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Voller Objectivität gar nicht fortschreitet und nur halbe Anstalten zum Erzählen macht. Hiermit, sagt Vischer, haben wir die Linien zu einer Grenzbestimmung zwischen Ballade und Romanze zu geben versucht. Er sieht aber auch ein, dass dieselben in der Anwendung Lücken haben müssen, dies folge nothwendig aus der inneren Natur des Lyrischen; wo es sich um so zarte Potenzen handelt, für die wir nur den Namen Behandlungston“ haben, kann am allerwenigsten bei Schuh und Zoll aus- gemessen werden. Der Sprachgebrauch ist daher locker und schwankend.
Grube unterscheidet Ballade und Romanze. Der Nerv der Ballade ist, dass uns die Energie des Willens der Helden packt, nicht die objective Erzählung der Heldenthat, etc. genügt. Die dramatische Form der Ent- wicklung ist ein charakteristischer Zug der echten Ballade, sie ist es, die der Ballade die schlagende Kürze gibt; denn indem die Personen redend ihren Willen, ihr Gefühl, ihren Zustand entfalten, schildern sie zugleich, was geschehen ist, was geschieht und geschehen wird. Die Ballade gewinnt aber auch ihre, das Gemüth erregende Spannung; denn wir werden nicht bloß bei der Anschauung, sondern auch bei der Em- pfindung gefasst, sympathetisch mit unserem Gemüth in die lebendig vor uns hintretende Katastrophe gestellt. Vgl. A. W. Grube, Goethes Elfen- balladen und Schillers Ritterromanzen, S. 21:„Besonders die Katastro- phen als dramatische Scene uns anschauen und empfinden zu lassen, ist des Balladendichters Triumph.“(Grube S. 87.)„Die Romanze wahrt auch darin ihren epischen Charakter, dass sie in festen, klaren Zügen ein Bild der Umgebung, des Schauplatzes, der That zeichnet; das unterlässt die Ballade oft ganz und gar, und wir müssen die Scene erst aus den Reden der handelnden Personen erschließen. Die Romanze mit ihrer epischen Ruhe und Klarheit behält auch in der Beschreibung und Erzählung die Stetigkeit und den Zusammenhang wohl im Auge; die Ballade will uns bei der Empfindung fassen, die Leidenschaft und den Affect ihres Helden uns zu Gemüthe führen, uns in die Stimmung versetzen, welche der vor- geführten Scene, Begebenheit und Handlung entspricht, darum kann sie über manche Mittelglieder des Vorgangs hinwegeilen und nur das her- vorheben, woran das Gefühl haftet; kraft ihres Principes der Anschau- lichkeit führt die Romanze aus der dämmerhellen Sage in die taghelle Geschichte hinüber.“ Die Ballade strebt umgekehrt aus der Sage in den Mihus zurück. Darum nennen wir Schillers„Balladen“ lieber„Roman- zen.“ S. 88.
Grube spricht von der Balladenromanze Schillers oder der idealisti- schen Romanze(S. 89), im Gegensatz zur realistisch-historischen Romanze (auch Heldenballade nennt er sie S. 218(deutsches Volkslied).
„Das in'’s Gemüth führen“ haben die Schillerischen Romanzen ganz mit der Ballade gemein; weshalb der Dichter nicht mit bloßer Willkür die Mehrzahl derselben Balladen nannte; es geht durch die epische Darstellung eine effectvolle Erregtheit, ein lyrischer Schwung, wie ihn die geschichtliche Romanze(Rhapsodie) nicht kennt“.(S. 93):„Darin zeigt sich der wesentliche Unterschied von der Ballade, dass in ihnen das Gemüth nicht von der Empfindung gefangen genommen, sondern gehoben und befreit wird.“ Grube gibt hier wesentliche Eigenschaften der Ballade, aber sie genügen nicht, um durch sie einen Unterschied aufzustellen, der dazu berechtigt, die Romanze von der Ballade abzu- trennen.
K. Tr. Rinne(Innere Geschichte der Entwicklung der deutschen National-Literatur II. 317) rechnet Romanze, Ballade, Märe und Legende


