Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 3. Teil
Entstehung
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wendig gesetzt, und das ist der Antheil, den die Lyrik an der Ballade als nothwendig integrierend für die innere Fassung des Gegenstandes in Anspruch nimmt Diese Darstellung bietet nur theilweise das Richtige und ist construierend statt inductiv.

Auch von Uhlands epischer Lyrik ist mit Recht gesagt worden, dass in ihr das Epos des deutschen Volkes in einzelnen Punkten darge- stellt werde, wie ja Uhland selbst sagt, dass in einzelnen Gestaltungen größere Gedichtsentfaltungen vom Leser geahnt werden können. Von seinen Balladen gilt das Wort Rückerts:

Das ist des alten Heldenlebens Geist, Dass, wie Du immer ihm entfremdet bist, Du Dich ergriffen von der Herrlichkeit, Erschüttert fühlst, erhoben und geweiht.

Sie zeigen nicht die Leidenschaft, sie haben bloß eine wohlthuende Wäaͤrme.Der Geist des Epikers schwebt mit ruhigem und festem Blicke über den Balladen, die gemüthliche Theilnahme des Dichters spricht sich nur gegenständlich aus in der liebevoll ausgeführten Zeichnung und dem warmen Grundton.

Die epische Ballade unterscheidet sich scharf von der epischen Erzählung*). Die epische Ballade hat noch so viel Stimmung behalten, dass sie die Mitte zwischen Stimmung und Anschauung, Empfindung und Gestalt festhält. Vor allem liebt die epische Ballade einen Stoff, der durch die Sage schon präpariert ist, während die epische Erzälllung je- den seelenvollen Stoff aufnimmt, um ihn poetisch zu fassen. Ergreift die Ballade einen Stoff, der nicht vorher durch die Idealisierung der Sage gegangen, so muss sie denselben in die lyrische Glut der Empfindung tauchen, sie muss das Einzelne erfassen, große und reiche Momente her- ausheben und wählen, deren jeder sich zu einem besonderen Ganzen leicht gestaltet; sie muss, wenn sie geschichtliche Stoffe ergreift, den historischen Stimmungsgehalt bloßlegen. Sie gibt die schlagende Bezeich- nung der für den Fortgang der Handlung wesentlichen Momente, mit einem Wort oder Vers ein ganzes Bild, eine Thatsache der äußeren oder inneren Welt, so dass ferne Tiefen momentan wie aufgehellt erscheinen. Der einzelne Dichter kann dabei seine subjective Gesinnung walten lassen, denn die Ballade ist eine aus dem Gemüth herausgeborene Epik. Der lyrische Empfindungsgehalt, der in großen Maännern und großen Zeiten liegt, muss zum Ausdrucke kommen. Auch dadurch unterscheidet sich dann die Ballade von der epischen, historischen Erzählung. Diese erzählt von Anfang zu Ende kurz, das Bedeutsame, Seelenvolle hervor- hebend; die Ballade fasst den Moment, in dem alles culminiert, wie der Plastische Künstler den fruchtbaren Moment ergreift, und in kräftigen

*) K. L. v. WoltmannUber den poetischen Gebrauch des historischen Stoffes: Zwischen dem Epos und dem lyrischen Gedicht bewegt sich die Romanze. Nie kann die Historie auf das Lied zürnen; denn es wird niemand bereden, dass es historische Darstel- lung sei, und durch solche Überredung eine gegebene Wahrheit verfälschen. Aber Ro- manze und Lied mögen sich ihrer selbst wegen hüten, einen historischen Stoff zu wühlen, an welchem das historische Interesse so hängt, dass man auf ihr Spiel keine Aufmerk- samkeit richtet. 4

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