Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 2. Teil
Entstehung
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bei der Besprechung von Goethes Balladen:Nun bliebe noch die Grenze zwischen dem Liede und der Romanze festzusetzen, aber ohne uns hier in allgemeine Untersuchungen zu verlieren, dürfen wir wohl behaupten, dass dieser Unterschied in dem vorliegenden Fall wenigstens, nicht, immer ganz bestimmt und überall anwendbar ist. Ein Lied, das sich an irgend eine Volksmelodie anschließt, das nicht in der eigenen Person gedichtet ist, sondern in irgend einer, mehr oder minder aus der roman- tischen Sage entlehnten, besonders wenn in diesem mythischen Hinter- grund irgend eine Geschichte andeutend vorausgesetzt oder wohl theil- weise gar erzählt wird, nähert sich durch diese Bedingungen stufen- weise immer mehr der Romanze und geht endlich in dieselbe über, wie Des Schäfers Klagelied oder dasBergschloss. Weit entfernt dieses für eine nnvollkommene Mittelgattung zu halten, glauben wir vielmehr, dass diejenigen Lieder oder Romanzen die vollkommensten sind, von denen es schwer zu entscheiden sein würde, ob sie das eine oder das andere seien, weil sich beide Elemente, die tiefe Eigenheit des Gefühls, und die geheimnisvolle Andeutung der Phantasie, nach Art des Volks und der alten Sage, so innig durchdrungen haben, dass sie nicht mehr geschieden werden können. Umfasst ja doch der Name des Liedes in seinem ur- sprünglichen Sinne den erzählenden Dichtergesang ebenso wohl als den des bloßen Gefühles. Wir erlauben uns daher für unsere Ansicht einer anderen Eintheilung zu folgen; wir nehmen die objectiven Lieder gleich mit zu den Romanzen. Hier hat Fr. Schlegel dasobjective Lied zuerst in diese Art mit aufgenommen und der Romanze gleichgestellt, also das Stimmungsbild von diesem Charakter von dem eigentlichen Liede, zu dem es früher gezählt wurde, losgetrennt. Außer dem reinen Stim- mungsbild wird jetzt ein objectives constatiert, zu dem dann durch Schiller noch als drittes das Gedankenstimmungsbild(Gedankenlyrik) kam. Das objective Stimmungsbild konnte dann in seiner weitern Spal- tung als lyrische Ballade, mythische Ballade, historische Lyrik, modernes Lebensbild und Sittenbild auf der einen, als Natür- oder Landschaftsbild auf der andern Seite leichter erfasst werden. Schiller hat über die Bal- lade nur Andeutungen in der Recension zu Bürgers Gedichten gegeben. Ein Volksdichter für unsere Zeiten, sagt Schiller in der Recension über Bürgers Gedichte(1802),hätte also bloß zwischen dem Allerleichtesten und dem Allerschwersten die Wahl; entweder sich ausschließend der Fassungskraft des großen Haufens zu bequemen und auf den Beifall der gebildeten Classe Verzicht zu thun oder den ungeheueren Abstand, der zwischen beiden sich befindet, durch die Größe seiner Kunst aufzu- heben und beide Zwecke vereinigt zu verfolgen. Welch Unternehmen, dem ekeln Geschmacke des Kenners Genüge zu leisten, ohne dadurch dem großen Haufen ungenießbar zu sein ohne der Kunst etwas von ihrer Würde zu vergeben, sich an den Kinderverstand des Volkes anzu- schmiegen! Groß, doch nicht unüberwindlich, ist diese Schwierigkeit; das ganze Geheimnis, sie aufzulösen glückliche Wahl des Stoffes und höchste Simplicität in Behandlung desselben. In diesem Sinne hat auch Schiller seine Balladen als ein wahrer Volksdichter gedichtet und sie dürfen nicht zu poetischen Erzählungen herabgedrückt werden, wie es Baumgart thun will.(Vg. S. 64). Gerade Bürgers Balladen werden von Schiller lobend hervorgehoben; er sagt:Das längst entschiedene, ein- stimmige Urtheil des Publicums überhebt uns, von den Balladen zu reden, in welcher Dichtungsart es nicht leicht ein deutscher Dichter Herrn