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sten der Eintheilung„Ballade“ und„Romanze“ und warnt uns, alles eintheilen zu wollen. Wohin sollen wir„Ver sacrum“ zählen und mit ihm die ganze Welt episch-lyrischer Gedichte, die im Inhalte bald finster, bald heiter, im Ton und Gang bald dramatisch bewegter, bald milder und heller fließend, doch in der ganzen Form zu classisch durchgebildet sind, zu sichtbar auf classischem Kothurne gehen, um unter dem Begriffe eingereiht zu werden, der doch immer an die Naivetät der Volkspoösie erinnere? Es bleibt also dabei, dass hier keine zu erschöpfender Einthei- lung ausreichende Terminologie besteht.“ Es kann aber dem gegenüber behauptet werden, dass immer wieder eine solche Eintheilung versucht wurde, und dass eine solche Terminologie sich bereits gebildet hat. Es kann auch eine Unterscheidung in zwei oder mehrere Formen keine er- schöpfende sein bei so feinen Übergängen aus der lyrischen Tonleiter ins epische, ja ins dramatische Gebiet. Die Art der Behandlung eines Stoffes ist so mannigfaltig, dass die Abgrenzung dieser UÜbergänge nach der Art ihrer Behandlung in bloß zwei oder drei verwandte Gattungen nicht ausreicht. Es muss der Unterschied und die Eintheilung jener Ge- dichte, die man auch nicht als erzählende Gedichte im allgemeinen be- zeichnen darf, in anderer Weise gesucht werden. Mit einer Definition lassen sich die vielen Varietäten nicht abfangen, man kann aber doch gewisse Unterscheidungszeichen aufstellen, welche es möglich machen, ein Gedicht in eine Reihe einaustellen.*)
Wir haben im ersten Theil dieser Abhandlung die Entwicklungs- geschichte der Ballade seit ihrem erneuten Auftreten in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts darzustellen versucht.**) Das allmähliche Wer-
*) Die Dichter selbst machen bekanntlich wie die Kritiker keinen Unterschied in der Benennung von derlei Dichtungen. Wie häufig findet man in Kritiken und Anzeigen „balladenähnlich,“„romanzenartig“; sowie überhaupt bei Gedichten die Uberschriften: „Balladen und Romanzen,“ wobei Begebenheiten. geschichtliche Sagen und Vorkommnisse, gespenstige und aus dem Leben gegriffene Stoffe dargestellt werden. In neuerer Zeit wird von den Dichtern häufiger der Ausdruck„Balladen“ gebraucht, der Ausdruck„Romanzen“ kommt seltener vor; dafür sind die Ausdrücke„Bilder und Gestalten“ häufig. Ernst Ziel überschreibt seine Gedichte dieser Art„Märchen und Sagen.“ Karl Budde will die zwi- schen Lyrik und Epik schwebenden Gedichte der Annette von Droste-Hülshof„Seelenbilder“ nennen, sie beleuchten das Verhältnis von Mensch zu Menschen von allen Seiten(„Die junge Mutter,“„Die beschränkte Frau“).
**) In neuester Zeit hat C. A. Buchheim Balladen und Romanzen„selected and arranged with notes and literary introduction“ herausgegeben. Er unterscheidet die Periode von Bürger bis Chamisso, von Uhland bis Heine und von Preiligrath bis anf die Gegen- wart. In der Zeitschrift„The Athenäum“ sagt der Referent bei Gelegenheit der Bespre- chung dieser„Sammlung“:„England kann behaupten. das poëtische Feuer entzündet zu haben, welches in Deutschland weiter greifend die belebenden Balladen schuf. Als die deutschen Dichter es unternahmen, eine neue künstlerische Wiedergabe von Stoffen, aus alten Legenden entnommen, zu bieten, hatten sie vor sich ein weites Feld von Gegenstän- den, woraus sie wählen konnten, und sie verschafften der Literatur ihres Landes ein edlles Capital. Sie nahmen einige von den Geschichten, die Percy der Welt gegeben hatte; aber andere fanden sie in ihrer Umgebung und sie verachteten es nicht, derartige romantische Ereignisse, die zu ihrer eigenen Zeit vorkamen, zu verwenden.“ Man sieht aus dieser Auße- rung des Recensenten, welche Anschauungen man dort über die deutsche Ballade hat. Übrigens muss hier noch bemerkt werden, was Herfort sagt. Er hat in seiner Studie über die literarischen Beziehungen zwischen England. und Deutschland im XVI. Jahrhundert nachgewiesen, dass es in England nichts dem Khnliches gab, was an den einfachen Stil, der durch eine Menge von Zügen bereichert war, die dem Minnedienst entsprossen var, erinnert; ebenso wenig etwas, was dem deutschen Meistergesang, den deutschen Lands- knechtsliedern ähnlich war; erst gegen Ende des Jahrhunderts lassen sich ein paar Bal- laden nachweisen, die aus Deutschland übers Meer gedrungen sind und hier Nachahmung fanden.


