Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 3. Teil
Entstehung
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Lösung ist da, wenn auch das äußere Ende fehlt.Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn, das hat mit ihrem Singen die Loreley getban. Der Balladendichter braucht bei dieser lyrischen Ballade auch noch einen zweiten Factor, das Publicum, dem er etwas erzählt, während der Lyriker für sich singt. Das Ereignis darf sich nie von der Stimmung loslösen. Nicht der Stoff ist es also, sondern die Stimmung, die in der Empfindungsballade das Kunstwerk macht. Von dieser Stimmung geht der Künstler aus, von einer ihm eigenthümlichen, die in ihm durch irgend einen Vorgang, eine Situation, oft durch das leichte Bruchstück einer Handlung hervorgerufen ist, aber diese epischen Elemente über- gießt er mit dem magischen Scheine seiner Empfindung; diese ahnungsvolle, nicht selten geisterhafte Beleuchtung, wo hoch und scharf einfallende Lichter neben tiefen dunklen Schatten ruhen, wirkt ergreifend. Oft aber bleibt in solchen Stimmungsballaden wie bei Martin Greif für die Empfindung nicht einmal soviel Raum, dass sie als Gegenbild der Natur oder des historischen Vorganges entgegentritt,sie schlummert gewissermaßen unter der Decke oder macht sich in einem verhallenen Ruf oder Seufzer Luft..

So kann man die lyrische Ballade zum Unterschied von der epischen, die sich an positiv geschichtliche Stoffe hält diejenige nennen, welche den Balladenstoff so fixiert, dass man sich nicht kümmert, wann und wo das poetische Ereignis sich zutrug, sondern wo das Wie und Was desselben die ganze Einbildungskraft des Lesers oder Hörers zu fesseln weiß.

Das Lebensbild ist die poetische Darstellung von Gefühlen er- füllter, also seelenvoller modernen Persönlichkeiten in einer ergreifenden Lebenslage; hier fehlt auch nicht der idyllische Ansatz im Gegensatz zur historischen Lyrik, welche hervorragende geschichtliche Persönlich- keiten und Gestalten in einem wichtigen geschichtlichen Momente dar- stellt. Auch im Lebens- und Sittenbild kann das Handlungsbild oder das Stimmungsbild stärker hervortreten; diese Mischung hängt mit der Art der Behandlung des Stoffes, selbst mit dem gewählten Versmaß innig zusammen; eine kurze Andeutung und schärfere Ausprägung der

Situation kann stattfinden, die Individualität des Dichters kann mehr hervor- quellen und so ein Reichthum sich zeigen, der unerschöpflich ist, weil er aus dem Leben schöpft. Der Amerikaner Ch. G. Leland hat in seinen äußerst populärenHans Breitmann-Balladen dieses Gebiet der Balladen angebaut Das Lebensbild wird zum Sittenbilde, wenn die Gestalten ein prägnanter und dabei typischer Ausdruck individueller und socialer Le- benslagen werden. Für das Lebensbild und Sittenbild ist die moderne Weltlage der Hintergrund; die historische Lyrik kann jede Weltlage als Hintergrund benützen. Uberall aber ist die Stimmung die Hauptsache, sie muss zum kräftigen und ergreifenden Ausdruck kommen, sie ist die Seele in jeder Ballade,das gestaltete Gefühl, wie es K. F. Meyer nennt. Die Knappheit und rasche Beleuchtung, Farbe und Zeichnung sind balladesk gehalten, es werden alle Kunstmittel angewendet, die den echten Balladenton herstellen. Hier ist allerdings ein Grenzgebiet der Lyrik und Epik vorhanden, je nachdem mehr oder weniger epische Ele- mente mitspielen. Hier haben die modernen Dichter einen unendlich rei- chen Stoff gefunden, dessen künstlerische Ausbeutung jeden Tag wächst,