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ron“ und dagegen eine„Heldin“ von Weitbrecht oder Kruses„Die Spar- taner“, und R. v. Gottschalls„Die alte Künstlerin“ im Musenalmanach (Cotta) von 1894. Der Glanz der Farbe und die Fülle des Stoffes darf nicht das innere Leben ersticken, das die wahre Seele des Kunstwerkes bildet. Die Ballade würde längst nicht mehr der Liebling der Dichter und der Hörer sein, wenn sie nur immer die alten Klänge der Ritter- ballade oder der schottischen Lieder hören ließe. Auch sie hat neue Gebiete mit großem Glück betreten. Die breitgetretenen, tausendmal da- gewesenen Balladen, die Th. Vischer tadelt, haben mit ihrer Langweile dieser Dichtungsart nicht schaden können, der wahre Dichter hat sich auch hier zurechtgefunden. Die Ballade darf nicht gemacht sein. Nichts ist schwerer zu treffen als die Grenze zwischen echter Poesie und Rea- lität; das Bestreben, die Volksballade nachzuahmen, darf nicht ins Triviale und Manirierte fallen:„Dem Talent mag es wohl gelingen, den Ton zu finden und ein Balladenstück aufzuspielen, aber wer den wunderbaren Klang der echten Ballade gehört hat, wird das Wahre vom Falschen, Gekünstelten und Gemachten leicht unterscheiden.“ Der Balladendichter wird stets gegebene, besonders historische Stoffe den erfundenen vor- ziehen aus demselben Grunde wie der Dramatiker, denn er braucht dann die Helden nicht zu erfinden, sondern ihre gegebenen Eigenthümlichkei- ten nur weiter auszubilden; es sind fest umrissene Gestalten voll Leben, während bei der erfundenen Ballade recht leicht eine Grundidee sich den Figuren aufprägt und sie zu Trägarn abstracter Sätze macht.
R. Kralik will in seinem„Kunstbüchlein“ nur die Mythen und Sagen, nur die alten dichterischen Uberlieferungen als echte Stoffe der Poesie gelten lassen, der Dichter dürfe nicht neue Stoffe und Fabeln erfinden, aus der neuen Zeit nicht neue Motive holen. In„Weltschön- heit“(Versuch einer allgemeinen Asthetik) heißt es:„Die Natur als Object ästhetischen Wohlgefallens ist nichts anderes als die Welt der Mythologie, der Legende, der Sage, des Wunders.“ Die Balladendichtung der neueren Zeit ist Widerlegung genug für diese übertriebene Anschau- ung, die die Poesie zu einem Stillstand verurtheilen würde.
Schließlich gilt von der Ballade das Wort Schellings:„Einen un- ermesslichen Inhalt,— also einen Inhalt, der eigentlich der Form wider- strebt, einen solchen Inhalt in der vollendetsten, d. h. in der endlichsten Form darzustellen,— das ist die höchste Aufgabe der Kunst.“
Die ganze Entwicklung der deutschen Ballade, sowie der Balladen- dichtung überhaupt, zeigt ausreichend, warum das griechische und rö- mische Alterthum nicht zur Herausbildung dieser Art Kleinepik kam. An Stoff dazu hat es nicht gefehlt. In den Metamorphosen Ovids liegen genug Balladenstoffe vor. Aber die plastische und rhetorisch schildernde Art der Darstellung, die mit Liebe ins einzelne ausführte, die Stimmung
gen S. 154 fg.) erklärt, dass ihm das Grundgefühl, welches die ganze naturalistische Be- wegung durchzieht und bestimmt, wohlberechtigt zu sein scheint,„dass wir nicht immer in der Weise Schillers und Goethes, auch nicht in maßvoll organischer Umbildung dieser Weise dichten können.“ Gerade die Ballade hat ihrer ganzen historischen Entwicklung nach durch die in ihrem Wesen begründete naturalistische Kraft diese Umbildung längst. vollzogen, während die anderen Dichtungsarten diesen Weg erst später eingeschla- gen haben. Sie hat von jeher den modernen Zug ausgeprägt.


