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spricht von einer tragischen, komischen und mibttlern Ballade. „Die komische oder humoristische Ballade mache Spaß ohne Frechheit und führe das Lächerliche bis in das Absurde, ohne deshalb den erha- benen Ursprung zu verleugnen. Die hohe Lebensaufgabe erscheint als Ironie, sie hat etwas Schelmisches neben dem Großen, und das Gemeine wird nicht trivial. Die mittleren Balladen sind ernst und bewegen sich in leidenschaftlichen, gefährlichen Regionen, aber entweder werden sie durch irgend eine Vermittlung, und wo das nicht gelingt, durch Resig- nation, Kloster und Grab abgeschlossen.“ Schon bei Bürger sehen wir, wie die Ballade aus dem Lied entsteht, indem er die subiective Stim- mung zum obiectiven Ausdruck bringt durch Verhüllung in dritte Personen. Auch Goethe thut dieses: er wird„Worterlöser der Empfin- dungen anderer“(Mignon, der Harfenspieler).„Es ist nur dieser Mensch, diese Gruppen von Menschen, die dargestellt werden,“ sagt Vischer,„und man ruft doch aus: so ist der Mensch.“ Wie nun das epische Element sich mehr hervordrängt, wenn die dramatischen Elemente sich steigern, so wird die verschiedene Art der Stellung und Durchdringung dieser Elemente der Balladenpoësie des Dichters ein bestimmtes Gepräge geben. Diesen Mischungscharakter hat Goethe trefflich erfasst, indem er sagt, es ließe sich an einer Auswahl solcher Gedichte die ganze Poëtik gar wohl vortragen, weil hier die Elemente nicht getrennt, sondern wie in einem lebendigen Urei beisammen sind*). Im Excurse zum west-östlichen Divan S. 120 heißt es:„Es gibt nur drei Naturformen der Poësie: die klar erzählende, die enthusiastisch aufgeregte und die persönlich-handelnde: Epos, Lyrik und Drama. Diese drei Dichtweisen können zusammen oder abgesondert wirken. In dem kleinsten Gedicht findet man sie oft bei- sammen, und sie bringen eben durch diese Vereinigung im engsten Raume das herrlichste Gebild hervor, wie wir an den schätzenswerten Balladen aller Völker deutlich gewahr werden.“ Wie sorgsam Goethe bei Bear- beitung seiner Ballade vorgieng, davon gibt es genug Belege. Er dachte über diese Art reiflich nach.(Vgl. Goethes Gespräche, herausgegeben von Woldem. Freiherr von Biedermann VI. 362.) Er sagt von den beiden Balladen von den Kindern und dem Alten und den„glücklichen Gatten“: „Ich halte auf diese beiden Gedichte selber etwas.“„Ich habe die Ballade lange mit mir herumgetragen, ehe ich sie niederschrieb; es stecken Jahre vom Nachdenken drin, und ich habe sie drei und viermal versucht, ehe sie mir so gelingen wollte, wie sie jetzt ist.“ Eckermann meint:„In der Ballade ist ein sehr reicher Gegenstand in große Enge zusammenge- bracht mittels aller poëtischen Formen, Künste und Kunstgriffe, worunter ich besonders den hochschätze, dass das Vergangene der Geschichte den Kindern von dem Alten bis zu dem Punkte erzählt wird, wo die Gegen- wart eintritt und das übrige sich vor unseren Augen entwickelt.“
Auf Grundlage der Goetheschen Andeutungen konnte ein so fein- fühliger Kritiker wie Fr. Schlegel ohne Schwierigkeit treffende Bemer- kungen über die Romanze anknüpfen. Fr. Schlegel bemerkt B. 10, 161
*) Bemerkungen zu der Ballade vom vertriebenen und zurückkehrenden Grafen. A. Egger bemerkt(Z. f. österr. Gymn. 19. Jg. S. 661.):„Goethe nennt die meisten seiner erzählenden Gedichte Balladen, obwohl er sonst auch das Wort Romanze gebraucht. Im Musenalmanach von 1797 heißt die„Braut von Korinth“ eine Romanze und in den Tag- und Jahresheften werden„Der Todtentanz“,„Der getreue Eckart“,„Die wandelnde Glocke“ als Romanzen aufgeführt. Unter die Balladen stellte er aber auch das rein lyrische Mignonlied.“ 4


