Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 3. Teil
Entstehung
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Zügen malend haucht sie den Localton der Empfindung über das Bild. (Kassandra. Das Siegesfest.)

Der echte Balladensänger greift daher gern zu seines Volkes Thaten. Thaten aus der vaterländischen Geschichte und Sage haben den Volkscharakter als allgemeine Basis unter sich; darum das allgemeine Interesse, das an dem Stoffe haftet, das diese Art von Balladen zu allen Zeiten freudige Hörer finden lässt, während fremde oder antike Stoffe eine gewisse Vermittlung brauchen*). Wenn solche Balladen auch die Gestalten nicht in voller plastischer Klarheit hervortreten lassen, so zei- gen sie durch die den Stoff umwallende und umspielende Empfindung mehr innere Bewegung und ergreifende Macht; es muss nicht immer Leidenschaft das bewegende Element sein, der warme Farbenton reicht auch aus. Ganz rein epische Erzählung ist bei unserer subjectiven Zeit- bildung überhaupt kaum möglich. Uhlands Eberhard-Balladen mõchten wohl das reinste Beispiel einer solchen sein..

Ist das Ganze poetisch empfangen und Impfundsm sagt Vischer, so mag es im übrigen gut, sohlicht und natürlich hergehen. Man sehe, wie außerordentlich einfach die Begebenheit in derBraut von Korinth erzählt ist; eine Menge von Wendungen kommen vor, die unsere bilder- überwürzten, in jedem Worte aufgestelzten modernen Lyriker als platt und prosaisch verachten würden; aber welcher Stimmungshauch zittert über den einfachen Worten, wie düster, spannend, bebend schreitet die Handlung fort, wie ist alles geschaut! Wenn im Drama ein Charakter wie leibhaftig geschaffen ist, hat er dann nöthig, in jeder ein- zelnen Rede den Mund voll zu nehmen? Der epische Dichter, wenn er zu viele Anstalten trifft, sein inneres Bild vor unsere Anschauung zu bringen, fällt in jenes Malen, das wir als Vergehen gegen den poeti- schen Stil aufgezeigt haben.**) Gleichzeitig wie die Malerei ihren Stoffkreis erweiterte, wie die roßen Reisen fremde Gegenden erschlossen und die großartigen Schil- Sepugen eines Alexander von Humboldt und ausländischer Schriftsteller dem Blick neue Lebenskreise erschlossen, griff auch die Poesie die hei- mische Welt verlassend nach solchen Bildern, die nicht bloß durch den Reiz der Neuheit und einen großartigen Hintergrund wirkten, die auch ein neues Heldenthum, das den Kampf mit der Natur und den Elemen- ten muthig aufnahm, Gestalten, die in anderer Weise den Lebenskampf kämpften und mächtig auf die Phantasie wirkend, vor das Seelenauge hinstellten. Die Geschichtsforschung schloss das Alterthum in großartig- ster Weise auf, die ältesten Culturkreise eröffneten sich dem Blicke, die neuere Ballade wusste auch hier die rechten Angriffspunkte zu finden, um das Seelenvolle dieser Weltkreise zu finden. Das Reich der erzählenden Dichtung, der Geschichte wird so un- endlich groß. Welche Menge der verschiedensten Dinge haben die Dichter in sie hereingezogen! Religiöse Ideen und Kämpfe, den Gegensatz der

*) Fr. Schlegel sagtl ganz richtig(10. B. S. 165.):Wie weit es auch in anderen Gattungen der Poesie vergönnt sein mag, um sich zu greifen und auch die entlegene und ganz fremde Sage in ihre Kreise zu ziehen; von dem Liede fordern wir, dass es

tsch sei. deutsch yeKsthetik S. 1218.

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