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sten eingreife. Sie bleiben in der Balladendichtung jedes Volkes im gan- zen verbunden, aber sie können in den einzelnen Erzeugnissen dieser Dichtart nach den Unnständen bald mehr vereinigt, bald mehr gesondert zu Tage treten. Ein solches Zusammensein ist aber auch nur für den geringen Umfang poëtischer Bildungen gegeben, den schon die Bestim- mung derselben für den lebendigen Volksgesang mit sich bringt. Je mehr der Umfang der Gedichte sich ausdehnt, je mehr auch die einzel- nen Gesänge einen Theil eines größeren Ganzen ausmachen, umso ent- schiedener werden die besonderen Formen sich entfalten. Die Lyrik, die Gemüthsbewegung kann in der Art, wie sie in einer Ballade austönt, nicht für längere Heldengesänge ausdauern, sie muss hier zurücktreten und der ruhigeren Gestaltung der epischen Elemente Raum geben. Aber auch die Lyrik sucht ihren eigenen Weg. Sie muss, während das Epos längst in breiten Strömen fließt, noch unterirdisch quellen und ringen. An dem deutschen Minnegesang würde sich vollkommen genetisch die allmähliche Ablösung der Lyrik von der Balladendichtung nachweisen lassen. All dieser tausendstimmige Minnegesang beruht auf einer Ballade, von der Liebe im Frühling oder vielmehr auf dem mannigfach ausge- prägten Typus einer solchen. Aber die Naturbilder, die äußere Handlung, ohne die in früherer Zeit die Gemüthsstimmung keine Worte hat, treten mehr und mehr zurück, sie werden nur noch zum blumigen Rahmen, zur herkömmlichen Formel, sie werden selbst ganz abgeworfen, und aus dem tieferen Gemüthe einzelner Sänger bricht fast farblos, zu einem eigen- thümlichen Leben gereift, die lautere Seele hervor.“.
Neben Balladen und Romanzen führte Uhland noch diesen ver- wandte Gedichte an, unter welchen er solche verstand, in welchen keine eigentliche Handlung sich findet, sondern gewisse typische Personen ihre Zustände anpreisen oder wo ein belebtes Bild derselben gegeben wird. Uhland sagt, dass man gerade in der reinen Ausscheidung der Dicht- arten die schönste Befriedigung finden könne. Aber die verschiedenen Formen sind Wirkung und Ausdruck verschiedener Geistesthätigkeiten, und das harmlose Zusammenwirken von diesen ist es, was auch im ge- ringsten Raume poëtische Fülle gewähren kann:„Ja es scheint, als könnte ein solches poëtische Zusammenwirken auch wirklich nur inner- halb eines beschränkteren Umfanges ungetrübt stattfinden. Gemüthsstim- mung, Empfindung in Lebensbildern, in Gestalt und Handlung sich aus- PrlSend Anschauungen, Bilder des Lebens und der Phantasie vom Gefühl
urchdrungen, Klang und Farbe, Seele und Gestalt, inneres und äußeres Leben innigst verschmolzen, eine Verschmelzung, die eben das Merkmal der echten alten oder neuen Ballade ausmacht, wird nicht leicht für eine längere Dauer anhalten. Bei größeren Ausführungen wird das Subjective der Lyrik zurücktreten und die epische oder dramatische Objectivität sich selbständig herausstellen. Die Ballade selbst wird um so sicherer ihre eigenthümliche Wirkung üben, je weniger sie ausmalt, je weniger sie über die wesentlichen Züge der Anschauung, der Situation oder Hand- lung, die den Empfindungen zum Träger dienen soll, hinausgeht. Nur darin darf sie nicht sparsam sein, was ihr musikalische Bewegung gibt. Darum findet man auch die besten alten Balladen in den Hauptzůgen gedrängt, dabei aber mit bloß tonanschlagenden Wendungen und refrain- artigen Wiederholungen reichlich bedacht.“ So ist Uhlands Gedanke, auf den er wiederholt zurückkommt, der: nur im knappen Umfange ist die Verschmelzung der drei Grundelemente, des epischen, lyrischen und dra- matischen, möglich. Die Ballade ist jenes Gedicht, in welchem diese


