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Verschmelzung um so gelungener erscheint, je sparsamer sie schildert und je musikalischer sie sich bewegt. So kommt Uhland zu keiner neuen Anschauung über die Ballade, da dasselbe schon Goethe ausgesprochen hat, aber er begründet diese Auffassung tiefer, und seine Ausführungen entsprechen seiner eingehenden theoretischen und praktischen Thätigkeit, auf diesem Gebiete. Auf Grundlage der Hegelischen Asthetik haben sich dann Echtermeyer und Th. Vischer eingehend mit der Ballade beschäftigt. Echtermeyer versteht unter Ballade dasjenige episch-lyrische Gedicht, welches den epischen Stoff vom Standpunkte der unmittelbaren Volks- anschauung darstellt, wogegen die Romanze denselben vom Standpunkte des idealen Selbstbewusstseins ergreift. In der Ballade soll das Fatum, in der Romanze die freie Sittlichkeit herrschen. In der Ballade soll der Dichter die Begebenheit darstellen als außerhalb dem Menschen liegend mit ihm und dessen Sein im Kampf; auch sollen alle Begebenheiten hieher gehören, in welchen bloß die engere Gemüthswelt des Menschen, nicht aber die umfangreiche Welt der Ideen dem äußeren Leben ent- gegentritt. Echtermeyer nimmt überhaupt drei Hauptformen der epischen Lyrik an, die den drei Hauptformen des deutschen Epos entsprechen sollen. 1. Ballade: mythisches Epos(z. B. die Edda), 2. Märe oder Rhap- sodie: eigentliches Volksepos(z. B. Nibelungen), 3. Romanze: romanti- sches Epos(z. B. Parcival). Goethe ist ihm der Vertreter der Ballade, Schiller der Romanze, zwischen beiden steht Uhland als Vertreter der Märe oder Rhapsodie, die dem Volksepos parallel das epische Element am meisten enthält. Dieser Darstellung folgten viele Anfertiger von Com- pendien, sie war im Einklange mit der lang herrschenden und fast als unfehlbar geltenden Hegelischen Asthetik*), ihr folgte Kurz in seinem be- kannten Werke und A. W. Grube(Asth. Vorträge). Das Walten der unmittelbaren Naturkräfte, ihr Eindruck auf die Menschenseele ist ihm der nothwendige Inhalt der Ballade; Goethes Elfenballaden und Schillers Ritterromanzen werden unter diesem Gesichtspunkt behandelt. Th. Vischer aber hat sich dagegen ausgesprochen. Gegen Echtermeyers Ausführun- gen sagt er:„Esscheint dies eine klare und einleuchtende Entscheidung der schwierigen Frage; sieht man aber näher zu, so wird man finden, dass dieser Schein täuscht. Fürs erste wird nicht alles eingetheilt, was einzutheilen ist, fürs zweite ist umgekehrt in dem Stile, welcher mit herkömmlich nationaler Beziehung den Namen der Romanze führt, viel
*) Die epische Lyrik zerfällt, heißt es, in eine Dreiheit von Momenten, in die Bal- lade, die Rhapsodie und die Romanze. Während in der Ballade der natürliche, bestimmte Volksgeist sich offenbart und die Nachtseite des Volksbewusstseins, die träumende Seele des Volkes und sein dämonisches Element, der natürliche Wille, im Gegensatze zu dem höheren, sittlichen Willen lebendig wird, findet die Rhapsodie ihr Element in der Tapfer- keit und Kraft des historischen Lebens; die Ballade ist düster, die Rhapsodie hell und freudig, indem sich in ihr der Volksgeist von seiner ersten Unmittelbarkeit befreit, wäh- rend er endlich in der Romanze sich nicht mehr in seiner Natürlichkeit, sondern in seinem idealen Selbstbewusstsein, in seiner freien Sittlichkeit anschaut und feiert(Vgl. Hub. S. 366; Blätter für literarische Unterhaltung 1845 Nr. 26). So wurde Goethe nach diesen Dar- stellungen der Balladen-, Schiller der Romanzen- und Uhland der Rhapsodiendichter par excellence, und in den Poëtiken für den Schulgebrauch wurde diese Unterscheidung als die richtige festgehalten, obwohl sie sich in gar keiner Weise rechtfertigen lässt. Man
sah den großen Unterschied in der Behandlung und im Wesen der Ballade, und hier lagen Bezeichnungen des Unterschiedes vor, die sich an den Dichtungswerken der Kleinepik und zwar den hervorragendsten zu rechtfertigen schienen und einen philosophischen Hintergrund an der damals herrschenden Zeitphilosophie fanden, die überall eine Ent- wicklung in dialektischer Weise als das Kennzeichen der Wahrheit nahm,


