Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 3. Teil
Entstehung
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nigstens den Ansatz, gar häufig aber eine sehr bewegte Handlung bringt, in welcher sich starke Gefühle aussprechen. Der Unterschied der poeti- schen Gattungen beruht aber durchaus auf dem Stimmungsbilde, in dem die Gefühle, so tief und stark sie sind, es nie zum Handeln oder nur zu einem ganz leichten Handeln bringen, und aufdem Handlungs- bilde, in dem auch weniger tiefe Gefühle ein kräftiges Handeln hervor- bringen.

So wird also die lyrische Poesie einzutheilen sein: I. in das Stim- mungsbild im engeren Sinne und dies wieder 1. in das Lied(Darstellung eines einfach Schönen); 2. in die Ode, Hymne etc.(Darstellung des er- haben Schönen); 3. in die Gedankenlyrik(Elegie etc.); II. in das Stim- mungsbild im weiteren Sinne; dies ist 1. lyrische Ballade, 2 lyrisches Naturbild. Die lyrische Ballade ist entweder a) historische Lyrik, oder 6) lyrische Gestaltenballade als Sittenbild oder Lebensbild.

Am nächsten dem reinen Stimmungsbild, also der lyrischen Poesie, stehen nun die lyrischen Balladen; hier ist nur mehr ein Stimmungs- bild im weiteren Sinne vorhanden, es tritt in ganz leichten Umrissen wenigstens der Ansatz zu einem Handlungsbild hervor Schon bei Bürger entsteht die Ballade aus dem Liede in leichtem Ubergange; in der Lyrik Goethes sehen wir den vollendeten UÜbergang zum objectiven Gestalten des Stimmungsbildes(Schäfers Klagelied, Jägers Abendlied) Die lyrische oder die Stimmungsballade hat den Reiz des Volksliedes, das ja meist selbst Stimmungsballade ist. Der Dichter maskiert sich als Schäfer, Jäger oder als König etc.; hier darf er sich nur einer breiteren Schilderung von Zuständen und Begebenheiten hingeben; so tritt das Handlungsbild, freilich abgerissen, aber dennoch in seinem Ansatze scharf beleuchtet aus der lyrischen Umrahmung hervor; solche Gedichte greifen zu den Elementen der epischen Erzählung, lösen aber den epischen Stoff in Empfindung auf. Zu den Stoffen, welche von außen das Gemüth des Dichters beeinflussen, kommen noch solche, welche, um ein Gefühl aus- zusprechen, an eine äußere Begebenheit, an eine erfundene oder wahre Geschichte anknüpfen, worin leise die Empfindung anklingt, die in der

lyrischen Charakter behaupten. Harnack spricht von einer metaphorischen und rhetorischen Lyrik. Der Dichter gibt uns in ersterer entweder in irgend einer, wenn auch nur kurz angedeuteten, von der Phantasie geschaffenen Schilderung oder Erzäühlung ein Spiegelbild seines Zustandes, in letzterer spricht er den Zustand selber aus ohne jede Vermittlung der Phantasie(?), ausschließlich durch die Kraft der Rede. Hiebei muss bemerkt wer- den, dass einedurch die Kraft der Redeohne jede Vermittlung der Phantasie sich gebendeLyrik aus der Poesie überhaupt herausfällt. Auch reicht das Merkmal der Icherzählung keineswegs für den Unterschied aus. Ebenso bemerkt ein feiner Kenner der Poesie:Die lyrische Dichtung bedarf einer gewissen Menge von Thatsachen, um durch sie ihren Inhalt zu vermitteln. Das Gefühlsleben an sich ist durch die Begriffe, mit denen die Sprache arbeitet. nicht vorstellbar. Wir müssen Veranlassung und Wirkungen der Empfindung kennen lernen, um sie selbst zu verstehen. Rhythmus, Reim, Sprachme- lodie dienen dazu, sie leicht und verklärt zu machen, Bild und Vergleichung, sie charakte- ristisch zu färben und vor dem Zerfließen zu bewahren. Dieses Element der Thatsachen ist das Band, das die reine Lyrik mit der Ballade verknüpft. Auch die Ballade ist Iyrisch, aber das Empfindungsmoment soll die Thatsachen nur überall durchleuchten, nicht in seiner Flamme verzehren. Hiebei ist derselbe Irrthum vorhanden; ein Merkmal, das neben anderen Merkmalen die Art charakterisiert, für ausschlaggebend zur Bestim- mung für diese Art anzusehen.