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Eckermann sagt:„Es kommt mir selber so vor, wie eine aus Stahl- drähten geflochtene Damascener Klinge.“ Wer den wunderbaren Klang der echten Ballade einmal gehört hat, der wird das Wahre von dem Falschen, das Gekünstelte und Gemachte leicht unterscheiden. Es han- delt sich gar nicht um den Stoff, denn wie Goethe sagt:„Kein realer Gegen- stand ist unpoetisch, sobald der Dichter ihn gehörig zu gebrauchen weiß,“ sondern um den Balladenton.
Diese Art von Balladen sind das echte Beispiel ihrer Gattung, sie haben dramatischen Nerv, haben die träumerischen Contouren, den sprunghaften Gang der Schilderung, weil sie zwischen Handlungs- und Stimmungsbild stehen; doch darf das Träumerische und Unbestimmte nicht zu weit gehen. Geheimnisvoll darf die Ballade sein, aber nicht räthselhaft. Eine ganz andere Reihe von Gedichten, denen man den Namen der Ballade nicht vorenthalten kann, läuft neben diesen Gedichten daher. Man denke nur an Schillers Balladen. Es ist dies die Ballade im weiteren Sinne. 3
Wenn auch gewisse allgemeine Gesetze, die aus dem Wesen des Kleinepos entspringen, für beide Hauptarten galten so lässt sich doch für die eigentliche Kunstballade im weiteren Sinne nicht das behaupten, was der aus dem Volksliede entsprungenen oder sie nachahmenden Bal- lade zukommt. Jede der Unterabtheilungen dieser vielgestaltigen Specia- lität hat ihre Eigenthümlichkeiten, die nicht schwer zu kennzeichnen sind.
Geht man von dem Unterschiede des Handlungs- und Stimmungs- bildes aus und von der Durchdringung oder Verbindung beider, die sich durch alle höhere Kunst durchzieht, so ergibt sich, dass im Handlungs- bild die Gefühle der von ihnen erfüllten Personen dadurch, dass sie mächtiger und stärker auftreten, zu Handlungen treiben, während im Stimmungsbild die Gefühle, so tief sie auch sein mögen und so stark sie auch auftreten mõgen, kein eigentliches oder nur ein ganz leichtes Handeln herbeiführen*).
Das Stimmungsbild im weiteren Sinne ist 1. die lyrische Ballade (Empfindungsballade), 2. das lyrische Naturbild. Zu ersterer gehören die lyrischen Situationstypen(Mignon) oder lyrischen Charakterballaden, die uns die inneren Conflicte ihrer Gestalten enthüllen. Reder nennt sie immanente Balladen. Das stärker hervortretende Handlungsbild, die vollere Aufnahme von objectiven Elementen führt zur immer noch stark lyri- schen Gestaltenballade, sie zeichnet die Personen im Gegensatz zur lyrischen Charakterballade mehr nach ihrem äußeren Auftreten. Hieher gehören jene plastisch herausgemeißelten historischen Bilder (historische Lyrik), die Lebens- und Sittenbilder, das Genre- bild, das die moderne Wirklichkeit mit psychologischer Wahrheit schil-
*) Schopenhauer(Welt als W. u. V. B. 2. S. 432) bemerkt:„Wie demnach in der lyrischen Poesie das subjective Element vorherrscht, so ist dagegen im Drama das ob- jective allein und ausschließlich vorhanden. Zwischen beiden hat die epische Poesie in allen ihren Formen und Modificationen, von der erzühlenden Romanze bis zum eigentlichen Epos eine breite Mitte inne. Denn obwohl sie in der Hauptsache objectiv ist, so enthält sie doch ein bald mehr bald minder hervortretendes subjectives Element, welches am Ton, an der Form des Vortrags etc. seinen Ausdruck findet.“ Die Formästhetik dürfte für die Ballade sehr schwer ein Unterkommen finden.


