Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 2. Teil
Entstehung
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zum Epischen mit lyrischen Elementen; sie sind liedmäßig und verhalten sich auch wie das Lied, ihre Dreitheilung nach Ballade, Romanze und Märe verhält sich wie die des lyrischen Gedichtes nach Ode, Elegie und Lied; so dass die Ballade der objectiven, die Romanze der subjectiven und die Märe der subjectiv-objectiven Anschauung entspricht. Das Ge- meinschaftliche der drei Gattungen ist das Subjective überhaupt, das Ro- mantische des Stoffes und die Volksmäßigkeit der Auffassung und Dar- stellung. Ist diese Einheit eine unmittelbare, so ist es ein Volkslied, ist sie dagegen durchs(Kunst-) Bewusstsein vermittelt, so entsteht die Bal- lade, Romanze und Märe im eigentlichen oder engeren Sinne; sie unter- scheiden sich aber von einander, indem die Ballade das mythische oder heroische Bewusstsein an einem besondern Falle darstellt, die Romanze die subjectiv-freie Unterordnuug des Endlichen unter das Unendliche zu ihrer Grundanschauung, die Märe Bezug auf das National-Allgemeine hat. Wollen wir sagt Rinne(I. 168 fg)daher mit der Begriffsbestimmung der Ballade nicht ganz in der Unbestimmtheit der früheren Gattungs- losigkeit der Poësie überhaupt hängen bleiben, so müssen wir sie als den untergehenden Mond des heroischen Bewusstseins bildlich, und be- grifflich als das individuelle heroische Gedicht bezeichnen, in welcher Bestimmung zugleich die historische Stellung der Ballade ihrem Anfange nach bezeichnet ist. Dass der Ballade mythische Behandlung, mythische und sagenhafte Ingredienzien als wesentlich inwohnen müssten, ist des- halb ein Missverständnis und eine willkürliche Bestimmung; sie können ihr aber inwohnen, und sie wird sie als poëtisches Element gern an sich ziehen, aber sie darf sie nicht zu ihrem Kerne machen. Das noch in einem gewissen Schwanken sich bewegende Bewusstsein des Dichters setzt nun nothwendig das subjective Pathos oder die Lyrik als form- gebend für den Stoff voraus, so dass die Ballade wesentlich ihrem Inhalt nach episch, ihrer Fassung nach rein lyrisch ist; daher wir selten einen gleichmäßigen Fortschritt, sondern eine mehr sprunghafte und skizzierte, gleichsam von Leidenschaftlichkeit unterbrochene Erzählung, häufige Re- frains, typische Wendungen und Bilder etc. finden, ganz wie beim Volks- lied, und aus denselben Gründen.

Werfen wir einen vergleichenden Blick sagt Rinne S. 171 fg., nauf diese lyrisch-epischen Gedichte, insofern sie in späteren Jahrhun- derten von dem Bewusstsein als besondere Kunstformen ergriffen werden, so haben wir dann den Unterschied, dass, während alle die jenen Ge- dichten zugrunde liegenden Erzählungen etc. den früheren Dichter un- mittelbar bewegen, sie dies in der späteren Zeit mittelbar thun, indem durch sie die Idee des früheren und deshalb noch mehr in seiner Innig- keit concentrierten Volksbewusstseins oder Volksgefühls von einem- heren Bewusstsein ausgedrückt wird und zwar nach drei Kreisen der nun zuerst mit vollkommenem Recht sogenannten Ballade, Romanze und Märe. Das höhere Bewusstsein und die darauf sich gründende Herrschaft über den Stoff bewirkt nun, dass das Unwesentliche in den Charakter- zügen der verschiedenen Gattungen fallen gelassen wird, wodurch sie, namentlich die Balladen und Romanzen, einander sehr nahe rücken und es darauf ankommt, wohin der Dichter den Hauptaccent der Darstellung legt. Legt er ihn auf die Darstellung des nythisohen oder heroischen Be- wusstseins, so entsteht die Ballade; legt er ihn aufden Kampf des natürlichen Lebens mit dem geistigen, so entsteht die Romanze, und legt er ihn endlich auf die des freien und bewussten Handelns in seiner endlichen Entfaltung, so entsteht die Märe oder die historische Romanze. Unter den Uhlandischen