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Gedichten geben zwei,„Bertran de Born“ und„Des Sängers Fluch,“ die beide dieselbe Idee: die Macht-der Dichtkunst versinnlichen, ein sehr belehrendes Beispiel von dem Unterschiede der Ballade und Romanze. In dem letztern fällt der Accent des Gedichtes auf den Fluch, der den Sänger deshalb ins Heroische hebt, während in dem erstern die Einheit auf der Be- kämpfung und Versöhnung des natürlichen Vaterzorns ruht, das erste ist deshalb Ballade, das letzte Romanze. In der Döffinger Schlacht etc. ha- ben wir vollständige Beispiele des kunstmäßigen historischen Liedes oder der Märe.“ Rinne sucht S. 172, 173 dies weiter an Goethes und Schillers Balladen zu rechtfertigen und trifft in manchen Gedanken mit Echter- meyer zusammen, aber auch seine Darstellung zeigt das Gesuchte und Gekünstelte aller jener Ausführungen, die auf Hegelische Grundlagen zu- rückgehen. Von Klarheit in der Untersuchung und wirklichem Unter- scheiden lässt sich nichts erkennen. Daher solche Urtheile wie S. 319: „Den eigentlichen deutschen Geist der lyrischen Epik trafen aus den genannten Ursachen weder Schiller noch Goethe und hierin ist es, wo ihnen Bürger vorzuziehen ist.“(Vgl. auch I. S. 170 fg.) Rinnes Darstel- lung construiert, wie die Echtermeyers, zuerst die Gegensätze Ballade, Romanze und Märe, ohne zu bedenken, dass der weit hergesuchte, sehr labile Eintheilungsgrund nur für eine gewisse Anzahl von Gedichten passt, während andere nicht in dieser Eintheilung Platz finden können.
Düntzer meint S. 88(Uhlands Balladen und Romanzen) und S. 277 II. (Erläuterungen zu Goethes lyrischen Gedichten), dass die künstliche Unterscheidung von Balladen, Romanzen und Mären oder Rhapsodien, die man versucht hat, nicht zu billigen ist. Uhland fasste Balladen als all- gemein verständlichen Kunstausdruck zur Bezeichnung von Sagenliedern in der Weise der nordischen Völker des Mittelalters(Uhlands Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage VII. 360, II. 388). Hier fasst er die Volksballaden als das eigentliche Lied vermöge ihres anschaulichen Inhalts. Romanzen hießen ihm die Volkslieder und Töne der südlichen Völker; beide Töne sollen die deutschen Sänger anschlagen: in beiden Arten ist Uhland Vortreffliches gelungen, wenn auch der ernste, düstere Ton seiner Begabung gemäßer war als der heitere, anmuthige. Düntzer bemerkt schon S. 89(Uhl. Ball.):„Der Unterschied der episch lyrischen Dichtungen liegt in der verschiedenen Mischung begründet, in welcher sich die in ihr verbundenen Elemente finden. Von der äußersten Grenze der Lyrik bis zur rein epischen Dichtung finden sich Balladen bei Uhland, wo der Verlauf einer Handlung dargestellt ist, die durch knappe Fassung lyrische Wirkung gewinnt. Uhland besitzt eine Menge Mittel, die Ballade lyrisch zu stimmen, selbst zur allegorischen Darstellung hat er sich der Balladenform bedient.“ Düntzers Erklärung ist unbedingt richtig; ihre weitere Durchführung weist dies am besten nach.
Auch R. M. Werner kommt in seinem Buche:„Lyrik und die Lyriker“ wieder auf die Märe zurück. Er sagt S. 15:„Es wäre gut, wenn wir die lyrisch epischen Gedichte nach dem Vorgange Dederichs in seinem Buche über Uhland mit dem Namen Mären bezeichneten und sagten: Mären sind Darstellungen eines Geschehens, einer Handlung, eines Charakters mit gleichzeitiger Erregung von Gefühlen, Empfindungen und Betrachtungen; zu ihnen gehören Legenden und Paramythien als beson- dere Unterabtheilungen, endlich Fabeln und Idyllen; die episch lyrischen Gedichte heißen Balladen, sie sind die Darstellung von Befahlon, Em- pfindungen oder Betrachtungen, in welchen ein Geschehen, eine Handlung


