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oder ein Charakter stärker hervortritt. Zu ihnen kann man KAllegorien wie das„Mädchen aus der Fremde“ rechnen.“
„Nach dem früher Entwickelten dürfen wir von lyrischen Mären sprechen, wenn das Lyrische bei der Märe sich stärker fühlbar macht; man nennt sie wohl auch Romanzen. Anderseits können wir epische Balladen entdecken, wenn in der Ballade der epische Charakter mehr geltend wird, etwa nach Art der Bürgerischen„Lenore“, der Goethischen „Ballade“. Die Märe scheidet sich vom Epos, weil das Lyrische in ihr zum integrierenden Bestandtheil wird und nicht bloß wie im Epos der Darstellung eines Geschehens, einer Handlung, eines Charakters dient. Die Ballade scheidet sich von der Lyrik, weil in ihr das Epische nicht eine bloße Andeutung der Situation ist, sondern zur Entfaltung von Gefühlen, Empfindungen oder Betrachtungen nothwendig erscheint.“ Durch diese Darstellung, meint Werner S. 16, sind die Schwierigkeiten behoben, welche gerade diese Gattungen bisher den Poëtikern bereiteten, und das Wesen von Epik und Lyrik wird durch sie klarer und deutlicher.
Gervinus will den Unterschied der Ballade und Ronianze von der Rhapsodie in nichts anderem finden, als in ihrem dramatischen, scenier- ten Gang.
Wihelm Wackernagel(Poëtik, Rhetorik und Stilistik herausg. von L. Sieber, Halle 1873) S. 97 sagt:„Die Volkslieder der Engländer und der Schotten pflegen das Lyrische nicht bloß äußerlich neben das Epische hinzustellen, sondern es enger und inniger mit demselben zu verschmelzen, jedoch so, dass bei weitem der stärkere Accent auf dem Epischen ruht. Die Erzählung geht in raschen und großen Schritten bis zum Abschluss vor- wärts; immer nur ein Ereignis mit seinen Motiven und in seinem that- sächlichen Verlauf. Das Lyrische zeigt sich in kurzer Andeutung der inneren Zustände jener Personen selbst, welche Object der Anschauung sind, in fliegender Bezeichnung der Gemüthsbewegungen, die mit den äußeren Thatsachen als Motiv oder Erfolg in unmittelbarer Verbindung stehen“. Hier hat auch Wackernagel zuerst richtig das Stimmungsbild in Verschmelzung mit dem Handlungsbild erkannt. Das Stimmungsbild ist Lyrik, so objectiv und unabhängig vom Dichter es auch dargestellt sein mag; nicht das ist Lyrik, was die Subjectivität des Dichters zeigt, sondern das, was bloß objectiv dargestelltes Stimmungsbild ist, und wenn der Dichter sich selbst darstellt, so muss es ebenso objectives Stimmungsbild bleiben. Darum sagt Wackernagel so richtig:„Vollendet aber und zu- gleich zum Gipfel und bis zur Grenze geführt ist die lyrische Auffassung, wenn eine episch objectivierte Person aus ihrem innern Zustande heraus selber die Thatsachen als vergangene und geschehene erzählt, welche zu dieser ihrer Gemüthsstimmung die causale Grundlage bilden. Die englische Benennung solcher lyrisch epischen Gedichte ist„ballad“.
„Wir stellen“, sagt Wackernagel weiter,„die Balladen der Eng- länder und Schotten den Romanzen der Spanier gegenüber, es besteht, aber zwischen Romanzen und Balladen kaum ein weiterer Unterschied als der des Namens, außerdem noch ein Unterschied der metrischen Form. Romanzen sind in trochäischen Tetrametern, die assonieren, die Balladen meistens in vierzeiligen Strophen abgefasst.“ S. 99.)
„Seit mehreren Menschenaltern gibt es nun auch deutsche Romanzen und Balladen— Dichter und Theoretiker befinden sich bei dieser Doppel- benennung in fortwährender Verlegenheit— sie bilden eben eine neue Misch- und Mittelgattung, wie sich dergleichen immer in Zeiten finden wird, wo die Poesie in keinem recht organischen Zusammenhange mehr


