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dert, die sogenannte moderne Ballade, die stimmungsvolle Gestalten der neueren, unseren Gefühlen näheren Zeit vorführt. Es sind scharf um- rissene Gestalten, nicht in jener verschwimmenden Zeichnung der lyri- schen Gestaltenballade; wenn auch die Wärme der Stimmung durch diese Naturen strömt, so löst dieselbe sie nicht ganz in Empfindung auf, es bleibt noch Plastik genug in diesen festen Gestalten, dass sie uns in kräftiger Wirklichkeit entgegentreten. Je mehr das Stimmungsbild zu- rückgedrängt wird und das Handlungsbild vorwiegt, um so epischer ge- staltet sich die Ballade. Die epische Ballade im Gegensatz zur lyrischen ist entweder chronikartige Ballade, oder sie ist mythische oder historische Sagenballade oder geschichtliche Bal- lade, die ihre Stoffe aus dem Alterthume, dem Mittelalter oder der Neuzeit nimmt. Durch die verschiedene Weltlage bekommen auch die handelnden Personen eine bestimmte Färbung nach Raum und Zeit. Es ist selbstverständlich, dass sich auch das Lebens- und Sittenbild epischer gestalten und die lyrischen Elemente mehr zurückdrängen kann. Endlich haben wir noch die dramatische Ballade oder die dramatische Cha- rakterballade, sie steht im Gegensatz zur epischen Ballade und ist nicht zu verwechseln mit der dramatisch behandelten Ballade; sie ist ein Drama im Kleinen. Diese Charakterisierung wird allen Unterschieden ge- recht, wie die nachfolgende weitere Ausführung zeigen wird. Hier sind die Schattierungen genau bestimmt und der Unterschied zwischen Bal- lade und Romanze ganz aufgegeben, der in seiner Künstlichkeit ohnehin nicht zu halten ist. Ernst Ziel sagt in seiner Kritik von M. Carrieres „Die Poesie und ihre Formen“ Beil. z. Allg. Z. Nr. 61, 1884:„Solche Grenzregulierungen(wie zwischen Roman und Novelle) gibt es in un- serer Poetik noch mehrere zu beschaffen. Ballade und Romanze z. B. sind zwei in schwankenden Arealverhältnissen wohnende Nachbarn, die noch immer eines ordnenden und ausgleichenden Paragraphen in der poetischen Agrargesetzgebung entbehren. Es ist schade, dass Carriere in seiner Poetik sich nicht auch dieser sich wegen ihres episch-lyrischen Erbgutes fortwährend in den Haaren liegenden Zwillingsbrüder schlich- tend angenommen hat.“ Es dürfte aber dieser Schlichtungsprocess, der nur zwei Glieder unterscheiden will, wo deren eine größere Zahl vor- handen ist, überhaupt nicht gelingen, wenigstens sind die bis jetzt ge- machten Versuche doch nur Machtsprüche, deren Giltigkeit nicht lange auert.
Das Handlungsbild kann sich mit dem Stimmungsbilde verbinden und zwar so, dass letzteres dem Handlungsbilde am rechten Orte einge- fügt wird; da das Handlungsbild wieder in das erzählte(epische) und in das vor unseren Augen durch die Personen in lebendiger Plastik dar- gestellte(dramatische) zerfällt, so kann eine solche Einfügung beim großen umfassenden Handlungsbilde, wie das Epos und Drama, als Epi- sode bezeichnet werden; solche Stimmungsgebilde haben an gewissen Ruhepunkten, nicht leicht gegen das Ende der Handlung hin ihren Platz. Beim kleinen epischen Kunstwerke aber verbindet sich das Handlungs- bild inniger mit dem Stimmungsbilde, und ein solches Gedicht wird dann gewöhnlich als episch-lyrisch bezeichnet.
Unsere Ballade oder Romanze ist ein solches in Stimmung ge- tauchtes Handlungsbild und wird daher häufig zur epischen Poesie ge-


