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blutiger, nächtlicher Stoff behandelt, und endlich hat Echtermeyer bei dem, was er als Inhalt der Romanze bestimmt, durchaus Schillers philo- sophisch gebildetes Bewusstsein im Auge gehabt und,„stoffartig auf den Wert der Freiheit gesehen.“ Doch nimmt er(Asthetik B. IV. S. 1366) die mittlere Form auf, die Echtermeyer„Märe oder Rhapsodie“ nennt und weist ihr als Inhalt die Heldenwelt zu,„wie sich durch sie die Völker in energischer That von ihrer ersten dunkeln Unmittelbarkeit befreien.“ Vischer lehnt im allgemeinen eine zu erschöpfender Einthei- lung ausreichende Terminologie ab(z. B.„Ver sacrum“ von Uhland). Er sagt, dass die Grenzbestimmungen zwischen Ballade und Romanze in der Anwendung durchaus Lücken haben müssen, und er tadelt den lockern und durchaus schwankenden Sprachgebrauch. Der Unterschied zwischen der Ballade und Romanze ist ihm ein national gegebener. Das epische Lied des Nordens und das des Südens hat eine verschiedene Behandlung und ein entschiedenes Stilprincip: damit kehrte er auf den Herderischen Standpunkt zurück. Doch sieht Vischer ein, dass hiermit für die gegen- wärtigen Formen der Ballade und Romanze kein eigentliches Charakte- ristikon gegeben sei. Vgl. S. 12 1. Th. dieser Abhandlung.*) Vischer kennt eine Lyrik des Aufschwungs zum Gegenstand, eine des reinen Aufgehens desselben im Subject, und hier wird das ganz Anschauliche der Ballade eingereiht und die ganz epische Romanze; dann kommt eine Welt von Dichtungen, die keinen Namen haben.
Er sagt S. 1363: Der relative Fortbestand des inneren Gegensatzes innerhalb einer Nationalliteratur kann nicht weiter nur an diese For- men gebunden sein. Selbst die reinste, anmuthsvolle Heiterkeit des In- haltes hebt den Balladencharakter nicht auf:„Der Junggesell und der Mühl- bach“,„Der Edelknabe und die Müllerin“ von Goethe weisen sich durch die völlige Versenkung des Gefühls in den Stoff, die ihn dialogisch selbst sprechen lässt und alle Mittelglieder überspringt, noch genugsam als Balla- den auf. Viele spanische Romanzen sind von der Art, dass sie den Schritt zum Epischen d. h. jetzt zunächst einfach zum Erzählen, nur halb voll- ziehen. Dieses Stehenbleiben im Lyrischen erklärt Vischer dadurch, dass lyrisch im andern Sinne genommen ist: im Balladenstile bedeutet es den Act der subjectiven Empfindung; und darum nennt er die Ballade reiner lyrisch als die Romanze, das anderemal sei es die Subjectivität, die den allgemeinen Begriffscharakter des Lyrischen so einhält, dass sie bis zu
*) Es ist übrigens mit dem Unterschied zwischen südlicher und nordischer Ge- staltung gar nicht so beschaffen, wie gewöhnlich behauptet wird. Es ist dies eine falsche Induction, die aus vielen Fällen auf alle schliebt. Auch Wackernagel hat diesen Unter- schied bereits verneint. Anders schildert Woldemar Kaden treffend den Unterschied des deut- schen vom italienischen Volkslied:„Im deutschen Lied waltet die Wehmuth, im italieni- schen die Rache, im deutschen Volkslied fließen Thränen, im italienischen Blut. Unser Hintergrund ist der Wald, der ihrige das Meer, nicht trauter Dämmerschein, sondern blendende Mittagsglut liegt über ihren Bildern.“ Pitrés Sammlung sicilianischer Volkslieder zeigt Lieder erzählenden Inhalts, die meist von merkwürdigen Ereignissen, Blutthaten oder Unglücksfällen handeln. Mit lebendiger Dramatik werden die Thaten berühmter Räuber erzählt. Der Inhalt ist derselbe wie bei unsern älteren Volksballaden, und es ist hier von dem Unterschied zwischen südlicher und nordischer Natur nicht viel zu spüren. Die blin- den Sänger von Palermo singen von kühnen Räubern und behandeln legendenhafte Stoffe ganz in der Form der Ballade.(Vgl. Dr. Richard Otto: Sicilianische Volkslieder.) Ferdi- nand Gregorovius(Gedichte, herausgegeben von Ferdinand A. F. Graf von Schack) gibt corsische Balladen; sie zeigen sich als Bilder voll dunkler Farben; die fürchterliche Verlassenheit des Räubers, der ausgestoßen von der Menschheit ist. Die düsteren Rache- gespenster der Vendetta, die ganze Geschlechter ausrottet. Nur selten heitere Töne.
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