Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 1. Teil
Entstehung
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Hermann Allmers Bilder und Gestalten, im Tone der Volksballade ge- haltene Gedichte(Der Wildschütz und sein Lieb), Otto Sievers freilich stark rhetorische Balladen, Wilhelm Zimmermanns dem Volksliede abge- lauschte DichtungKönig Enzio. Eynst von Güntherts rührende und schlichte BalladeOrmesson von dem braven Rappen, der im Gefechte verwundet, seinem Reiter um Mitternacht mit zerschossenem Fuß ins Quartier nachgehinkt kommt; der Herr schießt seinen Liebling nieder: Voran mein Hans, ich folge nach. Oder von AvenariusDer Gefan- gene. Hier sind nur 4 achtzeilige Strophen, aber in ihnen spielt eine ganze Tragödie des menschlichen Herzens, ebenso in H. LormsZigeu- nerkind. So ist auch Edwin Bormanns herrliche BalladeTrauerkunde mit dem Hintergrunde des Jahres 1870 ein Edelstein deutscher Dich- tung. Ludiig Giesebrecht(Der Lotse), Maæ Schlierbach(Gesang der Thraker,Simonides) Alexis Aar(Der Chaldäer,Semiramis,Mer- lin), Karl Otieler, Julius Hart haben entweder in der historischen Ly- rir oder in der lyrischen Ballade und im Lebensbilde Wertvolles geleistet.

Die Frage, ob die Ballade noch eine große Zukunft haben wird, beantwortet Holzhausen dahin, es sei zweifellos nach dem großartigen Anbau dieser Dichtung in unserem Jahrhundert, das des reine Epos nicht mehr kennt, die Stimmungslyrik als schwächlich verurtheilt und im Drama nichts sonderliches leistet, dass auch ferner diese episch-lyrisch-drama- tische Zwischengattung mit dem weiten Felde der Stoffe, der Buntheit und Vielseitigkeit der Composition und dem Springenden und Unstäten der Manier, welche sie gestaltet, gerne gepflegt werden wird. Man kann hierzu noch bemerken, dass bei der Hinneigung unserer Zeit zum Geist- schönen, zum concentrierten Ausdruck der Empfindung, wozu die Bal- lade wie geschaffen ist, ferner durch die großen Muster, deren unver- welkliche Schönheit feststeht, endlich durch die individuelle Anlage der Zukunftsdichter die Pflege jeder Gattung der Ballade von selbst ge- geben ist, nachdem sie sich ihren Platz in der Poëtik so siegreich er- kämpft hat. Damit ist keineswegs zugestanden, dassdas reine Epos etwa unmöglich, die Stimmungslyrik schwächlich sei, das Drama nichts Sonderliches leistet.

Das poëtische Mittelgut kann ganz achtbar sein, aber es ist häufig Clichépoësie nach Uhland, Goethe, Schiller, Platen. Es stellte sich ein gewisser mittlerer Balladentypus ein, der den Stoff schablonenartig wieder- gab, ein Nachklang des Angelesenen, der in einzelnen Wendungen an die Meister dieser Art oder an die Volksballade, auch an beide erinnertoe. Der Zuschnitt war leicht und höchstens nach dem Staffe oder dem nach- geahmten Muster verschieden. In dieser verblassten Art konnte sich auch eine schwache Kraft versuchen und manchmal einen glücklichen Griff thun.

Wie in Deutschland und ésterreich war die Ballade nach Lord Byrons Tod in England sehr gepflegt. Macaulay und Aytoun ernteten großen Ruhm, weil sie, zumal Macaulay in seinen altrömischen Liedern, den alten Balladenton anstimmten. In Amerika machten Longfellow und Aldrich die Leiden des schwarzen Bruders zum Gegenstand herzergrei- fender Balladen(Mirjams Weib). Der Nestor der amerikanischen Dich- ter John Greenlaf Whittier behandelt in seinen Balladen einheimische Stoffe aus der Geschichte Neu-Englands und aus den Legenden der rothen Stämme(The Vanishers, The Grave by the Lake). Auch aus den religiösen Kumpfen der Puritaner und Quäker sind ausgezeichnete Balladen vorhanden(The Witch of Wenham, Southwick). Der volkslie-