Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 3. Teil
Entstehung
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und Dämonen können auch neckischer und gutmüthiger Natur sein, und hier kann sich selbst leise ein Element des Komischen unsetzen, was sonst der Ballade ganz fremd ist. Je nach dem Mythenkreise wird die Ballade eine lichtere oder dunklere Farbe gewinnen(Braut von Korinth; Erlkönig). Der Stoff der mythischen Ballade kann alle Stufen durch- laufen, das Heitere, einfach Schöne und das grauenhaft Erhabene kann darin seinen Platz finden. Die Subjectivität des Dichters wird auf jede Gattung der Ballade nach Form und Inhalt den größten Einfluss haben. Bewegt sich der Dichter gern in heiteren, freundlichen Regionen, so, wird die Ballade ihren düsteren Charakter verlieren; stellt er sich auf den Standpunkt des Mythischen und des Volksglaubens, liebt er das Düstere und Tragische, hat er pathetische Kraft, versteht er anderseits das La- konische, Andeutende, so wird selbst derselbe Stoff sich verschieden ge- stalten. Her kommt der Gegensatz des Ideal- und Geistschönen, des naturalistisch und romantisch Schönen zur Geltung.

Zur Sagenballade gehört auch die nordische Ballade, die es selten zur epischen Klarheit der Gestaltenballade bringt. Die nordische Ballade wurde lange als die Ballade in engerer Bedeutung gefasst. Ihr Inhalt ist das Walten dunkler Natur- und Geistermächte und deren Wirkung auf die Menschenwelt, wovon im romanischen Süden kaum Spuren ange- troffen werden, während sie gerade im germanischen Norden in voller Blüte steht. Auch das günstiger gelegene Deutschland kennt den harten Gegensatz zwischen Mensch und Natur nicht wie der Norden, der diesen Gegensatz mythisch überall ausdrückt. Die mythisch-poetische Grundlage fehlt der alten deutschen Volksballade, im Norden aber sind die Bal- laden Fortsetzungen der uralten Eddalieder. Nichtsdestoweniger ist auch der Geist der nordischen Ballade ein anheimelnder, weil echt germani- scher. Darum so zahlreiche Nachahmungen und Nachdichtungen und die Meinung, dass die nordische Ballade die eigentliche Ballade sei*). Albert Mathaeis Ballade:Die letzten Bonden im Musenalmanach auf 1894 zeugt davon, dass die Gestalten des Nordens noch immer einen herrli- chen Stoff für die Ballade bieten, besonders wenn Bildkraft, Vers, Stil und bedeutender Inhalt, kraftvolle Kürze, plastische Gestaltung sich zu einem Kunstwerk vereinen. Die Bonden wollen frei bleiben, auch nach verlorner Schlacht, und ziehen nach dem fernen Island:Dir sang All- vater den Sieg in den Schild Uns helfe nun Thor! Nicht sind wir gewillt, Zu beugen das Knie. Wir räumen das Land, Eh'' dreimal die Sonne vom Himmel schwand*.**) Es gibt auch eine Art legendenhafter Balladen, in denen der legendenhafte Inhalt durch moderne Auffassung

*) Vgl. Uhland B. 7 S. 396 über die Elfenballade und S. 426 ff., wo das Verhältnis der Volksballade zur Göttersage erörtert und dann von ihrer Beziehung zur Heldensage gehandelt wird. S. 449 bespricht er diejenigen Balladen, welche den obergang zur ge- schichtlichen Darstellung bilden. Vgl. E Nägele: Beiträge zu Uhland(Jugenddichtung, Tübingen 1893) weist nach, dass die Ballade Uhland nicht gelingen wollte, bevor er nicht Stoffe hatte, die ihn pefriedigten,Hermann und Utha,Die Romanze(1803) sind Schauer- thaten ähnlich. Es fehlt ihnen die ideale Heldengestalt der späteren Balladen S. 34. Die BalladenDie Zauberin,Der Abschied.Die Elfenkluft,Die Wallfahrtkirche,Die Prand⸗ bewegen sich vorwiegend auf nordischem Boden und in einer Welt heroischen

ebens.. 3

**) Die Balladen von Eduard Wechßler:Nordlandsgesänge zeigen von der Kraft,

welche diesen Stoffen noch immer innewohnt.