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Wenn Franz Muncker von der Ballade sagt:„Uberall muss sich fortschreitendes Empfinden, äußere und innere Handlung, höchst wirk- same Sparsamkeit und kraftvolle Gedrungenheit der äußeren Darstellung offenbaren; der Dichter kann mit wenig Strichen scharf charakterisieren, er braucht bisweilen nur skizzenhaft zu zeichnen, oder die Farben scheinen dürftig aufgetragen, und doch wird das Ziel erreicht,“ so erschöpft diese Charakteristik noch keineswegs das vielseitige Wesen dieser Dichtungsart.*) Sie hat dieses Erbtheil und diese Grundsubstanz ihres Wesens gern fest- gehalten, hat aber auch die reichsten Farben und die feinste Zeichnung schon vom Anfange an nicht verschmäht. Ja selbst der allegorische un didaktische Charakter, der sich aller Dichtungen endlich bemächtigt, konnte auch der Ballade nicht erspart bleiben, da ja selbst das Volkslied nicht frei davon geblieben ist. Ein Begriff der ganzen Gattung darfnicht aus der ersten besten Unterart oder der historischen Unterlage abgezogen werden, die Verbindung des Handlungs- und Stimmungsbildes, die in der Ballade stattfindet, kann naturalistisch und geistschön, aber auch ideal- und form- schön ausgestaltet werden, es kann bald das Handlungs-, bald das Stim- mungsbild überragen. Sie soll im engen Rahmen das Wirkliche poetisch verklären, das Poetische auf den festen Grund des realen Bodens stellen und zwar in scharfen Contouren oder auch in leuchtenden Farben. Neue Wege lässt sich die Ballade nicht verschließen, den Stoff nicht, noch die Behandlung vorschreiben.**) So hat Schiller ja auch einen ganz neuen
*) Josef Lewinsky sagt in seinem Vortrag über Betty Paoli:„Die in ihren„Neuesten Gedichten“ enthaltenen Erzühlungen sind Meisterstücke, die nach der Natur dieses Ta- lentes den Charakter der Ballade und Romanze annehmen, welche ohne Glanz und Schwung ger Serache nicht zu denken ist.“ Auch hier ist ein zufälliges Merkmal’ für ein echtes
ehalten. 8**) Richard Jordans„Lieder vom stillen Ocean“ bringen die mit der Elegie verwandte Ballade„Nichts Ungewöhnliches“,„Die Rose vom Ried“. Dichtungen voll Wohlklang und jenem Reiz, der einerseits die Ballade, anderseits die Elegie kennzeichnet. Bei K. Ferd. Meyer findet man in den Novellen Themen, die in seinen Gedichten wieder begegnen: „Der Heilige“,„In zwei Worten“. Felix Dahns„Was ist die Liebe“ und„Odhins Rache“, sagt ein Kritiker, wären gewiss prächtige Balladen geworden, während sie jetzt zur Er- zählung in Prosa ausgesponnen, leicht Angriffspunkte bieten. Max Koch sagt von Dahn, dass er nicht nur die besten deutschen Balladen seit Uhland und Platen gedichtet, dass man aber auch in seinen größeren Dichtungen den nicht immer zum Heile ausgedehnten ursprünglichen Balladenentwurf herausfühle. So liefern zwei Julian-Balladen„Das Gericht zu Sirmium“ und„Julian der Apostat“(zweite Gedichtsammlung 3. Aufl. 1883) theilweise die Grundlage zu seinem Roman„Julian der Abtrünnige.“ Stimmungsvoll sind seine Bealladen:„Die Messe von Marienburg,“„Der stolze Gast,“„Die Wünsche,“„Der Abt von Walchensee“; Karl Woermanns Ballade„Am Posilipp“, Haushofers Ballade„Das öde Haus;“„Das Thränentuch“ von Vierordt;„Auf der Freite“ von R. Waldmüller;„Wett- rennen“ von K. Weitbrecht(Cotta, Musenalmanach) zeigen, wie tretflich und reich Stoff und Behandlung sind. Martin Greifs Balladen:„Das klagende Lied“,„Die Klage um den Knaben aus Tirol,“„Des Zöllners Tochter,“„Die Verlassene;“ Wilhelm Brandes Balladen„Magnus Torquatus,“„Die Tatarn in Weißkirch“(voll Humor), Knord Dorings „Die Vision des Jakob Balde“; Löwenbergs Gedichte:„Jens Lims,“„Im Feuer,“„Die Roggenmäherin;“ Wilhelm Richters kunstreiche Balladen, Spittelers„Heimkunft des Des- poten“,„Nur ein König“, das prächtige Volkslied„Der gute Besuch“,„Das sterbende Rösslein“ sollen hier nur kurz erwühnt werden, ebenso die Dichtungen von Karl Preser: „Heimatliche Bilder und Gestalten“,„Die Ermordung Konrads von Marburg,“„Das Lied vom letzten Grafen von Bilstein.“ Alberta von Puttkammer nennt ihre Balladen und Ro- manzen„Bilder.“„Der Paradiesesschlüssel,“„Die Lebensmüden,“„Heute Nacht vielleicht,“ „Hagens Verrath,“„Brutus,“„Petrus,“„Baldurs Bestattung,“„Gudrun.“ Diese lyrisch-


