Anmuth homerischer Darstellung; ob aber sie in den Gedanken über das menschliche Leben gegenüber der feineren und tieferen Kennt- nis des homerischen Gedichtes soweit zurückstehen, wie Jebb meint, ist recht fraglich. Der Gegensatz zwischen dem Idealschönen und Geistschönen ist es, der beide Dichtungen charakterisiert.


